„Auch bei einer fast vollständig verdeckten Sonne darf die Schutzbrille nicht abgenommen werden. Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren. Betroffene bemerken eine Schädigung deshalb häufig erst später“, sagt Privatdozentin Dr. Felicitas Bucher, Oberärztin an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.
Schäden betreffen die Stelle des schärfsten Sehens
Die Augenlinse bündelt das Sonnenlicht auf der Netzhaut. „Besonders gefährdet ist die Makula, die für das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und das scharfe Sehen zuständig ist“, erklärt Bucher. Intensives Licht kann dort die lichtempfindlichen Zellen schädigen, was als solare Retinopathie bezeichnet wird. Untersuchungen zeigen typische Schäden an den Fotorezeptoren, die sich mit einer optischen Kohärenztomografie darstellen lassen.
Mögliche Beschwerden sind verschwommenes Sehen, ein dunkler Fleck im Zentrum des Gesichtsfeldes, verzerrte Linien, anhaltende Nachbilder und eine veränderte Farbwahrnehmung. Die Beschwerden können sofort, aber auch erst Stunden später auftreten. Wer solche Veränderungen bemerkt, sollte sich zeitnah augenärztlich untersuchen lassen. Bei einer deutlichen Sehverschlechterung ist eine umgehende Untersuchung erforderlich.
Das Sehvermögen kann sich innerhalb von Wochen oder Monaten bessern. Eine vollständige Erholung ist jedoch nicht sicher. „Eine Behandlung, die geschädigte Netzhautzellen zuverlässig wiederherstellt, gibt es bislang leider nicht“, sagt die Freiburger Augenärztin.
Normale Sonnenbrillen, CDs, Rettungsdecken oder selbst gebaute Filter schützen nicht ausreichend. Geeignet sind nur Sonnenfinsternisbrillen nach DIN EN ISO 12312-2. Ferngläser, Teleskope und Kameras benötigen spezielle Filter vor dem Objektiv.