Der erste Schritt: Passt das Fahrzeug zu Nahla – oder Nahla zum Fahrzeug?
Bereits Anfang Juni war sie zu einer ersten Fahrstunde nach Heidelberg gekommen. Im Mittelpunkt stand dabei zunächst nicht das Fahren selbst. Gemeinsam mit Fahrlehrer Carsten Seidler wurde geprüft, wie Nahla ins Fahrzeug kommt, ob sie das Automatikfahrzeug sicher bedienen und beim Lenken jederzeit sicher umgreifen kann oder ob technische Anpassungen notwendig werden. Die erste Fahrstunde dient dazu, die individuellen Voraussetzungen für die praktische Fahrausbildung einzuschätzen. Gleichzeitig wird geprüft, ob das Fahrzeug noch angepasst werden muss oder bereits alle Voraussetzungen für den Start der praktischen Fahrausbildung erfüllt sind.
Nahlas Geschichte steht stellvertretend für viele Menschen, die nach einem Unfall, einer Erkrankung oder mit einer körperlichen Einschränkung den Wunsch haben, selbst Auto zu fahren. Oft zeigt sich schon zu Beginn der Fahrausbildung, dass mit der passenden Ausbildung und der richtigen Technik mehr möglich ist, als zunächst vermutet wird.
„Jetzt werden wir bei der ersten Fahrstunde erst mal feststellen, was Nahla so braucht“, sagt Carsten Seidler, Leiter Paravan-Fahrschule in der Niederlassung Heidelberg. „Wir beginnen mit Lenken und dann kommen Bremse und Gas dazu." Für Fahrlehrer Carsten Seidler steht deshalb nicht die Technik im Mittelpunkt, sondern Nahla. Gemeinsam wird zunächst ermittelt, welche körperlichen Fähigkeiten vorhanden sind und welche individuellen Fahrzeuganpassungen gegebenenfalls noch notwendig sind. Erst darauf baut die Fahrausbildung auf.
Die eigentliche Herausforderung bestand deshalb weniger im Fahrzeug als darin, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Entsprechend konzentrierte sich die erste Fahrt darauf, ein Gefühl für das Fahrzeug zu entwickeln. Langsam, aber hochkonzentriert absolvierte Nahla gemeinsam mit Carsten Seidler ihre ersten Kilometer – und meisterte auch das rückwärts Einparken auf Anhieb. Am Ende der ersten Fahrstunde stand fest: Nahla kann das Automatikfahrzeug sicher bedienen. Auch das sichere Umgreifen am Lenkrad stellte kein größeres Problem dar. Damit war die Grundlage geschaffen, im September mit der regulären Fahrausbildung zu beginnen. Lediglich eine Rollstuhlverladehilfe im Kofferraum wird später notwendig sein, da sie bei längeren Strecken weiterhin auf ihren Rollstuhl angewiesen ist.
Mehr als eine Fahrschule: Der Weg zur individuellen Mobilität
Mit den Standorten in Heidelberg und im Mobilitätspark Aichelau verfügt Paravan über eine auf Menschen mit körperlichen Einschränkungen spezialisierte Fahrschule. Gemeinsam mit Mobilitätsberatern, Verkehrsmedizinern, technischen Sachverständigen und den Experten für individuelle Fahrzeuganpassungen begleitet das Team den gesamten Weg – von der ersten Fahrprobe über die medizinische und technische Begutachtung bis hin zur Fahrausbildung und dem individuell angepassten Fahrzeug. Dieses enge Zusammenspiel aller Bereiche ermöglicht es, für jeden Menschen die passende Mobilitätslösung zu entwickeln.
Für Nahla und ihre Eltern war schnell klar, dass sie diesen Weg nicht in einer gewöhnlichen Fahrschule gehen wollten. Gesucht war ein Team, das Erfahrung mit den unterschiedlichsten Behinderungsbildern mitbringt, sich Zeit nimmt und gemeinsam mit den Fahrschülern herausarbeitet, welche individuelle Lösung den Weg zum Führerschein ermöglicht.
Jetzt ist dieser Weg für Nahla ein gutes Stück greifbarer geworden. „Sie ist nicht mehr von uns abhängig. Sie kann dann einfach ins Auto steigen und dorthin fahren, wo sie möchte“, sagt Mutter Nadine. „Das ist Freiheit für sie. Was andere in ihrem Alter auch machen."
Folgen Sie Nahla auf Instagram: nahla.ichbindaseineprozent