Handwerk ins Gespräch bringen
Zur Preisübergabe durch Kammerpräsident Klaus Hofmann kam Philipp Burkhardt zusammen mit Töchterchen und Vater Peter. Das entspricht der Philosophie des Betriebs, denn die Metzgerei Burkhardt ist ein Familienbetrieb seit Generationen. 1961 vom Großvater gegründet, 1986 vom Vater übernommen und seit 2021 erfolgreich mit Philipp Burkhardt und damit der dritten Generation im Boot. Dass er sein Handwerk liebt, das glaubt man Philipp Burkhardt aufs Wort. Und die Lust am Wettbewerb ist keineswegs ein Selbstzweck – sie soll vor allem zeigen, was Handwerk kann, andere inspirieren und die Leistung handwerkliche Exzellenz ins Gespräch bringen.
Meisterstücke alle zeigen
Auch der Wettbewerb der Handwerkskammer hat genau dieses Ziel. „Jedes Gesellen- und jedes Meisterstück zeigt, was unsere Berufe können“, sagt Kammerpräsident Klaus Hofmann. Es sei viel zu schade, wenn solche Arbeiten nur einem begrenzten Kreis zugänglich seien. Beim Wettbewerb „Zeig‘s allen!“ bekommen sie eine Plattform, werden zu Schaustücken in der Öffentlichkeit und sammeln mit jedem Like die Anerkennung über Gewerkegrenzen hinweg.
Philipp Burkhardt hat dabei einmal mehr überzeugt. Und das, obwohl sein Meisterstück schon einige Jahre zurückliegt. 2015 hat er die Prüfung abgelegt. „Ich musste erst mal auf dem Handy schauen, ob ich noch Bilder habe“, schmunzelt er. Der Schautisch war mit „Feines aus Fernost“ überschrieben und präsentierte Köstlichkeiten aus dem Metzger-Handwerk im Asia-Style. Da gab es Metzger-Sushi und Feines aus der Rinderhüfte, Canapés und Rollbraten, Wurstplatte und Präsentkorb. Allesamt ansehnlich präsentiert, versteht sich. „In Asien legt man großen Wert darauf, dass alles akkurat und perfekt hergerichtet ist“, sagt der Fleischermeister. „Das habe ich versucht, umzusetzen.“
Pokale über Pokale
Vielleicht war es ein Wink des Schicksals, dass in der Prüfungskommission beim Meisterabschluss die heutige Bundestrainerin der deutschen Fleischer-Nationalmannschaft saß. Denn sich immer wieder im Wettbewerb mit anderen Kolleginnen und Kollegen den kritischen Blicken einer Jury zu stellen, ist seit Jahren Philipp Burkhardts Leidenschaft. Siebenmal schon wurde er Deutscher Weißwurstmeister, schaffte es zum Weißwurst- und zum Bratwurst-Europameister, wurde mit zahlreichen Goldmedaillen bei europäischen Qualitätswettbewerben ausgezeichnet und trägt seit 2022 den Titel „Ritter der Weißwurst“ und seit 2024 den Titel „Ritter der Rotwurst“. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn es gab noch so manches mehr. Warum der Mannheimer das macht? Weil Wettbewerbe Können sichtbar machen. „Ich sehe sie als eine Möglichkeit, die Qualität handwerklicher Produkte zu überprüfen, sich mit Kolleginnen und Kollegen zu messen und das Potenzial sowie die Kreativität des Fleischerhandwerks sichtbar zu machen“, so seine Worte.
Botschafter des Fleischerhandwerks
Damit war auch die Teilnahme am Wettbewerb „Zeig’s allen!“ der Handwerkskammer gesetzt. Denn er verfolgt das gleiche Ziel: sichtbar machen, was das Handwerk kann. Für Philipp Burkhardt ist klar, dass er diesem Weg treu bleiben will. Irgendwann will er nur die Seite wechseln und nicht mehr Teilnehmer, sondern aktiver Fürsprecher sein. „Mein Ziel ist es, als Botschafter des deutschen Fleischerhandwerks bei internationalen Wettbewerben und Bruderschaften in Alençon, Mortagne-au-Perche und Eindhoven zu wirken“, sagt er. „Dabei möchte ich internationale Beziehungen stärken, den fachlichen Austausch fördern und das deutsche Fleischerhandwerk im Ausland vertreten.“
Handwerk hat goldenen Boden
Dass ihm Handwerk schon so viele Möglichkeiten geboten hat, ist für den 34-Jährigen ein überzeugendes Argument. Rückblickend hat er innerhalb kürzester Zeit unglaublich viel im und durch Handwerk erreicht. Sein Ausbildungsweg führte ihn von der Ausbildung zum Fleischer über den Meister im Metzger-Handwerk und einen zusätzlichen Abschluss als Verkaufsleiter im Nahrungsmittelhandwerk mit Schwerpunkt Food Store Management bis hin zu einem Abschluss als Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung. Und das war nur die eine Seite. Die andere führte ins Ausland zu Wettbewerben, ließ ihn Reden auf Französisch halten, ohne ein Wort der Sprache zu beherrschen, und Preise nach Mannheim holen, bei denen so mancher darüber staunt, dass es sie überhaupt gibt. „Aus heutiger Sicht würde ich nichts anders machen“, gibt sich Philipp Burkhardt überzeugt. „Handwerk hat wirklich goldenen Boden. Es kann, was KI niemals wird ersetzen können. Und ich bin sicher, es wird immer Menschen geben, die Handwerk brauchen, und Menschen, die Handwerk machen möchten.“
Zeig’s allen geht weiter
Damit es weiter so bleibt, dass Gesellinnen und Gesellen ihre Abschlussarbeit und Meisterinnen und Meister ihr Meisterstück einer breiten Öffentlichkeit zeigen können, wird die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald mit dem Wettbewerb „Zeig’s allen!“ auch künftig ein Forum zur Sichtbarkeit bieten. Mehr zu sehen auf www.hwk-mannheim.de/....