Dienstag, 21. November 2017


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Kunsthaus Zürich zeigt «Adrian Zingg. Wegbereiter der Romantik»

Zürich, (lifePR) - Vom 25. Mai bis 12. August 2012 zeigt das Kunsthaus Zürich die erste Museumsausstellung von Adrian Zingg (1734-1816) in der Schweiz. Zingg gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Landschaftsdarstellung zwischen europäischer Aufklärung und Dresdener Frühromantik. Er durchwanderte von Dresden aus Gegenden, die er in zahlreichen Ansichten erschloss und die seither als Sächsische und Böhmische Schweiz bekannt sind. Mit grossformatigen Sepiablättern beeinflusste Zingg eine ganze Künstler-Generation bis hin zu Caspar David Friedrich. Seine Motivwahl und Landschaftsauffassung prägten die Souvenirproduktion des frühen Tourismus.

Der in St. Gallen geborene Adrian Zingg erhielt seine Ausbildung bei Johann Rudolph Holzhalb in Zürich und bei Johann Ludwig Aberli in Bern. Nach einem siebenjährigen Aufenthalt bei Johann Georg Wille in Paris war er 50 Jahre lang in Dresden tätig. Dort, im Kupferstichkabinett, wie auch in der Albertina Wien, befinden sich die bedeutendsten Grafiken. Unter den in der Ausstellung versammelten 100 Werken sind Leihgaben aus der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, der Albertina Wien, dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, dem Kupferstichkabinett Basel und dem Kunstmuseum St. Gallen.

VON DEN ALPEN ZUR FRANZÖSISCHEN LANDSCHAFT

Die vom Konservator der Grafischen Sammlung, Bernhard von Waldkirch, eingerichtete Ausstellung, führt den Besucher durch sechs Sektionen. Die erste umfasst biografische Zeugnisse, vor allem Bildnisse Adrian Zinggs in höfischer Gesellschaft und mit seinen Schülern in der Natur zeichnend, darunter das damals berühmte ganzfigurige Bildnis seines Freundes Anton Graff, der als Hofmaler in Dresden tätig war. Die zweite Sektion widmet sich der Ausbildung Zinggs in der Schweiz und in Paris. Die Entdeckung der Alpen prägten seine Lehrjahre in Bern. Danach kam Zingg in die Wille-Werkstatt nach Paris, die hohes internationales Ansehen genoss. Hier lernte er die französische Methode des Landschaftskupferstichs kennen, was den Anstoss für seine Berufung als Lehrer an die neu gegründete Dresdener Kunstakademie gab. Am Beispiel von Hütten und Ruinen wird die prägende Wirkung von François Boucher, Jean-Baptiste Oudry und Hubert Robert gezeigt, deren Werke im Nachstich breit rezipiert wurden.

DER KÜNSTLERISCHE ENTDECKER DER SÄCHSISCH-BÖHMISCHEN SCHWEIZ

Die dritte Sektion ist Zinggs Dresdner Zeit gewidmet. Hier wirkte der Künstler nach seiner Übersiedlung von Paris im Jahr 1766 bis zu seinem Tod im Jahr 1816 als Akademielehrer wie auch als Leiter einer äusserst erfolgreichen Werkstatt. Zinggs «Studienblätter für Landschaftszeichner» geben Aufschluss über die Schülerausbildung, gleichzeitig dienten sie auch als Motivvorrat für die Vordergrundgestaltung seiner grossen Landschaftsansichten. Besonders beliebt waren die Exkursionen in die Umgebung von Dresden. Neben einigen berühmten Stadtansichten sind es vor allem die grossen Sepiablätter mit sächsischen Schlössern – offenbar ein Grossauftrag von Herzog Albert von Sachsen-Teschen – die das Kernstück dieser Abteilung bilden. Zum ersten Mal in einer Museumsausstellung wird Zingg als künstlerischer Entdecker dieser Landschaft gewürdigt. Zingg machte die Region einem internationalen Kunst- und Wissenschafts-Tourismus bekannt und etablierte einen Landschaftstypus, der durch die Gemälde von Caspar David Friedrich und Ludwig Richter in der Landschaftsmalerei kanonische Bedeutung erlangte.

ERFOLGREICHER GESCHÄFTSMANN

Die Wirkung von Adrian Zingg als Lehrer und Werkstattleiter zeigen in der vierten und fünften Sektion ausgewählte Werke seiner Schüler: Carl August Richter, Johann Gottfried Jentzsch, Christoph Nathe, die Schweizer Johann Conrad Rordorf sowie Conrad Gessner, Sohn des Idyllenmalers und –dichters Salomon Gessner aus Zürich. Zingg war ein kluger, erfolgreicher Geschäftsmann. Mit seiner von Aberli übernommenen und weiterentwickelten Methode der Umrissradierung, die meist in Braun laviert worden ist, hat er ein faksimileähnliches Verfahren geschaffen, das seine Sepiazeichnungen täuschend echt imitiert und diesen zugleich durch die Vervielfältigung eine weite Verbreitung sicherte.

CASPAR DAVID FRIEDRICH UND ANDERE NACHFOLGER IM VERGLEICH

Die sechste und letzte Sektion gibt einen Ausblick auf die Nachfolger Zinggs im 19. Jahrhundert. Einen Schwerpunkt bilden die Beziehungen zur romantischen Landschaftauffassung. Im Vergleich der Naturstudien und zweier Sepiablätter von Adrian Zingg und Caspar David Friedrich lassen sich unmittelbare Bezüge beobachten, die bisher noch nie in einer Ausstellung thematisiert worden sind. Auch Caspar David Friedrich liess seine Sepiablätter reproduzieren und gelegentlich farbig fassen. Durch die akademische Praxis verflachte jedoch die innovative Entdeckerfreude zur «Zinggschen Manier», die von den jungen Frühromantikern vehement abgelehnt wurde. Arbeiten von Ludwig Richter und frühe Prospekte für den aufkommenden Tourismus runden diesen Ausblick ab.

KOOPERATION UND PUBLIKATION

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Das Konzept wurde von den Kuratorinnen Dr. Petra Kuhlmann-Hodick und Dr. Claudia Schnitzer mit dem Konservator Bernhard von Waldkirch erarbeitet. Ein reich bebilderter Katalog (Sandstein Verlag, 280 S.) erschliesst kunsthistorisches Neuland. Mit Beiträgen von W. Busch, A. Fröhlich, P. Kuhlmann-Hodick, B. Maaz, T. Pfeifer-Helke, C. Schnitzer, S. Weisheit-Possél und B. von Waldkirch. Erhältlich im Kunsthaus und im Buchhandel für CHF 42.-.
Das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaften (SIK-ISEA) und das Kunsthaus Zürich veranstalten am 14. und 15. Juni das Kolloquium «Wissenschaft, Sentiment und Geschäftssinn. Landschaft um 1800» (www.sik-isea.ch). Ab Dresden starten am 23. Juni und 22. September Exkursionen durch die Sächsische Schweiz, geführt von Fotograf und Autor Frank Richter. Informationen unter www.kunsthaus.ch.

ENDE DER DREITEILIGEN REIHE ZUR LANDSCHAFT UM 1800

Mit dieser Ausstellung beschliesst das Kunsthaus Zürich die dreiteilige Reihe zur Erfindung und Popularisierung einer spezifisch bürgerlichen Landschaftsauffassung um 1800 in Zeichnung und Druckgrafik. Vorausgegangen waren 2010: «Idyllen in gesperrter Landschaft. Zeichnungen und Gouachen von Salomon Gessner (1730-1788)» und «Carl Wilhelm Kolbe (1759-1835). Riesenkräuter und Monsterbäume». Die Leistungen dieser Wegbereiter standen lange Zeit im Schatten des Goldenen Zeitalters der Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert südlich und nördlich der Alpen. Erst mit dem Aufkommen eines modernen Gefühls für die heimische Gegend, das sowohl topografische wie auch wahrnehmungspsychologische, kunsttheoretische, naturwissenschaftliche, soziokulturelle, ökonomische und technische Aspekte berücksichtigt, konnte die Gattung der Landschaft ihren Siegeszug im 19. Jahrhundert antreten.

Für die Unterstützung danken wir der Ernst von Siemens Kunststiftung.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84, www.kunsthaus.ch
Sa/So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do/Fr 10–20 Uhr. Pfingsten 26.-28.5. 10–18 Uhr
Eintritt inkl. Sammlungsbesuch: CHF 15.–/10.– reduziert. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre gratis.
Öffentliche Führungen: 31.5. und 2.8. mit Kurator Bernhard von Waldkirch, 10.6. und 5.7. mit Myriam Schlesinger. Private Führungen: +41 (0)44 253 84 84.
Vorverkauf: SBB RailAway-Kombi. Ermässigung auf Anreise und Eintritt: am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz), www.sbb.ch. Magasins Fnac: Verkaufsstellen CH: Rives, Balexert, Lausanne, Fribourg, Pathé Kino Basel, www.fnac.ch; F: Carrefour, Géant, Magasins U, 0 892 68 36 22 (0.34 €/min), www.fnac.com; BE: www.fnac.be.

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