Reiche und Mächtige palavern - Arme sterben

Folgen der Klimakatastrophe: Menschen hungern, verdursten, ertrinken, müssen fliehen, kämpfen um Ressourcen

(lifePR) ( Friedrichsdorf, )
 

World Vision forstet in 26 Ländern Wälder wieder auf

Während sich in Glasgow wieder die Mächtigen und Reichen treffen, um über den Klimawandel zu palavern, sterben in den ärmsten Ländern der Welt die Kinder. Allein in den Tagen während der COP26, werden Hundertausende Kinder verhungern. Viele dieser Kinder müssen sterben, weil es auch aufgrund von klimabedingten Katastrophen und Konflikten nichts mehr zu essen gibt. Aktuell hungern rund 811 Millionen Menschen weltweit. Die Weltgemeinschaft hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Hunger in der Welt auszumerzen. Bis zum Jahr 2050 könnten zudem mehr als 200 Millionen Menschen gezwungen sein, ihre Heimatdörfer und -städte zu verlassen.

Die internationale Gemeinschaft hatte zugesagt, den ärmsten Ländern der Welt ab dem Jahr 2020 jedes Jahr 100 Milliarden USD für Klimaschutz- und -anpassung zur Verfügung zu stellen. Dieses Versprechen wurde nicht eingehalten. Zudem ist das Geld nicht für klimabedingte Schäden und Verluste vorgesehen. Nicht nur in den Ländern des Südens, sondern auch in den reichen Industrieländern leiden Menschen immer öfter unter klimabedingten Katastrophen. In Bezug auf CO2 Emissionen erreicht kaum ein Land die vereinbarten Ziele. Zudem sind Anrechnungen und Berechnungen von Klimaschutzmaßnahmen häufig geschönt. Zu 70 % sind fragile Länder vom Klimawandel und dessen Folgen betroffen.

Schon jetzt hat sich die Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um rund 1,2 Grad erhitzt. Einem UN-Bericht zufolge ist derzeit eine Erwärmung um 2,7 Grad bis 2100 im Bereich des Möglichen. Das Klimaabkommen von Paris sieht vor, die Erderwärmung möglichst auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die finanziellen Klima-Anstrengungen verdoppelt werden und die gegebenen Finanzversprechen eingehalten werden. Ekkehard Forberg, Themenmanager bei World Vision Deutschland betont: „Das Tempo der Maßnahmen gibt die Natur vor, nicht wir Menschen. Uns bleibt keine andere Wahl, als Schritt zu halten. Ansonsten werden immer mehr Menschen gezwungen sein, zu fliehen, immer mehr Menschen verhungern, verdursten oder ertrinken aufgrund von Dürren und Überflutungen und die Zahl der durch Ressourcenknappheit ausgelösten Konflikte wird steigen“. Aktuell sind etwa 40 – 60% aller innerstaatlichen bewaffneten Konflikte durch Konflikte über Ressourcen entweder ausgelöst worden oder werden darum geführt. Bis zum Jahr 2050 könnten mehr als 200 Millionen Menschen gezwungen sein, ihre Heimatdörfer zu verlassen.

World Vision forstet inzwischen in 26 Ländern Wälder wieder auf. Allein in Niger konnten mit Hilfe der FMNR-Methode (Farmer Managed Natural Regeneration) etwa 5 Millionen Hektar Wald neu wachsen und verbesserten dadurch die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort. Tony Rinaudo, genannt auch „Der Waldmacher“, entdeckte die Technik in den 80er Jahren in Niger und erhielt 2018 dafür den sogenannten Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award).

Forderungen an die COP26 und die deutsche Bundesregierung:

Die Bundesregierung muss ihre bisherige Klimafinanzierung auf acht Milliarden Euro pro Jahr aus Haushaltsmitteln bis 2025 erhöhen.

Menschen, die durch Klimakatastrophen verursachte Schäden und Verluste erleiden mussten, müssen angemessen entschädigt werden. Zudem muss der Anteil der Mittel für Klimaanpassungsmaßnahmen durch zusätzliche Mittel auf 50% der Gesamtfinanzierung erhöht werden.

Wir fordern die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass die globalen Emissionen bis 2030 halbiert und alle nationalen Klimaschutzpläne (NDCs – nationally determined contribution) sofort aktualisiert und erhöht werden. Dies gilt insbesondere für den europäischen NDC (mindestens 70%), um eine Treibhausgasneutralität bis 2040 anzustreben.

In Bezug auf das Nachhaltigkeits-Ziel 16 der Vereinten Nationen (Schaffung von Frieden, Gerechtigkeit und starken Institutionen) fordert World Vision, dass alles getan wird und entsprechend Vorsorgemaßnahmen getroffen werden, um klimabedingte Konflikte zu vermeiden. Das Thema „Klimawandel“ muss auf die außenpolitische Agenda aller Regierungen gesetzt werden.

Zudem brauchen arme Länder finanzielle und logistische Unterstützung für die Bekämpfung von Hunger und Armut und für die Schaffung resilienter Systeme zur Vorbeugung von Klima -und Gesundheitskatastrophen. Das muss über die üblichen Maßnahmen zur Frühwarnung und vorbeugenden Maßnahmen bei Dürren oder Überschwemmungen hinaus gehen, und sollte auch einhergehen mit Investitionen für die Förderung von agrar-ökologischer Landwirtschaft, regenerativer Wiederaufforstung, sowie für nachhaltige Energieversorgung und mit Investitionen in die Infrastruktur und den Gesundheitssektor.

„Die Weltklimakonferenz in Glasgow ist ein wichtiger Meilenstein“, betont Forberg. „Wir müssen aufhören mit dem Palavern und endlich schnell handeln, damit Kinder auch in den kommenden Jahren noch eine lebenswerte Zukunft auf unserem Planeten haben. Die Weltklimakonferenz in Glasgow ist ein wichtiger Meilenstein, um das Blatt noch zu wenden.“
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