Samstag, 23. Juni 2018


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NABU zeichnet beste "Nussjäger" des Landes aus

5.000 Kinder haben 11.500 Nüsse eingeschickt / NABU stellt Verbreitungskarte der Haselmausfunde vor / "Große Nussjagd 2009" in Baden-Württemberg

Stuttgart, (lifePR) - Die stark bedrohte Haselmaus lebt noch an einigen Stellen Baden-Württembergs. Vor allem in mittleren und höheren Lagen hat die kleine Schlafmaus vermutlich Rückzugsräume gefunden, während sie in der Rheinebene vermutlich kaum mehr zu finden ist. Diese auch für Experten neuen Erkenntnisse hat der NABU aus seiner Aktion "Große Nussjagd 2009" gewonnen. Im vergangenen Jahr hatte der NABU gemeinsam mit seiner Jugendorganisation NAJU Schulen, Kindergärten und Familien aufgerufen, nach angenagten Haselnüssen zu suchen und sie an den NABU zu schicken. Anhand der Nagespuren konnten die Experten des NABU feststellen, ob eine Haselmaus am Werk war oder "nur" ein Eichhörnchen oder eine Rötelmaus. Die Ergebnisse hat der NABU in eine Verbreitungskarte der Haselmausfunde zusammengetragen, die in die Schutzbemühungen der Naturschutzverwaltung um den Nager einfließen wird. Die Haselmaus steht in Baden-Württemberg auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

Über 5.000 Kinder aus ganz Baden-Württemberg haben bei der Großen Nussjagd mitgemacht und 11.467 Nüsse von 442 Fundorten eingesandt. Die gesamte ehrenamtliche Forscherleistung der Kinder entspricht etwa 5.800 Arbeitsstunden, 727 Arbeitstagen oder zwei vollen Arbeitsjahren eines einzelnen Haselmausforschers. "Aus den Nussfunden der Kinder konnten wir ableiten, dass die Haselmaus noch an mindestens 42 Standorten im Land vorkommt", erklärt NABU-Artenschutzreferent Martin Klatt. "Natürlich kann diese erste Nussjagd Baden-Württembergs nur ein Baustein sein. Die Daten müssen weiter vervollständigt werden - dazu hat die EU die Mitgliedsstaaten verpflichtet."

Am erfolgreichsten suchten die Kinder des Kindergartens Krauchenwies-Hausen (Kreis Sigmaringen) nach Haselmaus-Nüssen: Alle eingeschickten 20 Nüsse aus Hausen waren tatsächlich von der Haselmaus angenagt. Die 25 Kinder erhielten daher am heutigen Donnerstag (22.7.) Urkunden, handgemachte Haselmäuse aus Wolle und ein Büchlein überreicht. Aber auch Kinder, unter deren Nüsse kein Treffer war, haben der Wissenschaft einen wertvollen Dienst erwiesen: "Für uns ist es sowohl wichtig zu wissen, wo die Haselmäuse vorkommen, als auch wo sie nicht vorkommen", erklärt Klatt. "Daher hat uns jede einzelne Einsendung weitergeholfen."

"Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg hat die Große Nussjagd des NABU mit Mitteln der Glücksspirale gerne unterstützt, denn dieses Projekt verbindet fundierte Umweltforschung ganz hervorragend mit Naturerlebnis für Kinder", sagte Dr. Karin Riedl von der Stiftung Naturschutzfonds. "Ich danke auch im Namen des NABU allen Kindern, Lehrern, Erziehern und Familien, die mitgeholfen haben, diese wichtigen Daten zu sammeln."

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius)

Steckbrief

Die Haselmaus ist keine Maus, sondern gehört wie der Siebenschläfer zur Familie der sogenannten Bilche oder Schlafmäuse. Das sieht man zum Beispiel an dem dicht und buschig behaarten Schwanz. Die Haselmaus ist winzig: Mit sieben bis acht Zentimetern (plus sechs bis acht Zentimeter Schwanz) ist sie nur daumengroß und wiegt zwischen 15 und 35 Gramm. Sie hat ein goldbraunes Fell und große, schwarze Knopfaugen. Haselmäuse können bis zu fünf Jahre alt werden - für Nager ein ungewöhnlich langes Leben.

Lebensraum

Haselmäuse leben an Waldrändern und im lichten Wald, zum Beispiel auf ehemaligen Sturmwurfflächen, auf denen sich die ersten Jungbäume entwickeln. Der Wald muss mindestens 20 Hektar groß sein - und selbst auf dieser großen Fläche können nur etwa 70 Haselmäuse leben. Gerne leben sie auch in Hecken und Feldgehölzen, wenn diese untereinander vernetzt sind. Die Vernetzung ist sehr wichtig, denn Haselmäuse bewegen sich selten am Boden. Sie können klettern wie Äffchen und fühlen sich deshalb im Geäst der Sträucher viel sicherer.

Nahrung

Außer Haselnüssen fressen Haselmäuse gerne Beeren (Brombeeren, Himbeeren, Heckenkirschen), Knospen und Blüten vieler anderer Pflanzen. Eine große Pflanzenvielfalt ist ihr deshalb wichtig. Auch kleine Insekten stehen ab und zu auf dem Speiseplan. Mit den Haselnüssen und Eicheln fressen sich die Haselmäuse im Herbst den nötigen Speck an, bevor sie in den Winterschlaf gehen. Dazu kuscheln sie sich in die Laubstreu am Waldboden und senken ihre Körpertemperatur bis auf vier Grad Celsius ab.

Die Große Nussjagd wurde gefördert von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale.

Informationen zur Stiftung Naturschutzfonds unter www.stiftung-naturschutz-bw.de

Die Große Nussjagd fügt sich in den Aktionsplan Biologische Vielfalt des Landes Baden-Württemberg ein, da die Haselmaus als eine von 111 ausgewählten Arten landesweit ein besonderes Augenmerk erfährt.

Informationen zum Aktionsplan Biologische Vielfalt unter www.aktionsplan-biologische-vielfalt.de

Infos und ein PDF der neuen Verbreitungskarte der Haselmausfunde unter www.nussjagd-bw.de

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