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ZOO BASEL

Hochzeitsflug bei den Termiten

(lifePR) (Basel, )
Im Zoo Basel können neben Elefanten, Zebras oder Erdmännchen auch Termiten beobachtet werden. Sie sind weniger im Fokus der Besucher – was schade ist, denn Termiten haben einiges zu bieten: Sie leben in einem komplexen Staatensystem, bauen Lehmhügel und unternehmen zur Fortpflanzung einen Hochzeitsflug. Es lohnt sich also, sich diese speziellen Insekten einmal genauer anzusehen.

Die Termiten im Zoo Basel bewohnen im Haus Gamgoas einen hohen Hügel, den sie aus Lehm und Speichel bauen. Der Bau wirkt auf den ersten Blick etwas verlassen, denn seine Bewohner leben in einem verwinkelten Tunnelsystem unter der Erde. Termiten kommen nur nach draussen, um Nahrung zu holen.

Soldaten, Arbeiter und Geschlechtstiere

Ein Blick ins Innere des Hügels zeigt die erstaunliche Organisation des Termitenstaates. Er besteht aus männlichen und weiblichen Tieren in drei spezialisierten Gruppen (auch Kasten genannt), die verschiedene Funktionen und Aufgaben haben: Es gibt Soldaten, Arbeiter und Geschlechtstiere. In einer zentralen Kammer des Termitenhügels wohnt das Königspaar. Die Königin legt fortwährend Eier. In einem grossen Termitenhügel können es mehrere 10’000 Eier pro Tag sein. Der König hat die einzige Aufgabe, die Königin zu begatten. Die beiden verlassen ihre Kammer nie. Soldaten erkennt man an ihrem grossen Kopf und den starken Mundwerkzeugen. Sie bewachen den Hügel gegen Feinde wie Ameisen oder Erdferkel (natürlich nicht im Zolli). Arbeiter bauen Gänge, stocken den Hügel auf und füttern das Königspaar. Sie sammeln draussen Futter wie Blätter und Äste, fressen es und scheiden das Material wieder aus. Auf diesen Ausscheidungen züchten die Tiere einen Pilz, welcher als Nahrung für alle anderen Termiten im Stock dient. Die Arbeiter kümmern sich ausserdem um die Aufzucht der Jungen. Neben den blinden Arbeitern und Soldaten gibt es männliche und weibliche Geschlechtstiere, die Flügel und auch Augen besitzen.

Der Hochzeitsflug

Stimmen die klimatischen Bedingungen (in der Natur sind es bestimmte Wetterbedingungen), schwärmen die Termiten synchron aus. Bei diesem «Hochzeitsflug» verlassen Tausende geflügelte Tiere den Hügel und suchen sich einen Geschlechtspartner. Ihr Ziel ist es, einen neuen Termitenstaat zu gründen – was aber nur einem Bruchteil der ausgeflogenen Tiere gelingt. Im Leben draussen enden die eiweiss- und fettreichen Geschlechtstiere viel wahrscheinlicher als Festmahlzeit im Maul vieler Tiere, auch von Vögeln. Im Zolli findet der Hochzeitsflug ohne menschliche Zuschauer in der Nacht statt. Über eine Woche fliegen Nacht für Nacht Geschlechtstiere aus. Für die Tierpflegerinnen und Tierpfleger bleibt dieses jährliche stattfindende Spektakel zwischen Ende September bis Anfang Oktober allerdings nicht unbemerkt. Nach dem Hochzeitsflug ist das Haus Gamgoas bis unter die Türschwelle voll mit geflügelten Termiten. Schon vor dem Ereignis bemerken die erfahrenen Tierpflegenden am Termitenstock erste Hinweise: So erkennt das geschulte Auge winzige, von den Tieren gebaute Abflugrampen. Sobald diese vorhanden sind, werden die entsprechenden Vorbereitungen getroffen: Behälter werden mit geraffeltem Lehm gefüllt, der sich in jahrelanger Forschung als geeignetes Substrat für die Geschlechtstiere erwiesen hat. Die Geschlechtstiere werden von den Tierpflegern eingesammelt und in Weibchen und Männchen getrennt, was nicht ganz einfach ist. Dann werden sie in eine sogenannte Arena gesetzt. Dort treffen die Weibchen auf die Männchen. Hat sich ein Paar gefunden, beginnt es einen sogenannten Tandemlauf: Das Weibchen, dicht gefolgt vom Männchen, begibt sich auf die Suche nach einem geeigneten Neststandort. Diese Tandem-Paare – es entstehen einige Hundert an der Zahl – werden eingesammelt und in die Behälter mit Lehm gesetzt, damit sie sich verpaaren und in die Erde eingraben. Kurz bevor sie im Boden verschwinden, werfen sie ihre Flügel an vorgebildeten Bruchlinien ab. Erfolgreiche Paare bauen eine Hochzeitskammer, werden zu Königin und König und gründen einen neuen Termitenstaat. Dies alles geschieht hinter den Kulissen des Zoos. Ein Termitenstaat überlebt nur, solange das Königspaar lebt – in der Regel um die 20 Jahre. Danach wird der Hügel von anderen Tieren wie Erdferkeln oder Zwergmangusten bevölkert.

Termitenzucht im Zoo Basel

Der Termitenhügel im Zoo Basel besteht schon über 20 Jahre. Seit ein paar Jahren forscht der Zoo Basel deshalb zur Termitenzucht und steht im Austausch mit anderen Züchtern. Termiten zu züchten ist eine sehr heikle Aufgabe, denn es gibt nur wenig Informationen dazu und es braucht viel Fingerspitzengefühl vonseiten der Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Die gesammelten Daten helfen, Jahr für Jahr mit der Zucht weiterzukommen. Ziel ist es, einen funktionierenden Staat zu erhalten, der den alten Hügel ersetzen kann. Und tatsächlich ist es dem Zoo gelungen, ein Volk zu züchten, das schon über ein Jahr besteht. Das Schwierigste dabei ist, den Pilz zu erhalten, der dem Volk als Nahrung dient. Nicht nur braucht er zum Wachsen eine konstante Temperatur, auch das Substrat, auf dem er wächst, muss eine bestimmte Feuchtigkeit aufweisen, die nur durch Abtasten richtig erfasst werden kann.
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