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Titel: Der Bahnreiseführer - Deutschland aus der Fahrgastperspektive

Untertitel: Alle Fernverkehrsstrecken im kompakten Überblick

(lifePR) (Hamburg, )
Welcher Fluss ist das? Gehören diese Hügel zum Taunus - oder zum Westerwald? Und in welchem Bundesland sind wir überhaupt?

Reizvolle Landschaften, bemerkenswerte Orte und Gebäude säumen viele Bahnstrecken. Dieser kompakte Reiseführer beschreibt den Streckenverlauf aller deutschen Fernverkehrsstrecken und erläutert interessante Aspekte aus Geografie, Geschichte, Politik und Wirtschaft. Kartenausschnitte und Fotos sowie Entfernungsangaben machen den Bahnreiseführer zu einem hilfreichen Begleiter für alle Eisenbahnreisenden, die wissen wollen, was denn da am Zugfenster vorbeizieht.

"Erfahren" Sie Deutschland und die Vielfalt von Landschaften, Kultur und Geschichte(n) zwischen Sylt und der Zugspitze auf insgesamt etwa 12 000 Streckenkilometern.

Hinweise zur Benutzung
Die Streckenbeschreibungen bestehen in der Regel aus zwei Teilen für die Hin- und Rückfahrt. Diese Teile haben einen unterschiedlichen Inhalt, sodass es auch bei der Rückfahrt Neues zu entdecken gibt.

An Umsteigebahnhöfen sowie Streckenkreuzungen und Abzweigen findet sich in eckigen Klammern ein Verweis auf weiterführende Strecken, sodass das nächste Kapitel für die Weiterfahrt schnell aufzufinden ist.

Um Wiederholungen zu vermeiden, sind Sehenswürdigkeiten jeweils nur in einem Kapitel genannt. Bei der Fahrt durch Städte mit kreuzenden Bahnlinien lohnt deshalb mitunter auch ein Blick in die anderen Kapitel.

1 Westerland - Elmshorn
über Niebüll, Husum, Itzehoe
Marschbahn

Die Strecke von Sylt nach Hamburg bietet den Reisenden zwei besondere Attraktionen: die Fahrt über den Hindenburgdamm und die Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals. Der Hindenburgdamm verbindet die größte nordfriesische Insel seit 1927 mit dem Festland. Er ist nach dem damaligen Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg benannt und führt mitten durch den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Charakteristisch für das Wattenmeer ist der ständige Wechsel der Gezeiten. So kann die Rückfahrt über den Damm einige Stunden nach der Hinfahrt einen völlig anderen Eindruck dieses außergewöhnlichen Lebensraums bieten. Auf Grund der Rotation von Erde und Mond gibt es zweimal täglich Ebbe und Flut, der Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser dauert etwa 6 Stunden. Der Artenreichtum des Ökosystems Wattenmeer kann es fast mit den tropischen Regenwäldern aufnehmen, wobei die Biomasse des Watts sogar die Urwälder übertrifft. Von Paul von Hindenburg geht es dann in der Geschichte weiter zurück zu Kaiser Wilhelm II., der 1895 den damaligen "Kaiser-Wilhelm-Kanal" eröffnete. Seit 1948 trägt der Kanal den Namen Nord-Ostsee-Kanal und ist heute die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Rund 40 000 Schiffe befahren jährlich den Kanal und ersparen sich so die Umrundung Dänemarks. Weite Teile der Strecke verlaufen durch das Marschland, das für nordwestdeutsche Küsten typische Flachland. Deiche schützen dieses Schwemmland, das teilweise sogar unter dem Meeresspiegel liegt. Das Gebiet ist sehr fruchtbar, muss aber künstlich entwässert werden, da es sonst versumpfen würde. Zu diesem Entwässerungssystem gehören auch die vielen Gräben, die die Landschaft durchziehen und die Bahnfahrt durch die Marsch begleiten.

Westerland - Elmshorn

Nach dem Start in Westerland, der nördlichsten Stadt Deutschlands, führt die Strecke durch den Ostteil von Sylt. Bei Keitum erblicken Sie links am Horizont die Kirche St. Severin. Die romanische Kirche wurde 1240 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt später ihren spätgotischen Turm, der auch als Seezeichen und Gefängnis diente. Der Name St. Severin geht auf einen Bischof von Köln zurück und soll an Missionare aus dem Rheinland erinnern, die auf Sylt tätig waren. Zwischen Keitum und Morsum ist links in der Ferne schon das

Wattenmeer zu erahnen und bald darauf beginnt die Fahrt über den elf Kilometer langen Hindenburgdamm. Erster Festlandbahnhof ist Klanxbüll, anschließend kommen Sie nach Niebüll, wo die Autozüge von Sylt enden. Neben zahlreichen Entwässerungsgräben führt die Strecke bis Husum zunächst über die nordfriesischen Flüsse Lecker Au und Schomer Au und dann über die Arlau. Sie durchfahren dabei mehrere Harden, das sind historisch gewachsene Verwaltungsbezirke, deren Namen heute noch für Landschaften stehen. Vor Husum passieren Sie Hattstedt, wo rechts der Turm der Marienkirche grüßt. Auf der Südseite ist die erhöht gelegene Kirche leuchtend weiß gestrichen und weist so seit dem 13. Jahrhundert den Seefahrern den Weg. Kurz darauf führt die Strecke in Husum auf einer Klappbrücke durch den Hafen. Rechts liegt der Außenhafen mit den großen Hafensilos. Der Hafen ist tideabhängig und wird hauptsächlich zum Umschlag landwirtschaftlicher Güter und für die Fischkutterflotte genutzt. Links bietet sich Ihnen eine kurzer Blick auf den Binnenhafen. Bei Friedrichstadt begleitet Sie anschließend für einen kurzes Stück auf der linken Seite der Fluss Treene. Die Treene kommt aus einem See südlich von Flensburg nahe der Ostsee und fließt quer durch Schleswig-Holstein, bis sie hier bei Friedrichstadt in die Eider mündet, die Sie kurz darauf überqueren. Prägend für Nordfriesland sind auch die reetgedeckten Häuser, die vor den Fenstern der Marschbahn vorbeiziehen. Die Dächer aus Schilfrohr gehören zu den ältesten bekannten Dacheindeckungen und wirken ausgleichend auf Hitze und Kälte. Das Wahrzeichen der nächsten Stadt Heide ist der Wasserturm, den Sie im Ort rechts sehen. Der 45 Meter hohe Turm wurde 1903 fertiggestellt. Nachdem eine Typhusepidemie den Ort heimgesucht hatte, löste der Turm die alte Brunnenversorgung ab. Heute dient der Turmkopf als Trauzimmer. Heiraten können Sie übrigens auch in der Aurora-Mühle, die etwas später nach der Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals links unter der Hochbrücke zu sehen ist. Bis 1960 wurde in der Holländerwindmühle noch Weizenmehl gemahlen. Auf der rechten Seite eröffnet sich Ihnen von der Brücke eine weite Sicht über die Wilstermarsch. Das Flachland erstreckt sich bis zur Elbe und liegt teilweise sogar unter dem Meeresspiegel. Hinter Itzehoe, wo Sie den Binnenhafen am Fluss Stöhr passieren, schließt sich nun die Fahrt durch die Krempermarsch an. Die Strecke macht jetzt einen großen Schlenker nach Glückstadt und erreicht dann Elmshorn [Weiterfahrt Richtung Kiel, Flensburg oder Hamburg Nr. 2].

Elmshorn - Westerland

Von Elmshorn führt die Strecke zunächst nach Glückstadt an der Unterelbe. Die Stadt wurde von Christian IV., König von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein, am 22. März 1617 als strategischer Gegenpol zu Hamburg gegründet. Der Name der auf dem Reißbrett entworfenen Stadt geht laut Überlieferung ebenfalls auf den König zurück, dem der Ausspruch "Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten" zugeschrieben wird. Weiter führt die Strecke nach Itzehoe, wo Sie rechts die Laurentii-Kirche erblicken. Der barocke Bau wurde 1718 vollendet und steht an der Stelle einer alten gotischen Kirche, die im schwedisch-polnischen Krieg zerstört wurde. Hinter Wilster beginnt nun schon bald die Rampe zur Auffahrt auf die 56 Meter hohe Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal. Die Hochbrücke Hochdonn ist über 2 Kilometer lang und bietet beiderseits der Strecke einen imposanten Blick über die Marsch und den Schiffsverkehr. Meldorf, einer der nächsten Orte, ist bekannt für seinen "Dom", bei dem es sich um die St.-Johannis-Kirche handelt, die Sie links sehen können. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut und gilt als eines der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenbauwerke der Region. Den Titel Dom verdankt die Kirche allein ihrer Größe, sie war nie ein echter Dom im Sinne eines Bischofssitzes. Mittlerweile fahren Sie nun durch Dithmarschen. Die Landschaft ist zum einen geprägt durch das flache Marschland, aber auch durch die höhergelegenen Ausläufer der Geest. Während in der fruchtbaren Marsch hauptsächlich Ackerbau betrieben wird, ist auf den Geestflächen eher die Weidehaltung von Kühen und Schafen zu beobachten. Links sind nun in der Ferne die Raffinerieanlagen von Hemmingstedt zu entdecken. Ursprünglich gab es hier ein Ölfeld, das jedoch inzwischen versiegt ist. In den Anlagen wird seither importiertes Öl sowie Öl von der Mitelplate, einem deutschen Ölfeld im Wattenmeer, verarbeitet. Zwischen Heide und Friedrichstadt passieren Sie den Ort Lunden, wo Sie links einer Kirche aus dem 12. Jahrhundert gewahr werden, die wiederum dem heiligen Laurentius geweiht ist. Friedrichstadt wurde nach dem Vorbild Glückstadts geplant und verdankt seinen Namen dem Stadtgründer Friedrich III., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf. Es folgt nun die "graue Stadt am Meer", wie Theodor Storm seine Vaterstadt Husum nannte. Wie viele andere Städte Nordfrieslands ist auch die Geschichte Husums eng mit dem Königreich Dänemark verbunden. Neben Dänisch ist auch Friesisch eine der Landessprachen. Dies ist auch an den Bahnhofsschildern abzulesen, etwa in Niebüll, wo auch der friesische Name Naibel angeschrieben ist. Hier zweigt eine Nebenstrecke zur Mole nach Dagebüll ab, von wo aus die Inseln Föhr und Amrum zu erreichen sind. Sie fahren nun durch die Kooglandschaft zum Hindenburgdamm. Als Koog wird das durch Deichbau und Entwässerung dem Meer abgetrotzte Land bezeichnet. Nach der Fahrt durch das Wattenmeer und die Heideflächen Sylts begrüßt Sie in Westerland links vorn die Stadtkirche St. Nikolai. Im Gegensatz zu den anderen Kirchen an der Strecke ist sie sehr jung und wurde erst 1908 eingeweiht, nachdem die alte Kirche dem Bevölkerungswachstum und dem Ansturm der Kurgäste nicht mehr gewachsen war.

Streckendetails:
KBS 130 (Westerland-Elmshorn)
Westerland-Itzehoe nicht elektrifiziert, Itzehoe-Elmshorn elektrifiziert, zwischen Westerland und Husum wechselnd ein- und zweigleisig, dann zweigleisig.
Gesamt 207 km
Elmshorn 34 km Itzehoe 60 km Heide 34 km Husum 40 km Niebüll 39 km Westerland
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