„Wir trauern um diese Frau. Es ist schlimm, wenn wir erleben, dass unsere Hilfe nicht ausreicht“, sagt Marina Nobiling, Leiterin der nationalen Projekte bei Samaritan’s Purse. „Es fehlt die Anteilnahme am Schicksal der ausgebeuteten Frauen in der Straßenprostitution.“
Der ungewöhnlich kalte und lange Winter stellt für Frauen in der Prostitution eine massive zusätzliche Gefahr dar. Viele sind gezwungen, täglich Geld zu verdienen – sei es, um Zuhälter zu bezahlen, Drogen zu finanzieren, Schulden zu bedienen oder ihre Familien zu versorgen. Auch bei eisigen Temperaturen stehen sie auf der Straße. Im Umfeld der Kurfürstenstraße gibt es derzeit zu wenige niedrigschwellige Notunterkünfte für Frauen.
Alabaster Jar und andere Organisationen versuchen, die schlimmste Not zu lindern: Sie verteilen Schlafsäcke, Winterkleidung und Handwärmer, bieten warme Getränke, Gebet, Gesprächsangebote, die Begleitung bei Arzt- und Behördenterminen und Unterstützung beim Ausstieg aus der Prostitution.
Doch all das kann ein fehlgeleitetes gesellschaftliches Denkmodell in der Gesellschaft nicht kompensieren, das Prostitution als normale Arbeit einordnet.
„Der Tod dieser Frau zeigt auf tragische Weise, dass punktuelle Hilfe allein nicht genügt“, so Nobiling weiter. „Es braucht eine Politik, die die Lage dieser Frauen nicht länger beschönigt, die Ausbeutung entschieden bekämpft und echte Perspektiven eröffnet. Wir glauben, dass Gott jeden Menschen liebt und sieht. Eine Gesellschaft, die sich an einem christlichen Menschenbild orientiert, kann nicht akzeptieren, dass Frauen als Objekte missbraucht werden und ihre Würde mit Füßen getreten wird.“
Samaritan’s Purse bittet um Gebet für alle Frauen, die sich aktuell in ähnlichen Notlagen befinden. Gleichzeitig ruft die Organisation zu Spenden auf – sowohl finanziell als auch in Form von Winteraccessoires, Schlafsäcken und Handwärmern –, um in den kommenden Wochen weitere Frauen schützen zu können.
Hintergrund
Auch in Deutschland sind Menschenhandel und Zwangsprostitution Realität. Hunderttausende Frauen sind gefangen in der Sexindustrie. Gewalt, Abhängigkeit und Isolation prägen ihren Alltag. Ein Großteil der Betroffenen wünscht sich einen Ausstieg, scheitert jedoch an Angst, fehlenden Papieren, Schulden und an einem zerstörten Selbstwertgefühl.
Samaritan’s Purse engagiert sich mit dem Projekt Alabaster Jar in Berlin für Frauen in Zwangsprostitution und akuter Not. Ziel der Arbeit ist neben praktischer Unterstützung und Ausstiegshilfe die Vermittlung eines neuen Selbstbildes als von Gott geliebter Mensch.