Arnold war nie jemand, der sich mit dem Bestehenden zufriedengab. Aus einem Schlüsselmoment auf einer Autobahnraststätte – als er einem querschnittsgelähmten Mann beim Einsteigen half – entstand eine Vision, die Mobilität neu definierte: barrierefrei, digital, mutig.
Vom Garagenbetrieb zur globalen Mobilitätslösung
Mit großer Konsequenz und unternehmerischem Mut begann Roland Arnold 1998 individuelle Fahrzeugumbauten für Menschen mit Behinderung zu entwickeln, gründete 2005 die Paravan GmbH und schuf bereits 2003 mit der weltweit ersten Straßenzulassung für ein Drive-by-Wire-System einen Meilenstein.
Sein „Space Drive“-System – ein elektronisches Fahr- und Lenksystem ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkeinheit und Lenkgetriebe – wurde 2005 patentiert und mit TÜV-Zulassung auf die Straße gebracht. Es ermöglicht nicht nur Menschen mit schwersten Einschränkungen das Autofahren, sondern gilt heute als Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren. Tatsächlich sind Menschen mit Behinderung damit bereits heute auf öffentlichen Straßen mit genau jener Technologie unterwegs, die künftig für hochautomatisiertes und autonomes Fahren auf Level 5 erforderlich ist. Namhafte OEMs nutzen die Paravan-Technologie zur Erprobung autonomer Fahrfunktionen unter realen Bedingungen – sicher, ausfallsicher und industriebewährt.
Space Drive – Schlüsseltechnologie für autonomes Fahren und Familienprojekt
2013 steigt die Würth-Gruppe bei Paravan ein. Für Roland Arnold beginnt eine entscheidende Phase, in der er die Weiterentwicklung von Space Drive II konsequent vorantreibt – und immer deutlicher wird, dass hier eine Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren entsteht: Das neue System ist dreifach redundant, „fail-operational“ und erfüllt als erstes Drive-by-Wire-System weltweit die Zulassungen nach ECE R10, R13 und R79 – ein entscheidender Schritt hin zur Industrialisierung. 2018 übernimmt Arnold die Unternehmensanteile zurück und gründet gemeinsam mit Schaeffler das Joint Venture „Schaeffler Paravan Technologie GmbH & Co. KG“. Ziel ist die industrielle Serienfertigung der Lenkung für den autonomen Fahrzeugbau. Doch nach intensiver Zusammenarbeit endet das Projekt – die Vision scheitert letztlich am Konzernapparat.
Auch der Rennsport wird zur Teststrecke: Roland Arnold setzt sich zweitweise selbst ins Cockpit, bringt Space Drive unter anderem in die DTM und zum 24-Stunden-Rennen auf den Nürburgring. Dort testet er unter Extrembedingungen und sammelt wichtige Daten für die Weiterentwicklung der Technologie.
Rund zwei Milliarden Kilometer wurden mit Space Drive bereits weltweit zurückgelegt. Für viele Fahrerinnen und Fahrer bedeutet das: Selbstbestimmtes Autofahren trotz schwerer Behinderung. Gleichzeitig ist die Technologie zur Grundlage und Schlüsseltechnologie für autonomes Fahren geworden. Mit seiner Stiftung, der Roland und Martina Arnold Paravan Stiftung engagiert sich Arnold gemeinsam mit seiner Frau Martina zudem für Familien mit behinderten Kindern.
Und die Geschichte geht weiter: Seit 2021 führen Arnolds Söhne Kevin und Luca mit dem Start-up „Arnold NextG“ die Idee fort. Mit dem System „NX Next Motion“ entwickeln sie eine neue, eigenständige Generation von Drive-by-Wire-Technologie – leicht, agil, digital und selbstverständlich straßenzugelassen.
Für seine Leistungen wurde Roland Arnold vielfach ausgezeichnet: Mit der Rudolf-Diesel-Medaille (2021), dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg (2025), der Wirtschaftsmedaille (2010) und dem Deutschen Handwerkspreis (2005). 2025 wurde seine Autobiografie „Genial gezündet“ mit dem Ehrenpreis des Motorworld Buchpreises gewürdigt.
Was bleibt, ist mehr als Technik: eine Lebensleistung aus Innovationskraft, sozialer Verantwortung und tief verwurzelter Heimatverbundenheit – und ein beeindruckender Weg, der heute, an seinem 60. Geburtstag, gefeiert werden darf.