Lässig und als hätte er nie etwas anderes getan, betritt Alvin Wang Graylin die Bühne, die das DISQ zu seinem 20-jährigen Jubiläum im Soho House Berlin hat aufstellen lassen. Der Tech-Experte aus den USA hält an diesem Abend eine kurze und prägnante Keynote zu seinem Spezialgebiet: KI. Gleich zu Anfang widmet er sich der Frage, die allen irgendwie unter den Fingernägeln brennt: Wird KI uns bis Ende des Jahrzehnts töten, so wie es in den US-Medien gern dargestellt wird? Seine humoristische Antwort: “Nein, zumindest nicht bis 2030. Danach … wahrscheinlich.”
Ein neuer Denkansatz: KI als Allgemeingut
Erst kürzlich war Graylin in Ostasien, in China und Südkorea. Dort herrschten gänzlich andere Mentalitäten rund um KI, wie er sagt.
Südkorea hatte Ende August für internationales Aufsehen gesorgt, als es KI zur digitalen Grundversorgung seiner Bürgerinnen und Bürger erklärte. Und China stellt seiner Bevölkerung dutzende kostenlose LLMs zur Verfügung, die Profi-Versionen von ChatGPT oder Claude kaum in ihren Fähigkeiten nachstehen.
In diesen Ländern ginge es nicht um das “Rennen um KI” wie in den USA, sondern um KI als Allgemeingut. Das sei laut Graylin einer der größten Unterschiede zur amerikanischen Sichtweise und gleichzeitig die größte Stärke der asiatischen Modelle.
Er plädiert für eine “KI Diffusion”, ist also gegen die privatwirtschaftliche Zuspitzung des Wettrennens am digitalen Markt. Die Logik dahinter: Je mehr Menschen uneingeschränkt Zugang zu KI haben, desto weniger finanzieller Erfolgsdruck herrsche. Das wiederum ließe mehr Kreativität in der Entwicklung und im Einsatz von KI zu.
Mehr KI in der Medizin und Robotik
Die größten Chancen für einen gesellschaftlichen Nutzen der KI sieht der Experte in den Bereichen Medizin und Robotik. Hier könne KI unterstützen, helfen, Arbeit abnehmen. Ja, das bedeute Arbeitsverlust für Menschen, aber auch neue Jobperspektiven.
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