Freitag, 15. Dezember 2017


Landsmannschaftlich-kulturelle Traditionen erhalten

„Land und Leute – sudetendeutsche Vielfalt"

Stuttgart, (lifePR) - Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden mehr als drei Millionen Sudetendeutsche aus ihrer Heimat vertrieben. Trotz dem schweren Schicksal, die Heimat verloren zu haben und nicht wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen, verloren die Sudetendeutschen nicht den Mut, packten in ihrer neuen Heimat mit an und organisierten sich in Verbänden und Heimatgliederungen. Bei einem Tag unter dem Motto „Land und Leute – sudetendeutsche Vielfalt, Mundart(auch schwäbisch), Gedichte und Gesang“ im „Haus der Heimat“ in Stuttgart, stellten am vergangenen Wochenende verschiedene Heimatgliederungen ihre Arbeit vor, mit der die Gruppen Geschichte und Kultur der jeweiligen Region des Sudetenlandes pflegen.
Kreisobfrau Waltraud Illner von der Kreisgruppe Stuttgart der Sudetendeutschen Landsmannschaft, konnte sich bei dieser Veranstaltung über zahlreichen Besuch im „Haus der Heimat“ freuen, unter dem sie auch prominente Gäste wie die Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Baden-Württemberg, die CDU-Bundestagsabgeordnete, Stadträtin Iris Ripsam, den Sprecher der Südmährer, Franz Longin, die Bundesfrauenreferentin der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Gerda Ott sowie den Landeskulturreferenten der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Albert Reich, begrüßen konnte. Bei Kaffee und Kuchen an herbstlich dekorierten Tischen und musikalisch umrahmt von Emil Heinrich, der am Klavier Lieder aus der sudetendeutschen Heimat begleitete, erlebten die zahlreichen Besucher im „Haus der Heimat“ einen gemütlichen sudetendeutschen Nachmittag. War es zunächst Albert Reich, der in einem Grußwort als Landeskulturreferent der Sudetendeutschen den Erhalt der landsmannschaftlich-kulturellen Traditionen in unserem Land anmahnte, ging der Vorsitzende des Sudetendeutschen Heimatrates, Franz Longin, in seiner Ansprache auf die politische Dimension der Änderung der Satzung der Sudetendeutschen Landsmannschaft ein, für die der Südmährer wenig Begeisterung zeigt. So habe man mit der Veränderung der Satzung nicht nur Differenzen innerhalb der Landsmannschaft gesät, es sei überhaupt fraglich und müsse abgewartet werden, ob die Neuformulierung der Satzung, mit der die Sudetendeutsche Landsmannschaft zeitgemäßer erscheinen wolle, am Ende Früchte tragen werde. Als Mitglied des Bundesvorstandes der Sudetendeutschen machte Longin aber auch auf die kommenden Herausforderungen der Landsmannschaft aufmerksam, die aufgrund der Mitgliederentwicklung, Zentralisierungen und Rationalisierungen ins Haus stünden.
Bei den Kurzberichten über die Heimatgliederungen, war es dann
Alfred Neugebauer aus Stuttgart-Weilimdorf, der mit der „Altvater Runde Stuttgart“ die erste Heimatgliederung der Sudetendeutschen vorstellte. So treffen sich Heimatvertriebene aus dem „Altvatergebirge“ aber auch solche, die sich mit dieser Region verbunden fühlen, einmal im Monat im Stuttgarter „Haus der Heimat“, wo mit Texten, Gedichten, Reiseberichten und auch Vorträgen, die Kultur der Region um den „Altvater“ gepflegt wird.
Die „Böhmerwaldgruppe Stuttgart“ unter der Leitung von Friedrich Grübl aus Stuttgart-Bad Cannstatt, präsentierte zusammen mit dem Chor der „Böhmerwaldgruppe Bietigheim-Bissingen“ Lieder und Gedichte in Mundart aus der heimatlichen Region, während Harald Wenig von der „Egerländer Gmoi Stuttgart“ sehr viel über die Geschichte des Egerlandes und seiner Trachten zu erzählen wusste. Mit einem reichbebilderten „Spaziergang durch Reichenberg gestern und heute“, stellte dann Urd Rothe vom „Heimatkreis Reichenberg Stadt und Land e.V.“, auf bezaubernde Weise die Geschichte und die Schönheit der nordböhmischen Stadt vor, in der sich der Heimatkreis auch stets bei den „Deutsch-Tschechischen Kulturtagen“ miteinbringt. Schließlich waren es dann noch Franz Longin, Adelheid Bender-Klein und Wolfgang Daberger vom „Südmährerbund e.V.“, die ihre Heimatgliederung vorstellten aber ihre Vorträge auf die Verbandsarbeit in Gegenwart und Zukunft ausrichteten. Dabei stellte Adelheid Bender-Klein den „Treffpunkt Südmähren“ in Geislingen/Steige vor, mit dessen Ausstellung die nachfolgende bzw. Enkelgeneration interessiert werden soll und mit einem pädagogischen Angebot auch Schülergruppen die Geschichte um Südmähren nähergebracht wird. Wolfgang Daberger ergänzte noch mit Informationen über die Aktivitäten der „ Jungen und Mittleren Generation Südmähren (JMG Südmähren)“ und Franz Longin als Vorsitzender des Südmährerbund e.V. beschloss die Vorstellung der Heimatgliederung mit einer Buchpräsentation, mit der die Geschichte der Vertreibung der Deutschen aus Südmähren 1945-1946 mit Vertreibungsberichten von Zeitzeugen dokumentiert werden.

Helmut Heisig
-SL-Stuttgart –

Fototext:
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Unter dem Motto „Land und Leute – sudetendeutsche Vielfalt Mundart (auch schwäbisch), Gedichte und Gesang“, traf sich die Kreisgruppe Stuttgart der Sudetendeutschen Landsmannschaft am 30. September 2017 im „Haus der Heimat“ in Stuttgart.
Die Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Baden-Württemberg, CDU-Bundestagsabgeordnete, Stadträtin Iris Ripsam (hintere Reihe,4.von links) im Kreise der teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Heimatgliederungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
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Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesgruppe e. V

Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Wir vertreten die im Land Baden-Württemberg wohnenden Sudetendeutschen.

Die Nachfahren jener Deutschen, die vor mehr als 800 Jahren in den sogenannten "Böhmischen Ländern", nämlich in Böhmen, Mähren und dem südlichen Teil Schlesiens (diese Länder bilden heute die "Tschechische Republik") ansässig geworden sind, wurden in diesem Jahrhundert unter dem Sammelnamen "Sudetendeutsche" bekannt.

1945/46 wurden 3,2 Millionen von den insgesamt 3,5 Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Eigentum wurde entschädigungslos konfisziert. Konfiskation und Vertreibung waren begleitet von blutigen Exzessen. Grundlage dieser gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßenden "ethnischen Säuberung" bildeten Dekrete, die vom damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš erlassen worden waren und die heute noch gültig sind.

Rund 600 000 dieser vertriebenen Sudetendeutschen kamen nach Baden-Württemberg, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten und in das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben eingegliedert wurden. Sie fanden sich in zahlreichen Vereinigungen zusammen, deren Grundlage ganz verschiedenartig war: Herkunftsgebiete, politische oder kulturelle Interessen, Freizeitgestaltung, berufliche Gemeinsamkeiten und manches mehr.

Jeder 15. Einwohner Baden-Württembergs ist Sudetendeutscher. Heute gibt es in Europa und Übersee insgesamt rund 3,8 Millionen Sudetendeutsche. Rund 600 000 von ihnen kamen im Zuge der Vertreibung aus ihrer Heimat nach dem 2.Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung trugen sie in der Nachkriegszeit zum Wiederaufbau des Landes bei. Durch ihre Stimmabgabe bei der Volksabstimmung 1952 waren sie wesentlich am Zustandekommen des "Südweststaates" beteiligt. Die für Baden-Württemberg kennzeichnende Ausgewogenheit zwischen großen Weltfirmen, Mittel- und Kleinbetrieben hat die wirtschaftliche Eingliederung der Sudetendeutschen und die Gründung neuer Werke und Fabriken durch sudetendeutsche Unternehmer in besonderem Maße erleichtert. Stellvertretend dafür seien genannt die Autofirma Porsche in Stuttgart, die Wiesenthal-Glashütte in Schwäbisch Gmünd, die Aluminium-Hütte Grohmann in Bisingen,die Maschinenfabrik Panhans in Sigmaringen, die Papierwerke Zechel in Reilingen,das Pharmawerk Merckle in Blaubeuren, dazu zahlreiche weitere mittlere und kleinere Betriebe.

27 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs übernahmen Patenschaften über sudetendeutsche Kreise, Gemeinden und Landschaften. Insgesamt 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen - wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen, Heimatstuben - wurden durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut.

Aus dem kulturellen Leben des Landes sind manche Namen von Sudetendeutschen nicht mehr wegzudenken, wie z. B. der Bildhauer Prof. Otto H. Hajek, die Tänzerin Birgit Keil, die Komponisten Karl-Michael Komma und Widmar Hader, der weltbekannte Posaunist Armin Rosin, die Dirigenten Wolfgang G. Hofmann und Emmerich Smola, die Malerin Traude Teodorescu-Klein oder der Dichter und Schriftsteller Josef Mühlberger - um nur einige wenige stellvertretend zu nennen.

Das Sudetenland im Vergleich zur Fläche einzelner deutscher Bundesländer

Bayern 70550 km2
Baden-Württemberg 35750 km2
Sudetenland 26500 km2
Hessen 21100 km2
Schleswig-Holstein 15700 km2
Saarland 2600 km2

Die kulturelle Verflechtung der Sudetendeutschen mit den übrigen deutschen Ländern und Landschaften ist seit Jahrhunderten eng und vielgestaltig.

Beispiele sind: Der schwäbische Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der im 14. Jahrhundert u. a. den Veitsdom in Prag erbaute, oder der aus dem Egerland kommende Barockbaumeister Balthasar Neumann, der nicht nur die Würzburger Residenz, sondern z. B. auch berühmte Treppenhäuser in Brühl und Bruchsal schuf. Auch andere Namen, herausgegriffen aus einer großen Zahl, beweisen den lebendigen Anteil, den die Deutschen aus den böhmischen Ländern am geistigen Leben des gesamten deutschen Volkes hatten und haben: Der Komponist Johann Wenzel Stamitz aus Deutsch-Brod beispielsweise, der später in Mannheim wirkte, Vinzenz Prießnitz und Johann Schroth, die großen Naturheiler, der Brünner Abt Gregor Mendel, dessen Vererbungslehre zur Grundlage moderner Genetik wurde, die Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, die Dichter Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, die Maler Alfred Kubin oder Ferdinand Staeger, aber auch die Bamberger Symphoniker, die nach der Vertreibung aus den "Prager Deutschen Philharmonikern" hervorgegangen waren, oder auch der Schriftsteller Otfried Preußler aus Reichenberg, dessen "Räuber Hotzenplotz" und "Kleine Hexe" heute Millionen Kinder und Erwachsene erfreuen.

Die Organisationen der Sudetendeutschen spiegeln in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit das Leben und die Interessen der Angehörigen dieser Volksgruppe wider. Im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich gibt es sudetendeutsche Zusammenschlüsse, aber auch auf Generationsebene und im Bereich der Freizeitgestaltung.

In Baden-Württemberg gibt es heute 27 größere sudetendeutsche Vereinigungen, von denen viele noch Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene haben.

Mehrere sudetendeutsche Zeitschriften werden in Baden-Württemberg herausgegeben, ebenso haben verschiedene sudetendeutsche Stiftungen, Institute und Gesellschaften ihren Sitz in diesem Lande.

Die Sudetendeutschen im Vergleich zur Einwohnerzahl verschiedener Staaten

Norwegen 4,1 Mio
Sudetendeutsche 3,8 Mio
Irland 3,3 Mio
Albanien 2,7 Mio
Luxemburg 0,36 Mio
Island 0,23 Mio

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