Donnerstag, 19. Juli 2018


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Straße der Romanik für Entdecker: Merseburger Zaubersprüche

Magdeburg, (lifePR) - 80 romanische Dome, Kirchen, Burgen und Pfalzen bieten in 65 Orten Sachsen-Anhalts Auswahl für eine Besichtigungstour. Überall entdeckt man authentische Schauplätze deutscher und europäischer Geschichte und Kunstwerke von Weltrang. Dazu zählen die Merseburger Zaubersprüche, die als das älteste Schriftzeugnis der althochdeutschen Sprache gelten.

Wie kommt ein christlicher Mönch vor mehr als 1000 Jahren dazu, heidnische Formeln aufzuschreiben? Pergament und Tinte sind teuer und kostbar. An sich haben damals alle Texte, die der Verschriftlichung überhaupt für Wert erachtet werden, im Dienst der Verkündigung des Christentums zu stehen. Wo, von wem und warum werden diese Worte in ein Buch mit theologischen Texten geschrieben? In Merseburg an der Ostgrenze des Reichs, wo erst Karl und dann Otto der Große den neuen Glauben mit dem Schwert verbreiten und wo die Handschriftensammlung erst nach vielen hundert Jahren 1841 gefunden wird oder im Kloster Fulda, wo sie vermutlich entstanden ist? Oder ganz woanders? Woher kennt ein christlicher Mönch die alten Götter und warum ruft er sie an? Gibt es eine Notsituation, in der man einen Befreiungs- und einen Heilzauber braucht? Wird die Schrift in Auftrag gegeben? Weiß das Kloster, weiß der Abt, was er da in seiner Bibliothek beherbergt und später weitergibt? Oder wird das Blatt absichtlich versteckt, um ein Stück des alten Wissens für die Nachwelt zu erhalten?

Fragen, über die sich die Forscher seit der Entdeckung der Merseburger Zaubersprüche heute noch den Kopf zerbrechen. Fest steht, dass die älteste Überlieferung eines althochdeutschen Textes nicht christlichen Inhalts bereits für das 19. Jahrhundert eine Sensation und den Germanisten seither heilig ist. Jacob Grimm macht sie 1842 zum Thema seiner Antrittsvorlesung vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Er ordnet den Fund folgendermaßen ein: "Gelegen zwischen Leipzig, Halle, Jena ist die reichhaltige Bibliothek des Domcapitels zu Merseburg von Gelehrten oft besucht und genutzt worden. Alle sind an einem Codex vorübergegangen, der ihnen, falls sie ihn näher zur Hand nahmen, nur bekannte kirchliche Stücke zu gewähren schien, jetzt aber, nach seinem ganzen Inhalt gewürdigt, ein Kleinod bilden wird, welchem die berühmtesten Bibliotheken nichts an die Seite zu setzen haben."

Noch heute faszinieren der starke poetische Charakter und die außergewöhnlichen Klangqualitäten der beiden überlieferten Zaubersprüche: "Suma hapt heptidun", heißt es im ersten Zauberspruch, der die Lösung aus Gefangenschaft bewirken soll. "Ben zibena, bluot zibluoda, lid zigeliden - sosegelimida sin", lautet der beschwörende Schlusssatz des zweiten Spruches, bei dem es um die Heilung gebrochener Knochen (in diesem Falle eines Fohlens) geht. Immer wieder sind diese Worte vertont und natürlich wissenschaftlich untersucht worden. Dennoch haben sie manches ihrer Geheimnisse bewahrt. So streitet man sich bis heute, welche Gottheiten neben Wotan und Freya im zweiten Teil gemeint sein könnten. Ob der erwähnte "Phol" ein unbekannter Gott oder eine andere Schreibweise für das Wort Fohlen ist. Wie auch immer es sein mag, die Merseburger Zaubersprüche erzählen von Zeiten, in denen die Menschen an die Magie und die unmittelbare Wirkmächtigkeit von Worten geglaubt haben. Bei den Germanen genoss das Wort eine hohe Achtung, es konnte sogar eine Waffe sein. Manche Überlieferung spricht davon, dass gerade Frauen im Führen des Wortes eine besondere Macht zugesprochen wurde. Im Falle kriegerischer Konflikte soll eine Priesterin auf einem erhöhten Platz gestanden haben, um von dort aus die gegnerischen Kämpfer zu verwünschen....

Die Merseburger Zaubersprüche sind heute in der Merseburger Domschatzausstellung als Faksimile zu erleben. Sie sind nur ein Beispiel für den mystischen und geheimnisvollen Charakter historischer Orte in Sachsen-Anhalt, die sich vor allem an der Straße der Romanik entdecken lassen.

2013 wird in Sachsen-Anhalt das 20. Jubiläum der Straße der Romanik gefeiert. Noch heute lässt sich dort das Mittelalter erleben. Die rund 1.000 Kilometer lange Route verbindet 65 Orte mit 80 romanischen Domen, Kirchen, Burgen und Pfalzen und lädt zur Zeitreise ins Mittelalter ein. Im Jubiläumsjahr gibt es Gelegenheit, Veranstaltungen zu besuchen und Erlebniswelten der Straße der Romanik neu zu entdecken. Zu den Höhepunkten zählt die Reihe "80 Tage an der Straße der Romanik" mit mehr als 80 Konzerten, Festen, Ausstellungen, Führungen und Festspielen. Ausführliche Informationen und kostenfreie Broschüren gibt es unter www.strasse-der-romanik.de.

Text: Thomas Spindler

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