Das Wichtigste in Kürze
- Vor dem EZB-Zinsentscheid am 29. Oktober 2026 haben 17 Banken in Deutschland ihre Sparzinsen erhöht; davon profitieren vor allem Festgeld-Sparer, während der Tagesgeldzins nach der Aktionsphase im Mittel auf 1,40 Prozent fällt.
- Festgeld trägt den Anstieg: Für zwei Jahre zahlen gut sieben von zehn Angeboten im Festgeld-Vergleich von Capitalo mindestens 3 Prozent.
- Beim Tagesgeld stützen befristete Neukundenzinsen das Bild; nach wenigen Monaten gilt meist ein deutlich niedrigerer Zins.
- Wer Geld für einen festen Zeitraum nicht benötigt, kann sich das aktuelle Zinsniveau unabhängig vom Ausgang der EZB-Sitzung sichern.
Key Facts
- Anlass: EZB-Zinsentscheid am 29. Oktober 2026; Einlagensatz seit 16. September 2026: 2,50 Prozent
- Zinserhöhungen 5. bis 23. Oktober 2026: 17 Banken, 18 Produkte (11 Festgeld, 7 Tagesgeld), keine Zinssenkung erfasst
- Festgeld 12 Monate: Median 3,00 % p. a., Spitze 3,50 % (HoistSpar, Einlagensicherung Schweden), 24 von 44 Angeboten ab 3,00 %
- Festgeld 24 Monate: Median 3,19 % p. a., Spitze 3,55 % (Stellantis Bank und Opel Direktbank, Einlagensicherung Frankreich), 30 von 42 Angeboten ab 3,00 %
- Festgeld 36 Monate: Spitze 3,60 % p. a. (Bank of Scotland, Einlagensicherung Deutschland)
- Tagesgeld: 36 von 59 Angeboten mit Neukundenzins; Aktionszins im Median 3,50 % für 4 Monate, danach im Median 1,40 %
- Einlagensicherung: gesetzlich bis 100.000 Euro je Kunde und Bank in der EU; das Sicherungsland steht im Vergleich bei jedem Angebot
- Mehr im Vergleich: https://www.capitalo.de/tagesgeld und https://www.capitalo.de/festgeld
Die Bewegung konzentriert sich auf Festgeld. Die IKB Deutsche Industriebank zahlt nach ihrer Anhebung für zwölf Monate 3,10 Prozent und für drei Jahre 3,50 Prozent. Openbank und pbb direkt bieten für zwei Jahre jeweils 3,00 Prozent, die Creditplus Bank 3,30 Prozent. Auch 1822direkt, HoistSpar, myntro, NIBC, Hamburg Direct, MEIN Festgeld und Kommunalkredit Invest haben einzelne Laufzeiten angehoben.
Beim Tagesgeld erhöhten vor allem Anbieter mit Neukundenaktion. Die ING zahlt Neukunden 3,50 Prozent für vier Monate, die Volkswagen Bank 3,75 Prozent und Distingo 3,95 Prozent für jeweils sechs Monate, Hamburg Direct 3,81 Prozent für vier Monate. Commerzbank und comdirect haben ihren Aktionszins auf 3,00 Prozent angehoben, die Aktionsdauer aber von zwölf auf sechs Monate verkürzt. Für Sparer zählt deshalb nicht nur die Höhe des Aktionszinses, sondern auch, wie lange er gilt.
Einordnung im Festgeld-Vergleich: Die Spanne bleibt groß
Im Festgeld-Vergleich von Capitalo liegen zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Zins für zwei Jahre 1,25 Prozentpunkte. Die Spitze bilden Stellantis Bank und Opel Direktbank mit 3,55 Prozent, am unteren Ende stehen ING, Deutsche Bank und NIBC mit jeweils 2,30 Prozent. Für zwölf Monate führt HoistSpar mit 3,50 Prozent; der Median aller 44 Angebote liegt bei 3,00 Prozent.
In Euro bedeutet das: Wer 25.000 Euro für zwei Jahre zum Spitzenzins von 3,55 Prozent anlegt, erhält bei jährlicher Zinsgutschrift rund 1.807 Euro Zinsen vor Steuern. Zu 2,30 Prozent wären es rund 1.163 Euro, also etwa 640 Euro weniger. Laut Capitalo Finanzservices zahlen die Anbieter mit den höchsten Sätzen überwiegend über ausländische Einlagensicherungssysteme, etwa in Frankreich oder Schweden; mit der Bank of Scotland ist bei drei Jahren ein Angebot mit deutscher Einlagensicherung vorn.
Warum das Tagesgeld nur auf den ersten Blick mithält
Von 59 Tagesgeld-Angeboten im Capitalo-Vergleich werben 36 mit einem Neukundenzins. Dieser liegt im Median bei 3,50 Prozent und gilt im Median vier Monate. Danach sinkt der Zins bei diesen Angeboten im Median auf 1,40 Prozent; bei ING, Commerzbank und comdirect auf 0,75 Prozent.
Für 25.000 Euro ergeben 1,40 Prozent rund 350 Euro Zinsen im Jahr. Ein Festgeld zum Median von 3,19 Prozent bringt im ersten Jahr rund 798 Euro. Der Vorteil des Tagesgelds bleibt die tägliche Verfügbarkeit; als Parkplatz für Geld, das länger nicht gebraucht wird, ist es nach der Aktionsphase deutlich schwächer verzinst.
Was bedeutet der EZB-Termin für Sparer?
Der EZB-Rat entscheidet am 29. Oktober 2026 über die Leitzinsen. Für Festgeld gilt der vereinbarte Zins für die gesamte Laufzeit, unabhängig davon, wie die EZB entscheidet. Tagesgeldzinsen sind dagegen variabel und können von der Bank jederzeit angepasst werden, nach oben wie nach unten.
Sparer sollten die Konditionen vor Abschluss vergleichen und dabei drei Punkte prüfen: den Zins über die gesamte Anlagedauer, die Mindest- und Höchstanlage sowie das Land der Einlagensicherung. Bei Festgeld kommt hinzu, dass eine vorzeitige Kündigung in der Regel nicht möglich ist.
Experten-Zitat
„Die Banken haben ihre Festgeld-Konditionen schon vor dem EZB-Zinsentscheid nach oben angepasst. Ein Median von 3,19 Prozent für zwei Jahre liegt spürbar über dem aktuellen Einlagensatz von 2,50 Prozent“, sagt Alexander Senger, Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Geschäftsführer der Capitalo Finanzservices GmbH. „Wer Geld für einen festen Zeitraum nicht benötigt, kann sich dieses Niveau unabhängig vom Ausgang der Sitzung sichern. Beim Tagesgeld sollten Sparer weniger auf den Aktionszins schauen als auf den Zins, der danach gilt.“