„Dächer können nicht online gedeckt werden“

Bayerns Dachdecker fürchten, dass die Ausbildungsqualität unter dem Baustoffmangel leiden wird

Kay Preißinger ist stellvertretender Landesinnungsmeister des Bayerischen Dachdeckerhandwerks.
(lifePR) ( München, )
Während grünes Licht für selbstfahrende Autos gegeben wird, können Häuser nicht weitergebaut und Auszubildende bald nicht mehr beschult werden. Denn der Mangel an vielen Baustoffen bremst die gerade wieder halbwegs normalisierte Überbetriebliche Ausbildung des bayerischen Dachdecker-Nachwuchses aus. Krisenstimmung im KPZ Kompetenzzentrum Dachtechnik Waldkirchen e. V., wo zentral die Ausbildung aller bayerischen Dachdecker-Lehrlinge stattfindet.

„Gerade erst ist der Umbau der Staatlichen Berufsschule Waldkirchen im Landkreis Freyung-Grafenau weitgehend abgeschlossen, die Pandemie ließe wieder einen fast normalen Unterrichtsbetrieb zu – und wir können die Fachkräfte von morgen nicht mehr in der Praxis ausbilden“, so Kay Preißinger aus Nürnberg. Der stellvertretende Landesinnungsmeister der Bayerischen Dachdecker kann nur den Kopf schütteln. „Uns fehlen auch für die Ausbildung am Modell Holz, Dämmstoffe, Dachlatten und OSB-Spanplatten“.

Genervt sind auch viele der über 400 Dachdecker-Innungsbetriebe in Bayern. Denn bei den meisten von ihnen sind die Auftragsbücher gut gefüllt und mit engagierten Mitarbeitern werden notfalls auch mit Überstunden die Aufträge abgearbeitet. Doch Bauholz, Dachlatten, Dämmstoffe und Metalle sind derzeit ebenso knapp wie Fachkräfte in diesem Handwerk.

„Es ist unglaublich, dass sich in den Wäldern, auf Nasslagerplätzen und vor Sägewerken das Rundholz in selten erreichten Mengen stapelt, während wir unseren Kunden die Baustellen stilllegen müssen, weil wir kein Holz bekommen“, ärgert sich Preißinger. „Und wann und zu welchem Preis mal wieder eine kleine Menge Holz bei unseren Lieferanten eintrifft, weiß keiner“.

Immer mehr Dachdeckern droht – in einem Boomjahr der Bauwirtschaft – Kurzarbeit. „Finanziert wird die letztendlich aus den Steuergeldern, die wir Betriebe durch den Materialengpass nicht mehr zahlen, weil wir auch keine Aufträge mehr fertigstellen können“, wundert sich der Nürnberger Dachdeckermeister.

Dazu tragen viele der betroffenen Betriebe auch noch ein kaum absehbares finanzielles Risiko, wenn sie ihre Bauverträge einhalten müssen, obwohl sich die Materialpreis z. T. mehr als verdoppelt haben – sofern es überhaupt Material zum Verbauen gibt. 

„Die Politik redet gerade im Wahlkampfjahr vom dringend benötigten Wohnraum, von der Energiewende, die nur mit optimierten Gebäudehüllen erreicht werden kann und vom ökologischen Bauen mit Holz aus heimischen Wäldern“ – Kay Preißinger ist fassungslos. „Und dann wird der nachhaltige Öko-Baustoff Holz mit Chemie für den Transport in Containern auf schwerölverbrennenden Frachtern nach Asien und in die USA behandelt“.

Für Preißinger ist die momentane Lage auf dem Baustoffmarkt nicht die logische marktwirtschaftliche Konsequenz aus Angebot und Nachfrage. Er hält die angespannte Situation eher für das Ergebnis der Bemühungen einiger Weniger, die mit und an einer Verknappung gut verdienen.

„Vielleicht sollten sich Arbeitsminister, Wirtschaftsminister, Innenminister und Finanzminister mal an einen Tisch setzen und aktuelle Zahlen austauschen“, wünscht sich Kay Preißinger. „Dann wäre schnell klar, wieviele Steuereinnahmen derzeit durch die letzte boomende Branche – den Bau – gerade wegbrechen“. Und diese Steuern fehlen für die Finanzierung der Kurzarbeit ebenso wie für die Schaffung neuen Wohnraums.
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