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Pressemitteilung BoxID: 348126 (Ernst & Young AG)
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Studenten ohne Unternehmergeist: Deutschland fehlen die Gründer

Unternehmertum und Karriereabsichten - weltweite Befragung

(lifePR) (Stuttgart/Zürich, ) .
- Gründermangel: Deutschland liegt bei der Gründungsfreudigkeit von Studenten international auf dem drittletzten Platz
- Feste Jobs in großen Unternehmen sind die erste Wahl
- Studenten in Großbritannien europaweit am gründungsfreudigsten
- Immerhin: Jeder dritte deutsche Student denkt zumindest über eine Selbständigkeit nach
- Hochschulen bieten zu wenig konkrete Unterstützung

Die Neigung deutscher Studenten, im Anschluss an das Studium ein Unternehmen zu gründen, ist so gering wie in kaum einem anderen Land. Nur jeder Siebzehnte will diese Karriere einschlagen. Damit ist Deutschland nach Pakistan und Belgien das Schlusslicht im internationalen Vergleich. Die meisten deutschen Studenten streben hingegen eine Festanstellung an - und das mittelfristig am liebsten in großen Unternehmen. Dennoch: Immerhin für jeden dritten Studenten ist Selbständigkeit zumindest eine gedankliche Option. Vertiefte Informations- und Unterstützungsangebote der Hochschulen könnten dabei helfen, dieses Potenzial zu realisieren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die vom Center for Family Business der Universität St.Gallen (CFB-HSG) in Kooperation mit der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young erstellt wurde. Dabei wurden 93.000 Studenten - davon 12.500 in Deutschland - nach ihren Karriereabsichten und ihrer Haltung zu Selbständigkeit und Unternehmertum befragt.

Deutschlands Studenten scheuen das Unternehmertum: Lediglich 7 Prozent können sich vorstellen, nach dem Studienabschluss ein Unternehmen zu gründen, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen oder freiberuflich zu arbeiten. Stattdessen zieht es die Studenten in den sicheren Hafen einer abhängigen Beschäftigung: 78 Prozent der angehenden Akademiker wollen als Angestellte oder Beamte arbeiten.

Nur in Pakistan und Belgien wollen noch weniger Studenten selbständig arbeiten

Damit ist Deutschland im internationalen Vergleich Schlusslicht. Nur in Pakistan und Belgien planen noch weniger Studenten (3 bzw. 5 Prozent) eine Unternehmensgründung. Den vorletzten Platz teilt sich Deutschland mit Japan und der Schweiz. "Für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands ist das ein deutliches Warnsignal", kommentiert Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. "Ohne die Impulse der Jungunternehmer leidet die Innovationskraft - und damit der hart erarbeitete Standortvorteil Deutschlands."

Die geringe Neigung zur Selbständigkeit scheint ein Problem aller deutschsprachigen Länder zu sein: In Österreich wollen nur 8 Prozent der befragten Studenten an ihr Studium eine unternehmerische oder freiberufliche Tätigkeit anschließen.

Ganz anders die Lage in Großbritannien: Hier planen 15 Prozent der Studenten, nach ihrem Abschluss unternehmerisch tätig zu werden, in Irland liegt der Anteil sogar bei 16 Prozent. "In den angelsächsischen Ländern genießt das Unternehmertum traditionell ein höheres Ansehen als in Deutschland", erklärt Prof. Dr. Thomas Zellweger von der Universität St. Gallen. Sehr gründungsfreudig sind außerdem Studenten aus Südafrika (13 Prozent), Mexiko (16 Prozent) und Argentinien (23 Prozent). Durchschnittlich wollen weltweit 11 Prozent der Studenten direkt nach Studienabschluss ein Unternehmen gründen, 68 Prozent planen einen Berufseinstieg als Angestellte oder Beamte.

Wirtschaftswissenschaftler haben wenig Lust auf Unternehmertum

Deutliche Unterschiede gibt es bei Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen. In Deutschland sind Sozial- und Geisteswissenschaftler noch am ehesten zum Sprung in die Selbständigkeit bereit (7 Prozent). Von den Wirtschaftswissenschaftlern kann sich hingegen nur jeder Zwanzigste vorstellen, diesen Schritt zu wagen: "Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Sozial- und Geisteswissenschaftler oftmals schlechtere Chancen auf eine Festanstellung in einem Unternehmen haben als ihre Kommilitonen aus den Natur- und Wirtschaftswissenschaften", so Zellweger. Während die Geisteswissenschaftler relativ nah an der internationalen Vergleichsgröße (9 Prozent) liegen, ist der Unterschied bei den Wirtschaftswissenschaftlern groß: 11 Prozent sind es weltweit, nur 5 Prozent in Deutschland. "Dabei müssten sich doch gerade angehende Ökonomen für unternehmerisches Handeln interessieren", merkt Zellweger an. "Hier gibt es noch erhebliches Potenzial".

Die meisten Studenten zieht es in große Unternehmen

Direkt nach dem Studium streben 29 Prozent der deutschen Studenten in kleine und mittlere Unternehmen (KMU, bis 250 Mitarbeiter). Große Unternehmen liegen in der Beliebtheitsskala fast gleichauf (27 Prozent). Mit-telfristig halten die Studenten diese Firmen aber für die bessere Wahl. Sie wurden danach befragt, was sie perspektivisch - fünf Jahre nach ihrem Abschluss - beruflich anstreben. Das Ergebnis: 24 Prozent wollen in einem Großunternehmen Fuß fassen, die KMU sind dann nur noch für 12 Prozent attraktiv: "Der Mittelstand muss aufpassen, dass er nicht ins Hintertreffen gerät", gibt Englisch daher zu bedenken. "Auch und gerade bei mittelständischen Unternehmen können Mitarbeiter oftmals frühzeitig viel Verantwortung übernehmen und Gestaltungsspielräume nutzen. Zudem bieten sich guten Mitarbeitern teilweise raschere Aufstiegschancen. Wenn es den Mittelständlern nicht gelingt, den Studenten dies zu vermitteln, werden die großen Unternehmen zunehmend die besten Arbeitskräfte abschöpfen."

Im internationalen Vergleich gilt mittelfristig - anders als in Deutschland - klar die Selbständigkeit als das attraktivste Berufsmodell. 43 Prozent der Studenten weltweit wollen fünf Jahre nach ihrem Abschluss ihr eigener Chef sein. Stark unternehmerisch orientiert sind Studenten aus Mexiko (60 Prozent) und Argentinien (54 Prozent), auf den hinteren Plätzen liegen abermals Deutschlands deutschsprachige Nachbarländer (Österreich: 29 Prozent, Schweiz: 27 Prozent) sowie Deutschland (25 Prozent) und Pakistan (13 Prozent).

Deutschlands Top-Unternehmen erweisen sich als Gründungshemmnis

"Die hohe Neigung der deutschen Studenten zu einer abhängigen Beschäftigung liegt nicht zuletzt in der Qualität und Attraktivität der deutschen Unternehmen begründet", erklärt Englisch. "In Deutschland gibt es z.B. zahlreiche weltbekannte Konzerne mit starken Marken, die eine hohe Anziehungskraft auf Uni-Absolventen ausüben und diese auch massiv umwerben. Die Stärke der deutschen Konzerne erweist sich somit zugleich als Herausforderung für Deutschland: Eine Karriere bei einem der großen Autobauer ist beispielsweise für viele Ingenieure ungemein verlockend - da stellt man die eigene Geschäftsidee schnell hintan", beobachtet Englisch. In vielen anderen Ländern machen sich junge Menschen hingegen vor allem aus Mangel an Alternativen selbständig. "Deutsche Studenten stehen weniger unter Druck - sie haben auch als Angestellte gute Karten", so Englisch. Offensichtlich sehen die deutschen Studenten bei den Unternehmen auch bessere Chancen als bei Vater Staat: Nur 6 Prozent der Befragten in Deutschland wollen mittelfristig im öffentlichen Dienst arbeiten - immerhin 9 Prozent sind es im internationalen Vergleich.

Studenten wollen nicht unbedingt ihr eigener Chef sein

Eine wichtige Grundlage für das Unternehmertum ist der Impuls zur Eigenverantwortung. Weltweit ist es den Studenten, die ein Unternehmen gründen wollen, überdurchschnittlich wichtig, 'ihr eigener Chef' zu sein. Auf einer Skala von 1 ("unwichtig") bis 7 ("sehr wichtig") erreichen sie weltweit einen Wert von 5,9, bei den Angestellten in spe beträgt er lediglich 4,8. In Deutschland liegt dieser Wert im Schnitt aller Studenten bei 4,4 - nur die Niederlande (4,2) und Japan (4,3) weisen einen noch niedrigeren Wert auf. Eigenverantwortung ist Studenten in Mexiko, Argentinien und Südafrika (jeweils 5,9) besonders wichtig. Ihre berufliche Motivation ziehen deutsche Studenten stärker aus anderen Zielen. Sie möchten ihre Träume verwirklichen (5,7), Herausforderungen meistern (5,5) und sich nicht zuletzt ein höheres Einkommen sichern (5,3). Gesellschaftliche Ziele (4,2), die Orientierung an persönlichen Vorbildern (2,4) oder gar an Familientraditionen (1,9) sind hingegen weniger entscheidend.

Dennoch: In jedem dritten Deutschen steckt ein Gründer

Trotz der hinteren Plätze im internationalen Vergleich: Selbst in Deutschland existiert ein beträchtliches Gründerpotential. Immerhin 28 Prozent der befragten Studenten wollen fünf Jahre nach Studienabschluss eine unternehmerische oder freiberufliche Tätigkeit ausüben. Für 36 Prozent der befragten Studenten ist eine Selbständigkeit zumindest eine gedankliche Option - wenn auch nicht unbedingt Plan A. "Dieser Wert macht Mut", so Englisch. Aber: "Die entscheidende Frage ist: Wie können wir diese Studenten dabei unterstützen, von potentiellen zu tatsächlichen Unternehmensgründern zu werden?"

Universitäten bieten zu wenige konkrete Hilfestellungen

Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Universitäten zu. "Die Hochschulen können sehr viel dazu beitragen, Studenten in ihren Gründungsplänen zu unterstützen oder den Gründergeist erst zu wecken". Da besteht aber offenbar noch Nachholbedarf: So fordern 54 Prozent der Studenten Seminare zur konkreten Unternehmensplanung, doch nur 39 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Hochschulen solche Seminare im Angebot hätten. Mentoring- und Coaching-Programme sind für 52 Prozent der Studenten interessant, doch nur in 29 Prozent der Fälle werden sie fündig.

Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage betrifft auch die wichtigste Hürde zur Selbständigkeit. Bei den Hindernissen, die einer Unternehmensgründung im Wege stehen, nennen deutsche Studenten an erster Stelle den mangelnden Zugang zu Finanzmitteln (4,9 auf einer Skala von 1 bis 7) und das finanzielle Risiko (4,7). Möglicherweise hilfreiche Kontakte zu Investoren glauben allerdings nur 18 Prozent der Befragten an ihren Hochschulen zu erhalten, finanzielle Unterstützung sogar nur 7 Prozent - obwohl 52 Prozent der deutschen Studenten sich entsprechende Möglichkeiten wünschen. "Helfen könnten spezielle Informationsveranstaltungen, aber auch Stipendien oder Preise für überzeugende Starter-Konzepte", schlägt Zellweger vor. "Dass Universitäten aber großflächig Unternehmensgründer finanziell unterstützten, ist wohl kaum realisierbar."