Ein Investmentfonds kann heute ausreichend liquide erscheinen und nach größeren Mittelabflüssen dennoch vor Problemen stehen. Werden Rückgaben überwiegend aus den handelbaren Anlagen finanziert, steigt der relative Anteil schwer verkäuflicher Investments automatisch.
Ein vereinfachtes Beispiel: Hält ein Fonds mit 100 Millionen Euro Vermögen 20 Millionen Euro in illiquiden Anlagen und verliert anschließend 30 Millionen Euro aus seinen liquiden Beständen, erhöht sich die Illiquiditätsquote von 20 auf knapp 29 Prozent – ohne dass weitere illiquide Anlagen gekauft wurden.
Ein aktuelles Beispiel liefert der von KKR verwaltete Diversified Assets Fund von St. James’s Place. Nach schwacher Wertentwicklung und hohen Mittelabflüssen soll der Fonds geschlossen werden. Der Anbieter erklärte, die Rückgaben hätten die Möglichkeit beeinträchtigt, private Investments bis zu ihren vorgesehenen Veräußerungsterminen zu halten.
„Die aktuelle Illiquiditätsquote allein reicht für eine Fondsbewertung nicht aus“, erläutert Wolfgang Gierls, Geschäftsführer der FORAIM Finanzmanagement und -service GmbH. „Entscheidend ist auch, wie sich diese Quote nach weiteren Mittelabflüssen oder Marktverlusten entwickeln könnte.“
Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung zeigt zugleich, dass die Kombination liquider Risikoanlagen mit einer variablen Cashquote historische Drawdowns reduzieren kann. Dabei wird die Risikoanlage verringert, wenn die gemessene Volatilität steigt. Eine garantierte Verlustgrenze entsteht dadurch jedoch nicht, da plötzliche Markteinbrüche und veränderte Korrelationen nicht zuverlässig vorhersehbar sind.
FORAIM verbindet die Analyse der Fondsliquidität deshalb mit der persönlichen Finanzplanung. Kapital, das innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre benötigt werden könnte, soll möglichst nicht von starken Marktschwankungen abhängig sein. Für das längerfristig verfügbare Vermögen werden individuelle, nicht garantierte Verlustgrenzen definiert.
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