Mittwoch, 22. November 2017


  • Pressemitteilung BoxID 517745

Von Musik bis zu bundesweiten Allianzen - Demenz-Kongress zeigt vielfältige Handlungsmöglichkeiten

8. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft "Demenz - jeder kann etwas tun" vom 23. - 25. Oktober 2014 in Gütersloh

Gütersloh, (lifePR) - .
- Am zweiten Tag des 8. Kongresses der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) in Gütersloh hörten und diskutierten 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Fülle von Themen.

Großes Interesse fand der Vortrag des Mediziners und Musikers Prof. Eckart Altenmüller (Hannover), der erklärte: "Das Musikmachen ist neben dem Schachspielen und dem Tanzen außerordentlich förderlich für das erfolgreiche geistige Altern." Zu der Frage, was Musizieren bei Menschen, die bereits eine Demenz haben, bewirken könne, sagte er: "Es zeigt sich deutlich, dass Musizieren das biographische Gedächtnis und handlungsorientierte Fertigkeiten bei Demenzkranken unterstützt."

Eine spezielle Form der Demenz ist die Frontotemporale Demenz (FTD), ausgelöst durch Störungen im Stirnhirn. Die Betroffenen erkranken oft schon im mittleren Erwachsenen­alter. Nicht Gedächtnisstörungen stehen im Vordergrund, sondern Verhaltensstörungen und Persönlichkeits­ver­änderungen, wie Dr. Gerthild Stiens (Bonn) erläuterte. Aus der Begleitung einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen von Erkrankten mit FTD berichtete Jutta Kindereit (Wieda). Besonders belastend für die Angehörigen sind peinliche Situationen, die entstehen, wenn Erkrankte sich unan­gemessen verhalten, sich beispielsweise im Restaurant vom Nachbartisch bedienen. Sie wünschen sich vor allem eine informierte Öffentlichkeit und Ärzte, die sich mit dem Krank­heits­bild nicht nur oberflächlich auskennen. Bodo Beuchel und Dirk Bahnen (Krefeld) arbeiten an einem Dokumentarfilm über FTD und zeigten Ausschnitte daraus, die das Krankheitsbild eindrücklich vor Augen führten.

Prof. Elmar Gräßel (Erlangen) stellte die Ergebnisse einer Studie zur Situation pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz vor. Ein wichtiges Ergebnis: Pflegende Angehörige brauchen vor allem die Hilfe und Unterstützung von Familie und Freunden. Wenn sie diese bekommen, fühlen sie sich in besonderem Maß entlastet und werden seltener krank. Besonders schwierig ist die Situation von Angehörigen zu Beginn der Erkrankung. Oft dauert es lange, bis eine Diagnose gestellt wird oder bis Demenzkranke Leistungen der Pflegeversicherung erhalten. In dieser Situation fühlen sich Angehörige oft allein gelassen. Vielen fehlen auch Informationen darüber, wohin sie sich wenden können, um Beratung oder Unter­stützung zu bekommen.

Petra Weritz-Hanf vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sprach über die "Allianz für Menschen mit Demenz", eine Initiative des Bundes­familien­ministeriums und des Bundesgesundheitsministeriums, an der auch die DAlzG beteiligt ist. Mehr als 20 eingebundene Organisationen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich haben im September 2014 eine Agenda verabschiedet, die konkrete Ziele zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz vorsieht - unter anderem gemeinsame Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit und die Reduzierung von Fixierungs­maßnahmen in Heimen, um nur zwei Beispiele von rund 150 Maßnahmen zu nennen.

Heike von Lützau-Hohlbein, 1. Vorsitzende der DAlzG und der Dachorganisation Alzheimer Europe, erläuterte Projekte auf europäischer Ebene, etwa die European Alzheimer Alliance, in der sich 70 europäische Parlamentarier aus allen Mitglieds­staaten parteiübergreifend zusammengeschlossen haben.

Der Kongress fand heute auch in der Stadt Gütersloh einen Widerhall, als sich rund 300 Menschen in der Innenstadt zu einem Flashmob zusammenfanden und gemeinsam in der Fußgängerzone tanzten. In Gütersloh ist Demenz bereits seit Jahren ein wichtiges Thema, und hier werden vorbildliche Projekte umgesetzt, beispielsweise in der Sensibilisierung der Krankenhäuser für demenzerkrankte Patienten.

Zum Abschluss des Kongresses am Samstag, 25.10.2014, wird Bundesminister a.D. Franz Müntefering zum Thema "Mit Demenz leben" sprechen.

Der Kongress steht unter der Schirmherrschaft von Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, und wird finanziell unterstützt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

8. KONGRESS DER DEUTSCHEN ALZHEIMER GESELLSCHAFT:

"Demenz - jeder kann etwas tun", Gütersloh, 23. bis 25. Oktober 2014. Informationen im Internet: www.demenz-kongress.de (Link: http://www.demenz-kongress.de ).

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

Heute leben in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Ungefähr zwei Drittel davon leiden an der Alzheimer-Demenz. Ihre Zahl wird bis 2050 auf 3 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist der Bundesverband von derzeit 137 regionalen Alzheimer-Gesellschaften, Angehörigengruppen und Landesverbänden. Sie nimmt zentrale Aufgaben wahr, gibt zahlreiche Broschüren heraus, organisiert Tagungen und Kongresse und unterhält das bundesweite Alzheimer-Telefon mit der Service-Nummer 01803 - 171017 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) oder +49 (30) 259 37 95-14 (Festnetztarif).

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

New study finds sunbeds to be effective in raising vitamin D levels

, Gesundheit & Medizin, European Sunlight Association ASBL, Brussels Office

Sunbeds with a UVB component similar to solar summer sunshine may provide an effective alternate vitamin D source during winter months, according...

BEMER's Europäische Gesundheitsinitiative geht in die nächste Runde

, Gesundheit & Medizin, BEMER Int. AG

Nach dem erfolgreichen Kick-off der von der BEMER Int. AG initiierten europaweiten Gesundheitsinitiativ­e (EGI) „Der Blutkreislauf“ mit zahlreichen...

Lieferengpässe von Medikamenten und Impfstoffen gefährden Menschenleben

, Gesundheit & Medizin, Landesärztekammer Hessen

Bereits im Dezember 2016 hatte die Landesärztekammer Hessen eine umfassende Strategie gefordert, mit der die Produktions- und Lieferfähigkeit...

Disclaimer