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Ansprechpartner:in Herr Dr. Nikolas von Lüpke +49 551 6940115

Wie sieht der Wald von morgen aus?

Alternative Baumarten im Klimawandel - Einladung zum Waldspaziergang

(lifePR) (Braunschweig, )
Hoffnungsträger im Klimawandel: Alternative Baumarten?

Der Klimawandel und die gravierenden Waldschäden nach den Witterungsextremen von 2018 bis 2020 haben das Interesse an neuen Baumarten, sogenannten „Alternativbaumarten“, enorm gesteigert. Mit ihnen verbindet sich die Hoffnung einer besseren Anpassungsfähigkeit an ein künftig wärmeres und trockeneres Klima. Neben Dürren werden auch Stürme häufiger erwartet, Massenvermehrungen von Borkenkäfern und blattfressenden Insekten nehmen zu und Pilzerkrankungen werden vermehrt die Bäume schädigen.

Risikostreuung durch Mischwälder

Eine „Wunderbaumart“, die allen Risiken gewachsen ist, gibt es nicht, denn keine Baumart ist gleichermaßen widerstandsfähig gegen alle Gefährdungen. Umgekehrt sind bestimmte Risikofaktoren wie der Fichtenborkenkäfer regelrecht auf einzelne Baumarten, mitunter sogar in einem ganz bestimmten Altersbereich spezialisiert. Besteht ein Wald also nur aus gleichalten Bäumen einer einzigen Baumart, kann schnell der gesamte Bestand vernichtet werden. Fällt dagegen in artenreichen Beständen mit unterschiedlichen Baumaltern eine Art aus, stirbt nicht gleich der gesamte Waldbestand. Lücken, die entstehen, können durch die anderen Baumarten wieder geschlossen werden oder bieten Platz für natürliche Verjüngung. Und selbst nach katastrophalen Stürmen oder Bränden bleibt von gemischten Wäldern oft ein vielfältigeres Potenzial für die Neubesiedlung. Scheinbar im Widerspruch zu diesem „Vorteil durch Vielfalt“ werden bisher nur wenige Baumarten aus anderen Ländern und Klimabereichen für den Einsatz in unseren Wäldern empfohlen. Warum ist das so und kann sich das demnächst ändern?

Einladung zum Waldspaziergang im Forstamt Reinhausen

Termin: 09. Juli 2022

Treffpunkt: Parkplatz im Bremker Tal hinter der Ortsausfahrt von Reinhausen beim Abzweig nach Bettenrode (siehe Anfahrtsskizze unten)

Abfahrt mit Shuttle-Bussen vom Parkplatz: 10:00 Uhr

Rückkehr zum Parkplatz: ca. 12:00 Uhr

Anmeldung: bis zum 07. Juli 2022 (Personenzahl begrenzt) per E-Mail an zentrale@nw-fva.de oder per Telefon: 0551- 69 40 10

Programm: Welche Baumarten leiden besonders unter den aktuellen Klimaänderungen? Gibt es Alternativen für sie und wenn ja, welche sind dies? Diese und andere Fragen können während eines kurzen Spaziergangs und auf einer Versuchsfläche mit verschiedenen Expert*innen aus der Forstlichen Praxis und Forschung diskutiert werden.

Hinweis: In den Shuttle-Bussen ist das Tragen einer FFP2-Maske erforderlich. Bitte denken Sie auch an witterungsangepasste Kleidung. Die Teilnahme ist kostenlos.

Hintergrund: In Niedersachsen läuft derzeit eine breit angelegte Informationskampagne unter dem Motto „Forst-Aid – Erste Hilfe für den Wald“. Bis Ende des Jahres erfolgen eine landesweite Plakatierung sowie zahlreiche Veranstaltungen und Mitmach-Angebote rund um das Thema Wald. Informationen und Termine stehen auf der neuen Internetseite über www.forst-aid.de

Stürme, Dürre und Borkenkäfer haben die grüne Lunge in den letzten Jahren stark verändert. Die Gesellschaft steht vor der enormen Herausforderung, den Wald und die Vielfalt seiner wichtigen Leistungen zu erhalten oder wiederherzustellen. Der Wald in Niedersachsen wird nicht sich selbst überlassen. Dafür sorgt eine aktive und zukunftsgerichtete Waldbewirtschaftung durch Forstleute und Waldbesitzer*innen. Mit der Kampagne wird der Fokus auf Niedersachsens Forstakteur*innen gelenkt, die sich Tag für Tag um die Wälder kümmern – auf Menschen, die mit und vom Wald leben. Deshalb sind auch die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) von Beginn bei der Kampagne mit dabei und stützen wie viele andere Akteur*innen das gemeinsame Ziel.

Strenge Anforderungen an eingeführte Baumarten

Der Anbau eingeführter Baumarten in Deutschland begann vor ca. 250 Jahren. Damals waren Waldfläche und nutzbares Holz nach Jahrhunderten der Übernutzung sehr knapp geworden. Gesucht waren robuste, schnell wachsende Baumarten mit guten Holzeigenschaften. Dabei erlittene Rückschläge motivierten die forstlichen Versuchsanstalten schon vor 150 Jahren wissenschaftliche Versuche mit Baumarten aus anderen Ländern anzulegen. Vielfalt um jeden Preis war dabei nie das Ziel. Vielmehr wurden Kriterien für den Anbau von eingeführten Baumarten in Deutschland entwickelt und wissenschaftlich überprüft. Die wichtigsten Kriterien waren Anpassung an den Standort, gutes Wachstum, Widerstandsfähigkeit gegen Witterungsextreme und Schäden sowie die Verträglichkeit mit anderen Baumarten. Heute hat sich der Anforderungskatalog um bedeutende ökologische Kriterien erweitert. Ausgeschlossen werden deshalb auch Baumarten, die Böden oder Ökosysteme erheblich gefährden oder heimische Arten verdrängen. Zu diesen gehören beispielsweise die Robinie und die Spätblühende Traubenkirsche.

Von über fünfzig lange Zeit untersuchten Baumarten, von denen die meisten aus Nordamerika stammten, wurden nach Prüfung aller Kriterien mit Douglasie, Küstentanne und Roteiche nur drei (!) als anbauwürdig und ökologisch verträglich eingestuft. Sie werden in Mischung mit heimischen Baumarten auf geeigneten Standorten übrigens auch unter wärmeren und trockeneren Verhältnissen noch empfohlen.

Aktuelle Waldforschung prüft Alternative Baumarten

Aktuell liegt der Fokus für weitere Alternativbaumarten zur Klimaanpassung auf südeuropäischen und vorderasiatischen Baumarten wie Esskastanie, Orient-Buche, Baumhasel, Walnuss, Türkische Tanne, Troja- und Nordmanntanne sowie Atlas- und Libanonzeder. Ihr geografischer Ursprung verspricht am ehesten die Anpassung an erwartete mildere Winter und trocken-heiße Sommer.

Hinzu kommen seltene heimische Baumarten besonderer Standorte wie Winter- und Sommerlinde, Elsbeere, Spitzahorn, Speierling, Eibe, Feldahorn und Hainbuche, die in der Vergangenheit weniger beachtet und erforscht wurden. Versuchsflächen mit all diesen Baumarten gibt es bisher in Norddeutschland nicht. Deshalb hat die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt auf verschiedenen Standorten entsprechende Versuche neu angelegt, so auch den Versuch, der am 9. Juli im Forstamt Reinhausen besucht wird.

Die neuen Versuche sollen möglichst schnell Erkenntnisse zur geeigneten Bestandesbegründung, den Gefährdungen und dem Jugendwachstum der wenig erforschten Arten liefern und für sie geeignete Standorte herausfiltern. Ökologische Risiken und Fehlinvestitionen, die durch einen großflächigen ungeprüften Anbau entstehen könnten, werden dadurch vermindert.

Wann können gesicherte Ergebnisse erwartet werden?

Wenn alles läuft wie geplant, gibt es in einigen Jahren erste Empfehlungen für gut geeignete Baumarten. Andere Kandidaten sind dann möglicherweise bereits in ihrer Jugendphase als ungeeignet identifiziert. Auf jeden Fall erfordern die Versuche langfristige Kontinuität, denn schon die Langlebigkeit der Bäume macht eine schnelle Beantwortung aller Fragen unmöglich.

Sicher ist außerdem, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder durch Alternativbaumarten allein nicht behoben werden können. Sie können lediglich ein Baustein unter verschiedenen Anpassungsmaßnahmen sein.

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