Kontakt
QR-Code für die aktuelle URL

Pressemitteilung Box-ID: 918127

WWF Deutschland Reinhardtstr. 18 10117 Berlin, Deutschland http://www.wwf.de
Ansprechpartner:in Herr Tobias Arbinger +49 30 311777423
Logo der Firma WWF Deutschland
WWF Deutschland

Ausbau der Grenzoder: WWF fordert Moratorium

Umweltorganisation verweist auf Empfehlungen aus polnischer und deutscher Wissenschaft

(lifePR) (Berlin, )
Der WWF Deutschland hat kurz vor der für den 30.9. angekündigten Veröffentlichung von deutschen und polnischen Expertenberichten zur Umweltkatastrophe in der Oder einen unverzüglichen Stopp der Ausbauarbeiten gefordert. Die Bundesregierung müsse die 2015 mit der Republik Polen beschlossenen Ausbauarbeiten neu bewerten. Die Umweltorganisation fordert ein Moratorium für den Ausbau. Statt eines Ausbaus sind umfangreiche Maßnahmen zur Revitalisierung des Flusses geboten, z.B. die Wiederanbindung von Nebengewässern. Der WWF stützt sich auch auf die Einschätzungen namhafter wissenschaftlicher Einrichtungen beiderseits der Oder, darunter der Polnischen Akademie der Wissenschaften, der Polnischen Hydrobiologischen Gesellschaft und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin. In Positionspapieren zur Umweltkatastrophe sprechen sich auch die drei wissenschaftlichen Einrichtungen klar gegen den weiteren Ausbau der Oder aus.
 
Der Gewässerexperte des WWF, Tobias Schäfer, sagte: „Wir haben an der Oder eine menschengemachte Katastrophe erlebt, die das Flussökosystem massiv geschädigt hat. Mit der weiteren Kanalisierung ist die nächste Katastrophe programmiert. Würde der Ausbau wie geplant erfolgen, würde sich die Widerstandsfähigkeit der Oder weiter dramatisch verschlechtern. Wir fordern Bundesverkehrsminister Volker Wissing deshalb auf, ein Moratorium für den Ausbau der Oder auf den Weg zu bringen.“
 
Hintergrund:
 
In einer Resolution vom 9.9.22 sprach sich die Polnische Hydrobiologische Gesellschaft, in der mehrere hundert Fachwissenschaftler und Fachwissenschaftlerinnen organisiert sind, gegen den Bau weiterer Staustufen aus. Statt den Fluss weiter zu regulieren, sollte der Wasserrückhalt in der Landschaft erhöht werden, was dazu beitragen würde, auch die Auswirkungen von Trockenheit auf Fließgewässer und Landökosysteme zu vermindern. Link (polnisch): http://www.pth.home.pl/portal/index.php/8-informacje-administracyjne/81-stanowisko-polskiego-towarzystwa-hydrobiologicznego-w-sprawie-odry (eine englische Übersetzung schicken wir Ihnen gerne zu)
 
Die Polnische Akademie der Wissenschaften kam in einem Bericht vom 12.9.22 u.a. zu dem Schluss, dass das Management der Wasserressourcen entlang der Oder verbessert werden müsse. Die Regulierung müsse gestoppt und Maßnahmen zur Renaturierung der Oder, ihrer Auen und ihrer Nebenflüsse ergriffen werden, um die Widerstandsfähigkeit des Flusses zu erhöhen. Zudem warnt die Akademie davor, zur Wiederherstellung des Fischbestands gebietsfremde Arten in die Oder einzusetzen.
 
Das deutsche Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei kommt in einem Policy-Brief vom 12.9. u.a. zu der Einschätzung, dass flussbauliche Maßnahmen zur Vertiefung oder zum Aufstau der Oder beendet werden müssen. Emissionen in die Oder seien zu reduzieren, der Hauptlauf der Oder zu renaturieren und mit Nebengewässern zu vernetzen. Ein Besatz mit gebietsfremden Arten müsse unterbleiben, das internationale Gewässermanagement gestärkt und ein digitales Monitoringsystem zur Überwachung des Zustands der Oder mit frei zugänglichen Daten ausgeweitet werden. Siehe: IGB Policy Brief: https://www.igb-berlin.de/sites/default/files/media-files/download-files/IGB%20Policy%20Brief%20-%20Die%20Zukunft%20der%20Oder_web.pdf
 
Übereinstimmend wird von den polnischen und deutschen Wissenschaftlern unterstrichen, dass es sich um eine menschengemachte Katastrophe handelt. Ursache des katastrophalen Fisch- und Muschelsterbens in der Oder waren nach bisherigen Erkenntnissen eine Vielzahl vom Menschen direkt oder indirekt zu verantwortende Faktoren wie eine stark erhöhte Salzfracht aufgrund von Einleitungen, übermäßige Nährstoffeinträge, hohe Temperaturen und eine geringe Wasserführung. Unter diesen Bedingungen konnte sich eine toxische Brackwasseralge massenhaft vermehren und ihr tödliches Gift verbreiten.
 
An der Grenzoder verfolgen die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Polen seit 2015 Ausbaupläne wie eine Einengung des Flusses und die Befestigung der Ufer. Auf polnischer Seite haben die Arbeiten im Frühjahr 2022 begonnen. Die Republik Polen plant zudem, die Oder zur europäischen Wasserstraße (E30) auszubauen und auf diese Weise über einen Donau-Oder-Elbe-Kanal die Ostsee mit dem Schwarzen Meer zu verbinden.

Der WWF Deutschland ist Mitglied des „Aktionsbündnis lebendige Oder“, in dem sich zehn deutsche Umwelt- und Naturschutzorganisationen zusammengeschlossen haben. Länderübergreifend sind deutsche, polnische und tschechische Umweltorganisationen im Bündnis „Zeit für die Oder“ organisiert. Link: www.saveoder.org

Website Promotion

Website Promotion
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien. Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.
Wichtiger Hinweis:

Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die unn | UNITED NEWS NETWORK GmbH gestattet.

unn | UNITED NEWS NETWORK GmbH 2002–2022, Alle Rechte vorbehalten

Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien. Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.