DAS REHAPORTAL ist ein unabhängiges Informations- und Vergleichsportal für Rehabilitationseinrichtungen. Seit Juni 2026 erfasst es in einer großen Studie gemeinsam mit rund 50 Rehakliniken verschiedener Klinikträger aus Deutschland und Österreich sogenannte Patient-Reported Outcome Measures, kurz PROMs, in der psychosomatischen Rehabilitation. Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit Depressionen sowie Angst- und Anpassungsstörungen bewerten dafür ihren Gesundheitszustand und ihre Belastung zu Beginn und am Ende der Rehabilitation. Die Erhebung läuft bis Februar 2027 und wird vom Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse sollen anschließend öffentlich im REHAPORTAL als transparentes und wissenschaftlich fundiertes Qualitäts-Ranking dargestellt. Dies dient den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden als aussagekräftige Grundlage für die Ausübung ihres Wunsch- und Wahlrechts und kann für die Qualitätsentwicklung der einzelnen Kliniken genutzt werden.
Herr Dr. Lengyel, warum beteiligt sich die VITREA Rehaklinik Bad Grönenbach an der PROMs-Erhebung?
Wir sehen darin eine gute Möglichkeit, unsere Behandlungsqualität langfristig weiterzuentwickeln. Neben bestehenden Qualitätsindikatoren ist für uns vor allem die direkte Rückmeldung unserer Rehabilitandinnen und Rehabilitanden wichtig. Durch die systematische Erfassung ihrer persönlichen Einschätzung möchten wir noch besser verstehen, wie unsere Behandlung wahrgenommen wird und welche Effekte sie aus Sicht der Betroffenen erzielt.
Was können PROMs zeigen, was Routinedaten oder die medizinische Dokumentation nicht ausreichend abbilden?
Der wesentliche Mehrwert der PROMs liegt für uns in der unmittelbaren Patientenperspektive. Wir erhalten eine konkrete Rückmeldung dazu, inwieweit unsere Behandlung und das gesamte Behandlungssetting aus Sicht der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden zu Zufriedenheit, einer Verbesserung des Gesundheitszustandes und letztlich zu einem erfolgreichen Rehabilitationsverlauf beitragen.
Routinedaten und die ärztliche beziehungsweise therapeutische Dokumentation bilden viele relevante Aspekte der Behandlung ab, können die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen jedoch nur eingeschränkt erfassen. Gerade diese Perspektive ist für uns ein wichtiger zusätzlicher Baustein, um die Qualität und Wirksamkeit unserer Arbeit umfassend beurteilen zu können.
Wie viele Rehabilitandinnen und Rehabilitanden sollen in Bad Grönenbach teilnehmen?
Insgesamt sollen 100 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in die Erhebung einbezogen werden. Vorgesehen sind 50 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit der Hauptdiagnose Depression sowie weitere 50 mit den Hauptdiagnosen Angststörungen beziehungsweise Anpassungsstörungen.
Was bedeutet die Erhebung organisatorisch für die Klinik?
Der zusätzliche Aufwand hält sich für uns in Grenzen, weil wir bereits mit umfangreichen diagnostischen Testsystemen arbeiten. Viele der benötigten Angaben werden ohnehin erhoben. Ergänzt werden im Wesentlichen einige soziodemografische Daten. Nach aktueller Einschätzung rechnen wir mit einem Erhebungszeitraum von etwa vier bis sechs Monaten. Verantwortet und begleitet wird die Umsetzung durch das Leitungsteam der Klinik gemeinsam mit unserem Kollegen aus der Qualitätssicherung, Dr. Robert Mestel.
Wie wird die Befragung bislang angenommen?
Sowohl von unseren Rehabilitandinnen und Rehabilitanden als auch von den Behandlungsteams wird die Befragung bislang sehr positiv aufgenommen. Die Teilnahmebereitschaft ist erfreulich hoch. Nur wenige Rehabilitandinnen und Rehabilitanden entscheiden sich gegen eine Teilnahme an der Erhebung. Auch innerhalb der Behandlungsteams wird die zusätzliche systematische Erfassung der Patientenperspektive als sinnvoll und hilfreich wahrgenommen.
Welche Erkenntnisse erwarten Sie von der Erhebung?
Wir erwarten vor allem eine zusätzliche, systematisch erhobene Rückmeldung zur Wirksamkeit und Qualität unserer rehabilitativen Behandlung. Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse bestätigen werden, dass sowohl die Rehabilitation insgesamt als auch unser spezifisches therapeutisches Setting für die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden einen hohen Nutzen haben. Gleichzeitig möchten wir die Ergebnisse nutzen, um unsere Therapiequalität weiterzuentwickeln und mögliche Verbesserungspotenziale frühzeitig zu erkennen. Für uns ist die PROMs-Erhebung damit nicht nur eine Bestätigung des bereits Erreichten, sondern auch ein Instrument, um die Qualität unserer Behandlung kontinuierlich weiter zu verbessern.