- Deutsches Singspiel von Peter Lund (Text) und Wolfgang Böhmer (Musik)
- Premiere am 13. November 2026 | 19:30 Uhr | Großes Haus
- Wie weit gehst du, um zu überleben?
Am Freitag, dem 13. November 2026, feiert das deutsche Singspiel „Stella. Das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm“ von Peter Lund und Wolfgang Böhmer um 19:30 Uhr Premiere im Großen Haus des Theaters Heilbronn. Regie führt die neue Intendantin Solvejg Bauer, die damit ihre erste Inszenierung am Haus vorstellt.
Das 2016 an der Neuköllner Oper in Berlin uraufgeführte und mit sechs Deutschen Musical Theater Preisen ausgezeichnete Werk erzählt die Geschichte der 1922 geborenen Jüdin Stella Goldschlag. Im Berlin der 1940er-Jahre – geprägt von Swing, Jazz und großen Träumen – will die junge Frau Sängerin werden, bewundert Marlene Dietrich und träumt von einer Karriere am Broadway. Doch mit der nationalsozialistischen Verfolgung zerbricht ihre Welt. Als sie 1943 von der Gestapo verhaftet und gefoltert wird, gerät sie unter existenziellen Druck. Sie beginnt, als sogenannte „Greiferin“ für die Gestapo zu arbeiten und untergetauchte Jüdinnen und Juden aufzuspüren. Menschen, die ihr vertrauen, werden durch sie in die Hände ihrer Verfolger ausgeliefert.
Für diese verstörende Lebensgeschichte haben die Autoren eine ungewöhnliche Form gewählt: ein deutsches Singspiel, dessen eigens komponierte Musik sich der Klangwelten von Swing, Chanson und Schlager der 1920er- bis 1940er-Jahre bedient. Wolfgang Böhmer schafft damit eine musikalische Welt voller Leichtigkeit, Lebenslust und Verführung, die in scharfem Kontrast zu den Schrecken der erzählten Geschichte steht. Die Musik entfaltet einen mitreißenden Sog und macht gerade durch den Gegensatz zwischen Unterhaltung und menschlichen Abgründen die besondere Spannung des Werkes erfahrbar. In Heilbronn wird die Partitur von einer hochkarätig besetzten Live-Band unter der musikalischen Leitung von Ulrich Cornelius Maier interpretiert.
In ihrer Heilbronner Inszenierung rückt Solvejg Bauer die Widersprüche dieser Lebensgeschichte in den Mittelpunkt. Im Zentrum steht der existenzielle Druck, unter dem Stella Goldschlag handelte: Verfolgung, Folter und unmittelbare Bedrohung. Die Inszenierung fragt, welche Handlungsmöglichkeiten in einer solchen Lage bleiben – und was Überleben unter diesen Bedingungen bedeutet. Damit fügt sich „Stella“ in das Spielzeitmotto „Facing the Monster“ ein: Das Monströse begegnet uns nicht immer in eindeutiger Gestalt. Manchmal liegt es gerade dort, wo wir es am wenigsten vermuten – und stellt unsere eigenen moralischen Gewissheiten infrage.
„Wie weit gehst du, um zu überleben?“ Diese Frage steht über einem Musiktheaterabend, der mitreißende Unterhaltung mit einer zutiefst verstörenden Geschichte verbindet und sein Publikum mit Fragen konfrontiert, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
Kreativteam & Mitwirkende
Musikalische Leitung: Ulrich Cornelius Maier
Regie: Solvejg Bauer
Ausstattung: Anna Brandstätter
Choreografie: Mariana Souza
Licht: Niko Bock
Dramaturgie: Sophie Friedrichs
Musikalische Kooperation: Heilbronner Sinfonie Orchester
Besetzung: Felicitas Wrede (Stella Goldschlag), Björn Christian Kuhn (Vater Goldschlag), Timo Stacey (Friedhelm Schellenberg), Matthias Graf (Walter Dobberke), Gabriel Kemmether (Samson Schönhaus), Alex Irrgang (Rolf Isaaksohn), Melanie Oster (Yvonne & Dance Captain), Kurt Kuhfeld (Gerichtsdiener, Richter, Reporter u. a.)