Von Januar bis August wurden in China nach Angaben des Branchenverbandes CPCA 17,2 Millionen Autos gebaut, aber nur 11,8 Millionen in China verkauft. 6,1 Millionen Autos wurden im genannten Zeitraum exportiert, mit steigenden Anteilen nach Europa. „Europa wird zunehmend zum Ventil für chinesische Überkapazitäten“, warnt Timmer. Er rechnet damit, dass Europa in diesem Jahr 2,3 Millionen chinesische Autos aufnimmt (2025: 1,9 Millionen) und der Marktanteil chinesischer Autos auf zwölf Prozent ansteigen wird.
Dabei können die Chinesen im Konkurrenzkampf mit europäischen Herstellern von enormen Wettbewerbsvorteilen profitieren. So kostet die Herstellung eines chinesischen Elektroautos aus chinesischer Produktion 20.200 Dollar, ein europäisches aus europäischer Produktion 31.000 Dollar, ordnet Timmer ein. „Mit dem Kostenvorteil von 10.800 Dollar pro Fahrzeug lässt sich ein Zoll von bis zu 35 Prozent bezahlen und trotzdem Geld verdienen“, erklärt der Experte für Markteintritts- und Wachstumsstrategien.
Während sich jedoch Märkte wie die USA und Südamerika durch hohe Zölle abschotten, sind die europäischen Zölle bei einer gleichzeitigen staatlichen Kaufprämie auch für chinesische Autos kein Problem – zumal die Zölle nicht auf Plug-in-Hybride erhoben werden. „Europa nimmt ein Viertel der chinesischen Fahrzeugexporte auf. Nicht weil Europa attraktiv wäre, sondern weil die USA, Mexiko und Brasilien zu sind. Europa ist das letzte offene Ventil“, erklärt Timmer. Interessant dabei: China exportiert nicht nur Elektrofahrzeuge, sondern laut AlixPartners mehrheitlich Verbrenner (47 %). Reine Elektroautos kommen auf einen Anteil von 31 %, gefolgt von Plug-in-Hybriden (15 %) und Hybriden (7 %).
Redakteur: Gerd Stegmaier