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Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS) Adenauerallee 174 53113 Bonn, Deutschland http://www.rind-schwein.de
Ansprechpartner:in Frau Dana Boehnke

Schweinehaltung braucht jetzt Bestandsschutz, Planungssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen

(lifePR) (Bonn, )
Die wirtschaftliche Lage in der deutschen Schweinehaltung spitzt sich weiter zu. Im Juli ist die Notierung für Schweinefleisch auf 1,40 Euro je Kilogramm und die Ferkelnotierung auf 30 Euro je Ferkel abgestürzt. Damit stehen viele Betriebe erneut unter massivem wirtschaftlichem Druck. Während die Erlöse deutlich zurückgehen, verharren die laufenden Kosten seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf hohem Niveau. Für viele Schweinehalterinnen und Schweinehalter bedeutet das: Die laufenden Kosten können kaum noch gedeckt werden, von zusätzlichen Investitionen ganz zu schweigen.

Vor diesem Hintergrund erwartet der Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS) vom Bund ein klares Signal für den Erhalt der heimischen Schweinehaltung. Die neue EU-Tierhaltungsstrategie muss genutzt werden, um Tierwohl, Tiergesundheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam zu stärken – ohne die Betriebe durch nationale Alleingänge weiter zu belasten. Positiv bewertet der BRS, dass die Europäische Kommission die Nutztierhaltung als strategisch wichtigen Sektor einordnet. Entscheidend ist nun die Umsetzung. Höhere Standards können nur dann ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn sie wirtschaftlich tragfähig, verlässlich finanziert und europaweit einheitlich gelten. Nationale Verschärfungen führen dagegen zu Wettbewerbsnachteilen.

Deutschland ist in der Sauenhaltung bereits deutlich vorangegangen. Deutsche Betriebe müssen erhebliche Investitionen leisten, während vergleichbare Vorgaben in vielen EU-Mitgliedstaaten noch fehlen. Darauf hat der BRS bereits im Positionspapier 2025 hingewiesen. Schon heute kann sich Deutschland nicht mehr selbst ausreichend mit Ferkeln versorgen. Dadurch geraten regionale Wertschöpfungsketten und erfolgreiche Regionalprogramme mit heimischen Ferkeln zunehmend unter Druck. Stattdessen drohen mehr Importe von Ferkeln und Schweinefleisch – mit längeren Transportwegen und teils geringeren Standards. Das wäre weder im Sinne des Tierwohls noch von Klima-, Umwelt- und Versorgungssicherheit.

Der BRS fordert daher erneut: Für bestehende Anlagen muss es Bestandsschutz beziehungsweise mindestens eine deutliche Fristverlängerung geben, die sich an den Umsetzungszeiträumen der EU angleicht. Die Verpflichtung zum Einbau von Bewegungsabferkelbuchten bei Neubauten oder grundlegenden Umbauten steht nicht infrage. Entscheidend ist aber, dass bestehende Anlagen nicht durch starre Fristen wirtschaftlich entwertet werden. Andernfalls droht ein massiver Strukturbruch in der deutschen Ferkelerzeugung.

„Die Schweinehaltung braucht jetzt keine weiteren Alleingänge, sondern Planungssicherheit, Bestandsschutz und faire europäische Rahmenbedingungen. Wer höhere Anforderungen an Tierwohl, Tiergesundheit und Nachhaltigkeit stellt, muss die Betriebe auch in die Lage versetzen, diese Anforderungen wirtschaftlich zu erfüllen“, erklärt Dr. Haiko Hofmann.

Der BRS fordert deshalb: 

- Erstens: keine weiteren nationalen Alleingänge.

Die künftigen Anforderungen an die Schweinehaltung müssen europaweit harmonisiert werden.

Deutschland darf nicht erneut über EU-Standards hinausgehen und damit die heimischen Betriebe im Wettbewerb zusätzlich belasten. 

- Zweitens: Bestandsschutz für bestehende Anlagen.

Für bestehende Abferkelbuchten und vorhandene Stallanlagen braucht es Bestandsschutz beziehungsweise mindestens eine deutliche Fristverlängerung. Neubauten und grundlegende Umbauten können anders bewertet werden als bestehende, funktionsfähige Anlagen. 

- Drittens: Umbauperspektive bis 2040 statt Strukturbruch ab 2036.

Wenn die EU ihre Tierhaltungsstrategie langfristig bis 2040 ausrichtet, muss dies auch bei nationalen Vorgaben berücksichtigt werden. Ein nationaler Strukturbruch in der Ferkelerzeugung ab 2036 wäre wirtschaftlich, versorgungspolitisch und für das Tierwohl der falsche Weg. 

- Viertens: Ausweitung der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung.

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen erkennen können, ob Fleisch aus deutscher Erzeugung stammt und welche Standards dahinterstehen. Nur so können höhere Anforderungen am Markt sichtbar und perspektivisch honoriert werden.

Der BRS ruft den Bund dazu auf, die EU-Tierhaltungsstrategie als Anlass für einen realistischen Neustart zu nutzen. Die Betriebe sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Spitzenleistungen in Tierwohl, Tiergesundheit und Nachhaltigkeit können jedoch nur gemeinsam erbracht werden – von Landwirtschaft, Markt, Politik, Bund und EU. Nur mit Planungssicherheit, fairer Finanzierung und europäischer Harmonisierung kann die Schweinehaltung in Deutschland zukunftsfähig bleiben.

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Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS)

Der Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS) ist der Dachverband für die deutsche Rinder- und Schweineproduktion.

Aufgabe des Bundesverbandes ist es, die deutsche Tierzucht und Tierhaltung – insbesondere für die Tierarten Rind und Schwein - zu fördern. Ziel ist der Erhalt der deutschen Tierhaltung, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsor ganisationen sowie die Unterstützung bei der nachhaltigen Erzeugung qualitativ hochwertiger Produkte. Der Bundesverband versteht sich als Mittler zwischen den Interessen der Mitglieder und Dritten (Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und anderen Fachverbänden) auf nationaler und internationaler Ebene.

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