lifePR
Pressemitteilung BoxID: 387566 (Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V.)
  • Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V.
  • Wollgrasweg 31
  • 70599 Stuttgart
  • https://www.vdaw.de
  • Ansprechpartner
  • Ingrid Murschel
  • +49 (711) 16779-0

Im Agrarhandel ist Angebot und Nachfrage nicht mehr allein marktbestimmend

(lifePR) (Stuttgart, ) Nicht nur der Blick auf den Klimawandel lässt erkennen, dass der Agrarhandel vor einschneidenden Veränderungen steht. Veränderungen, die letztlich die gesamte Branche betreffen und sich auf die Organisation sowie auf die Strukturen in unseren Unternehmen auswirken und durchaus das Potenzial haben, den Bestand einzelner Betriebszweige oder ganzer Betriebe in Frage zu stellen, so Lars Otto, Vorsitzender des Landhandelsverband Hessen im VdAW bei der Jahresmitgliederversammlung in Lich vergangener Woche.

"Dazu gehören insbesondere die Entwicklungen unserer Märkte. Sie werden hervorgerufen durch die Globalisierung der Warenströme wie auch durch politische und gesellschaftliche Entscheidungen sowie Entwicklungen und sie sind gigantisch. Allein die Tatsache, dass nicht mehr Angebot und Nachfrage allein marktbestimmend sind, sondern mit Spekulation und kalkulierter Manipulation massiv Markt gemacht wird, lässt darauf schließen, wie zunehmend unkalkulierbar die Märkte für den einzelnen Teilnehmer werden und damit das Risiko für Fehleinschätzungen mit daraus resultierenden Fehlentscheidungen ansteigt".

Der Strukturwandel in vor- und nachgelagerten Bereichen der Branche, also sowohl in der Landwirtschaft wie auch in der Ernährungsindustrie, beeinflusst inzwischen den Agrarhandel maßgeblich, er führt dazu, dass ständige Anpassungsprozesse in den Unternehmen, aber auch in der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Betrieben notwendig sind.

"Und momentan sind wir weiter denn je davon entfernt, dass sich Beständigkeit und Kontinuität einstellen werden. Allein der Blick auf das Thema "Energie bzw. Energiewende" vermittelt einen Eindruck, mit welchen extremen Auswirkungen ein Branchenbereich binnen kurzer Zeit konfrontiert werden kann. So hat sich die Situation durch den Boom beim Bau von Biogasanlagen bei unserem wichtigsten Geschäftsfeld Getreideerfassung nachhaltig verändert. Gleichzeitig spüren wir jedoch, dass auch hier die Zeit nicht angehalten werden kann. Einerseits muss die Energiewende kommen, andererseits reift sehr wohl die Erkenntnis, dass leere Teller auf Dauer keine Perspektive für die Menschen bieten. Der Prozess geht also weiter und das Thema "Energie" steht nur als ein Beispiel für viele Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen und die wir in unserem Denken und Handeln im Sinne unserer Unternehmen auf keinen Fall ausblenden und ignorieren dürfen".

Dies führt letztlich dazu, dass die Anforderungen an die Unternehmer ständig steigen und der Produktions- und Entscheidungsfaktor "Information" in seiner Bedeutung einer vernünftigen Umsatzspanne nicht nachsteht. Dem muss - auch in Zusammenarbeit mit dem Verband und den Mitgliedskollegen - in Zukunft noch mehr Rechnung getragen werden. Aus- und Weiterbildung wird ebenso wie der ständige Dialog mit Kollegen, mit Marktpartnern aber auch mit Wissenschaft und Politik zu Grundpfeilern in der Unternehmensführung. Schon heute bringt oft nicht mehr die vermeintliche Größe im Umsatz oder bei der Tonnage den Vorteil. Wissen und Information, Analysieren und Denken, der Vorsprung bei der Erfassung von Trends und Zusammenhängen machen immer öfters die sprichwörtliche Nasenlänge aus, die man gegenüber dem Wettbewerber voraus sein muss um den Erfolg für sich verbuchen zu können.

Die Getreide- und Rapsernte 2012 war für die Erfassungsbetriebe eine Herausforderung in der Logistik und Vermarktung. Die Auswinterungsschäden im Januar / Februar 2012 führten in manchen Regionen zu erheblichen Ausfällen bei Wintergetreide und damit zu einer Verschiebung bei den Fruchtarten. Sommergetreide und Mais nahmen im Anbauumfang zu, nachdem Raps, Weizen und Wintergerste dem Frost zum Opfer gefallen waren. Je nach Vermarktungsstand in den einzelnen Unternehmen ergaben sich dadurch Probleme mit bestehenden Kontrakten, die nicht mehr bedient werden konnten. Verschärft wurde die Problematik durch einen zwar regional unterschiedlich ausgeprägten aber teils massiven Fusariumbefall, der vor allem bei Weizen, aber auch bei Braugerste zu Problemen in der Vermarktung führte.

Insgesamt weist die Entwicklung der Marktpreise eine erfreuliche Tendenz auf, was vor allem für Landwirte nach schwierigen Jahren mit nicht kostendeckenden Erzeugerpreisen wichtig ist und zum Teil die fehlende Qualität des Getreides beim Markterlös etwas ausgleichen konnte. Der Trend zu volatilen Märkten setzt sich fort, dies wurde vor allem in den letzten Wochen wieder deutlich.

Leider spiegeln sich die höheren Getreidepreise auch bei den Preisen für Betriebsmittel wider, so dass ein Teil der Markterlöse bei unseren Landwirten davon wieder aufgezehrt wird.

Ein gesunder Wettbewerb, der den Landwirten die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern und die Vergleichsmöglichkeit mehrerer Angebote bietet, geht in zunehmendem Maße mit größeren Entfernungen einher. Bei den Streckengeschäften ist sowohl im Absatz- als auch im Bezugsgeschäft ein zunehmender Trend zu beobachten.

Trotzdem, oder gerade deshalb ist und bleibt ein starker privater, unabhängiger Landhandel die wichtigste Voraussetzung für faire Preise sowie kundenorientierte Angebote und Dienstleistungen.

"Als Landhändler selber stehen wir in der Vermarktung einer zunehmenden Marktmacht bei unseren Abnehmern gegenüber. Dies betrifft nahezu alle Verarbeiter von Getreide oder Ölsaaten und führt auf Dauer zwangsläufig dazu, dass wir über eine Bündelung des Angebotes nachdenken müssen. Diese Konzentration wird einerseits durch einen fortschreitenden Strukturwandel in unserer Branche, andererseits aber auch durch die Kooperation und Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Unternehmen erreicht werden".

Leider keine Verbesserung kann bei den politischen Rahmenbedingungen für die Arbeit registriert werden. Als jüngster Husarenstreich präsentieren sich in diesem Zusammenhang die Entwicklungen in Sachen Nachhaltigkeitszertifizierung nach EU- bzw. DE-Standard. "Wie ignorant und verbohrt muss man eigentlich sein, um in einem ständig von Politikern und Wirtschaftsvertretern idealisiertem zusammenwachsendem Europa europäische und nationale Systeme zu schaffen, die miteinander nicht kompatibel sind".

Wer das Verfahren des gemeinsamen Antrages im Zusammenhang mit Cross Complience in der Landwirtschaft und die damit verbundene lückenlose Datenlage über die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland kennt, kann über die Nachhaltigkeitszertifizierung nur den Kopf schütteln. Hier werden - durch den Staat angeordnet und die Wirtschaft läuft wie Lemminge hinterher - derart sinn- und verantwortungslos Geld- und Arbeitszeitresourcen der Agrarbranche verschwendet, was in keinem anderen Wirtschaftszweig so denkbar wäre.

"Wo bleiben denn vernünftige und mutige Entscheidungen in der Mittelstands- und Agrarpolitik unserer Regierenden? Wer solche Regelwerke auf den Weg bringt, schadet der deutschen Agrarwirtschaft und verschlechtert deren Position in den Agrarmärkten" so Otto.