Donnerstag, 14. Dezember 2017


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Kongressbericht 2017: 27. Deutscher Hautkrebskongress der ADO in Mainz ging erfolgreich zu Ende

Verbesserte Therapiemöglichkeiten und Begleitung von Hautkrebspatienten

Jena, (lifePR) - Der 27. Deutsche Hautkrebskongress der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft (ADO) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ging ging in Mainz erfolgreich zu Ende. Über 850 Wissenschaftler und Mediziner aus allen Fachgebieten, die sich mit dem Thema Hautkrebs beschäftigen, diskutierten aktuelle Fortschritte der Behandlungsmöglichkeiten. Seit sich das Verständnis der Hautkrebsentstehung in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat, wurden die Therapieoptionen für die Patienten entscheidend verbessert. "Mit unserem abwechslungsreichen und praxisbezogenen Programm konnten wir an die letzten sehr erfolgreichen Hautkrebskongresse mit einem dermato-onkologischen Update anknüpfen", so Prof. Dr. Dirk Schadendorf, 1. Vorsitzender der ADO und Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsklinik Essen.

Tagungspräsident Prof. Dr. med. Stephan Grabbe, Klinik und Poliklinik für Dermatologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, führte drei Tage lang durch einen abwechslungsreichen und hochkarätigen Kongress mit vielfältigen aktuellen Themen in allen Bereichen. Ein Fokus dieser Tagung lag - entsprechend dem Mainzer Forschungsschwerpunkt - bei den neuen Entwicklungen zur Immuntherapie. Weiterhin wurden neben neuen Meilensteinen der zielgerichteten Therapie beim malignen Melanom aktuelle Daten zur Therapie fortgeschrittener epithelialer Hauttumoren wie Merkelzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom präsentiert. Zur Behandlung von fortgeschrittenem Melanomen, Basalzellkarzinomen und aktinischen Keratosen sowie auch anderen Hautkrebsarten wurden neue Studienergebnisse vorgestellt. Internationale Plenarredner gaben eine Übersicht zu computerbasierten Screeningverfahren beim Melanom, zur Epigenetik und Krebs und zur Bedeutung von UV-Licht bei der Melanomentstehung.

Fortschritte bei der Immuntherapie und der zielgerichteten Therapie beim Melanom

Professor Dr. med. Carola Berking und PD Dr. med. Thomas Eigentler gaben mit einem Überblick zu aktuell in Deutschland laufenden Studien und deren bisherigen Ergebnissen eine Übersicht zum Stand der klinischen Forschung. Internationale Experten berichteten unter anderm von aktuellen Erkenntnissen beim Jahreskongress der ASCO (American Society of Clinical Oncology) in Chicago. Neben Langzeit- und Kombinationsdaten von Immuntherapeutika und zielgerichteten Therapeutika wurden erste Daten zu personalisierten Impfstudien in der Therapie des malignen Melanoms vorgestellt.

"Zielgerichtete Therapeutika und Immun-Checkpoint-Inhibitoren sind in einer beispiellosen Schnelligkeit als Standardtherapie in unsere Leitlinienempfehlungen aufgenommen worden", so Prof. Grabbe. "Nachdem es uns bei immer mehr Patienten mit malignem Melanom gelingt, eine akut lebensbedrohliche Tumorerkrankung langfristig zu kontrollieren, stellen wir uns nun die Frage, wie wir das Therapie- Ansprechen weiter verbessern oder gar eine Heilung erreichen können. Kombinationstherapien aus zielgerichteten Therapien und Immuntherapien, aber auch personalisierte Ansätze sind vielversprechend." Die aktuelle Diskussion, weshalb nicht alle Patienten auf eine Immuntherapie reagieren oder nicht dauerhaft ansprechen, wurde aus klinischer und wissenschaftlicher Perspektive beleuchtet.

Ein wichtiger Tagungsschwerpunkt war auch die Diskussion möglicher Nebenwirkungen der hochwirksamen neuen Therapien. Während das Immunsystem bei der Therapie mit Immuncheckpointinhibitoren die Tumorzellen bekämpft, kann es zu Immunreaktionen auch gegen gesunde Körperzellen kommen, die zu Entzündungen in verschiedensten Organen und Geweben führen können. Ein wirkungsvolles Nebenwirkungsmanagement stand im Mittelpunkt der fachlichen Auseinandersetzung. "Entscheidend ist es, die Patienten in ihrer Erkrankung eng zu begleiten, gemeinsam auf Nebenwirkungen zu achten und die Behandlung individuell anzupassen", so Prof. Grabbe. Als Leiter der Zertifizierungskommission von inzwischen über 50 Hautkrebszentren deutschlandweit arbeitet er an der Durchsetzung von Qualitätsstandards, die den interdisziplinären Kontakt der Mediziner und den ganzheitlichen Ansatz festigen.

Psychoonkologie und Palliativmedizin

In der Diskussion und Entwicklung palliativer und psychoonkologischer Versorgungskonzepte wurden wichtige Akzente gesetzt. "Nicht jeder Tumorpatient kann geheilt werden, viele Tumore und auch ihre Therapien können Schmerzen und Beschwerden verursachen und nicht jeder Tumorpatient verarbeitet seine Erkrankung in gleicher Weise", so PD Dr. Carmen Loquai, Leiterin des Hautkrebszentrums Rhein-Main der Universitätsmedizin Mainz, die die wissenschaftliche Leitung des Hautkrebskongresses übernommen hatte. In deutschen Hautkrebszentren sei es mittlerweile selbstverständlich, dass neben den Behandlungen, die auf eine Elimination des Tumors zielen, auch solche angeboten werden, die auf die Linderung von Tumor- oder therapiebedingte Beschwerden abzielen und - in enger Zusammenarbeit mit der Palliativmedizin, der Psychoonkologie und dem Sozialdienst - die seelische Verfassung des Patienten in den Mittelpunkt des Behandlungskonzepts stellen. In der Diskussion wurde deutlich, dass sich immer mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass fortlaufende Betreuung und Pflege bis zum Lebensende im Krankheitsverlauf früh in Anspruch genommen werden sollte, da sie Erleichterung schaffen und Beschwerden nehmen, die Lebenszeit verlängern und Lebensqualität sichern kann.

Preisverleihungen beim ADO-Kongress 2017

Der mit 10.000 EUR dotierte Deutsche Hautkrebspreis, vergeben von der Deutschen Hautkrebsstiftung, ging an PD Dr. Carmen Loquai, Leiterin des Hautkrebszentrums Rhein-Main der Universitätsmedizin Mainz, für ihre wissenschaftlichen Untersuchungen: "Personalized RNA vaccines nobilize poly-specific therapeutic immunity against cancer" (Nature, 2016) und "Use of complementary and alternative medicine: A multicenter cross-sectional study in 1089 melanoma patients" (Eur. J. Cancer, 2017).

Außerdem wurden junge Wissenschaftler mit je mit 500 EUR dotierten Posterpreisen, gestiftet von Roche Pharma AG, für ihre außergewöhnlichen Leistungen im Bereich der Hautkrebsforschung geehrt.

3 Posterpreise in der Kategorie "Experimentelle Dermato-Onkologie / Translationale Forschung" wurden vergeben an Niklas Zimmer, Universitätsmedizin Mainz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: "Thrombozyten sind in der Lage durch GARP regulatorische T-Zellen zu indizieren"; an Batool Shannan, Universitätsklinikum Essen: "Einfluss von JARID1B Expression auf Bestrahlungsresistenz in Melanomzellen" und an Lionel Larribère, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: "ID3, ein Neuralleisten-assoziiertes Gen, ist involviert in BRAF-Inhibitor-induzierte Resistenz beim Melanom"

3 Posterpreise in der Kategorie "Klinische Dermato-Onkologie" gingen an Dr. medic. Ioana Cosgarea, Universitätsklinikum Essen: "Interleukin-2 und Checkpoint-Inhibition als erfolgreiche Therapiesequenz beim metastasierten Melanom - Fallbericht und retrospektive Analyse an 52 Patienten"; an Nina Peters, Universitäts-Hautklinik Tübingen: "Konfokale Laser Scanning Mikroskopie (CLSM) im Vergleich zu HE-gefärbten Paraffinschnitten in der Mohs Chirurgie von Basalzellkarzinomen" und an Dr. med. Katharina C. Kähler, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Universitäts-Hautklinik Kiel: "Progressionsangst bei Niedrigrisiko-Melanompatienten".

"Forum Hautkrebs" mit Podiumsdiskussion

Im Anschluss an den 27. Deutschen Hautkrebskongress wurde Patienten, Angehörigen und interessierten Bürgern beim gut besuchten "Forum Hautkrebs" ein Überblick zu den Tagungs-Highlights vorgestellt. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) und der Deutschen Hautkrebsstiftung stellten Experten aus den Fachbereichen der Dermato-Onkologie, Psycho-Onkologie und Palliativmedizin Fragen zu Schutz und Früherkennung von Hautkrebs, zur psychoonkologischen Versorgung von Krebspatienten und palliativen Versorgungskonzepte vor. Bei der anschließenden, von dem SWR-Fernsehjournalisten Dr. Frank Wittig geleiteten Podiumsdiskussion mit Dr. med. Heidrun Mitzel-Rink, Klinik und Poliklinik für Dermatologie M.Sc. (Psych.) Melanie Speiseder, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Dr. med. Marion Ferner, Klinik für Anästhesiologie, alle drei von der Universität Mainz, und Dr. med. Sylvie Haase, Hautärztin aus Konstanz am Bodensee, nutzten viele Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema Hautkrebs direkt an die Experten zu stellen. Selbsthilfegruppen standen zum Informations- und Erfahrungsaustausch für Betroffene und Angehörige zur Verfügung.

Ausblick ADO 2018

Professor Dr. med. Claus Garbe und PD Dr. med. Thomas Eigentler laden zum 28. Deutschen Hautkrebskongress vom 13.-15. September 2018 in das Haus der Wirtschaft nach Stuttgart ein.

Weitere Informationen gibt es unter www.ado-kongress.de.

Hintergrund:

Trotz enormer medizinischer Fortschritte in den letzten Jahren ist Hautkrebs immer noch die häufigste Krebserkrankung mit der größten Steigerungsrate. UV-bedingte Hautschäden, resultierend aus intensiver Sonnenexposition schon in der Kindheit und Jugend, werden dafür mitverantwortlich gemacht, dass sich die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten zehn Jahren in Deutschland auf jährlich mindestens 240.000 verdoppelt hat, wobei die Dunkelziffer von in den Tumorstatistiken nicht dokumentierten Krebsfällen auf ca. das Doppelte dieser Zahl geschätzt wird. An erster Stelle steht das Basalzellkarzinom (weißer Hautkrebs) mit jährlich rund 140.000 Fällen, gefolgt vom Plattenepithelkarzinom mit rund 70.000 Neuerkrankungen und dem malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) mit rund 28.000 Fällen.

Die ADO organisiert Fortbildungsmaßnahmen, um die Qualität der dermato-onkologischen Patientenversorgung in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu verbessern und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. In der Deutschen Krebsgesellschaft erarbeitet die ADO diagnostische und therapeutische Leitlinien zum malignen Melanom, Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom, Merkelzellkarzinom, Kaposi-Sarkom und zu kutanen Lymphomen.

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