Alles begann mit zwei unscheinbaren Rebstöcken. Entdeckt wurden sie in einer außergewöhnlichen Parzelle aus dem Jahr 1830 im Weiler Sarragachies. Der historische Weinberg, heute als Monument Historique denkmalgeschützt, bewahrt noch eine beeindruckende Vielfalt alter Rebsorten. Anfang der 2000er-Jahre stießen Forscher hier auf zwei Reben, die keiner bislang bekannten Varietät zugeordnet werden konnten. Genetische Untersuchungen identifizierten schließlich eine alte, selten dokumentierte Rebsorte aus dem Pyrenäenvorland: Tardif.
Geduld, Präzision und Forschung über Jahrzehnte
Mehr als 20 Jahre lang arbeitete die Experten von Plaimont daran, diese Sorte zu vermehren und ihr önologisches Potenzial zu erschließen. Ausgehend von diesen beiden Rebstöcken begann eine akribische Rekonstruktionsarbeit. Vermehrung im hauseigenen Rebsortenkonservatorium, Anpflanzung in Versuchsparzellen, langjährige agronomische Beobachtung und Vinifikationen. 2017 wurde Tardif in den Rebsortenkatalog des Institut National des Appellations d’Origine (INAO) aufgenommen. Seit 2024 ist Tardif offiziell als Ergänzungsrebsorte im Pflichtenheft der AOC Saint Mont zugelassen.
Der Name Tardif (frz. tard = spät) verweist auf eine zentrale Eigenschaft dieser Rebsorte: die späte Reife, oft erst im Oktober. Was lange als Nachteil galt, erweist sich heute im Kontext des Klimawandels als entscheidender Trumpf für die Winzer.
Pfeffrige Frische als Stilmerkmal
Sensorisch überzeugt Tardif durch ein ungewöhnliches Aromaprofil. Verantwortlich ist unter anderem das Aromamolekül Rotundon, das für würzige Noten von grünem und schwarzem Pfeffer sorgt – bekannt etwa aus Syrah-Weinen.
Die Tardif-Weine zeigen sich frisch und elegant, mit feinen Tanninen, moderatem Alkohol und einer lebendigen Säure. Genau dieser Stil – aromatisch präzise und zugleich „leichtfüßig“ – entspricht dem Trend hin zu moderneren Rotweinen.
Cépages d’Auteurs – die erste Cuvée mit Tardif aus der AOC Saint Mont
Mit dem Jahrgang 2024 präsentiert Plaimont erstmals eine Cuvée aus Tardif und Tannat. Die Cuvée „Cépages d’Auteurs“ ist seit Frühjahr 2026 im Fachhandel erhältlich.
Im Glas zeigt sich die Cuvée in leuchtendem Rubinrot. In der Nase verbinden sich Aromen von Johannisbeere und Rosen mit einer feinen pfeffrigen Würze. Am Gaumen wirkt der Wein saftig und elegant, getragen von einer subtilen Tanninstruktur und lebendiger Frische. Während Tannat für Struktur und Tiefe sorgt, bringt Tardif aromatische Spannung und Finesse in die Assemblage. Das Ergebnis: ein Rotwein mit Charakter – und mit einer außergewöhnlichen Geschichte.
Kulinarischer Tipp
Der frische, würzig-fruchtige Stil der Cuvée „Cépages d’Auteurs“ passt hervorragend zu Gerichten, die eine feine Säure und nussige Aromen verbinden, etwa ein Salat aus roter Beete, Rucola und karamellisierten Pekannüssen.