An der Veranstaltung beteiligten sich neben dem Reisenetz Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen der Jugendreisewirtschaft.
„Kinder- und Jugendreisen sind ein eigenständiges Segment mit besonderen Anforderungen. Für Destinationen liegt die Chance vor allem darin, vorhandene Angebote sichtbar zu machen, regionale Partner zu vernetzen und verlässliche Ansprechstrukturen zu schaffen“, erklärt Anne Riediger vom Reisenetz.
Ein Markt mit großem Potenzial
Kinder- und Jugendreisen beleben Destinationen auch außerhalb klassischer Ferienzeiten. Nach den im Impuls vorgestellten Daten gibt es deutschlandweit etwa 3.000 bis 4.000 aktive Jugendunterkünfte mit jährlich etwa fünf Millionen Gästen und rund elf Millionen Übernachtungen.
Für Klassenfahrten ergeben sich unter anderem Potenziale – außerhalb der Sommerferien – in den Zeiträumen zwischen Oster- und Herbstferien, und zwar von montags bis freitags. Kinder- und Jugendreisen finden dagegen in den Schulferien statt und können dadurch eine Ergänzung zu anderen touristischen Angeboten bilden. Von den jungen Gästen profitieren neben den Unterkünften auch Verkehrsunternehmen, Museen, Freizeiteinrichtungen, Anbieter erlebnispädagogischer Programme und weitere regionale Leistungsträger.
Anforderungen aus drei Perspektiven
Im Online-Impuls wurden die unterschiedlichen Perspektiven des Marktes zusammengeführt.
Cathleen Kassun (Alpetour Touristische GmbH) stellte den Bereich Klassenfahrten vor und zeigte am Beispiel einer fünftägigen Fahrt, wie Unterkünfte, Transfers, kulturelle Angebote und Freizeitaktivitäten zu einem attraktiven Programm kombiniert werden können.
Die Veranstalterperspektive beleuchtete Gesa Sellmann (BLSV Sportcamp Regen). Kinder- und Jugendreiseveranstalter achten bei der Auswahl einer Region unter anderem auf jugendgerechte Unterkünfte, Sport- und Freizeiteinrichtungen, kulturelle Angebote, attraktive Ausflugsziele, gute Erreichbarkeit und Sicherheit.
Aus Sicht einer Jugendunterkunft ist außerdem entscheidend, die eigenen Zielgruppen und deren Bedarfe genau zu kennen und das Angebot darauf auszurichten. „Jugendreisen sind anspruchsvoll und haben sehr genaue Anforderungen“, so Andreas Parl (BLSV Sportcamp Regen). „Wer diesen Markt lediglich als Lückenfüller betrachtet, wird sein Potenzial nicht ausschöpfen. Erfolgreich ist, wer sich professionell mit seinen Zielgruppen auseinandersetzt und die eigenen Stärken mit den Strukturen vor Ort verbindet.“
Drei Hebel für erfolgreiche Destinationen
Ralf Olk (European Youth Card / Jugendkarte.de) stellte drei zentrale Ansatzpunkte für Destinationsmanagement-Organisationen vor:
- Angebote und Informationen für Kinder- und Jugendreisen sichtbar und auffindbar machen.
- Feste Ansprechpartner für Veranstalter, Unterkünfte und regionale Anbieter schaffen.
- Regionale Akteure vernetzen und Kooperationen fördern.
„Kinder- und Jugendreisen sind kein Nischenmarkt, sondern ein strategisches Zukunftsfeld für Destinationen. Regionen, die ihre Angebote sichtbar machen und die Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern, Unterkünften und Freizeitanbietern fördern, schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und eine stärkere touristische Auslastung über das gesamte Jahr hinweg“, sagt Anne Riediger vom Reisenetz.
Die Aufzeichnung des Online-Impulses ist ab sofort auf der Website des Reisenetzes verfügbar: www.reisenetz.org/how-to-kinder-und-jugendreisen-dmo
Vertiefung auf dem Jugendreise-Kongress
Eine Vertiefung des Themas bietet der Jugendreise-Kongress am 18. November 2026 in Berlin. Der Workshop „Potenziale von Destinationen für neue Segmente“ richtet sich an Destinationsmanagement-Organisationen, die die „neue“ Zielgruppe Klassen, Jahrgänge und ganze Schulen aus den umliegenden Quellmärkten als touristische Kunden gewinnen wollen. Darüber hinaus werden Potenziale analysiert und konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit spezialisierten Klassenfahrtenveranstaltern vorgestellt.
Kongress-Tickets für erstmalig Teilnehmende gibt es ab 149 EUR unter www.jugendreise-kongress.de