Landesverbandstag der Dachdecker-Landesinnung erstmals an der Havel

120 Teilnehmer zählte der Landesverbandstag der Berliner Dachdecker.
(lifePR) ( Berlin, )
Nach langen Monaten der Pandemie konnte der Landesverbandstag der Berliner Dachdecker in diesem Jahr endlich wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden. Bei der Einlasskontrolle nach der sogenannten 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet) gab es keinerlei Probleme, so dass die 120 angemeldeten Teilnehmer in kürzester Zeit auf ihren Plätzen waren.

Veranstaltungsort war erstmals die Würth Repräsentanz auf der schönen Insel Schwanenwerder. In dieser Parklandschaft am Wasser bot sich den Berliner Dachdeckern eine prächtige Kulisse.

Landesinnungsmeister Jörg-Dieter Mann freute sich über das volle Haus und bedankte sich bei der Firma Würth für die Gastfreundschaft. Mann bezeichnete die wirtschaftliche Lage der Berliner Dachdecker trotz der Pandemie als gut. „Unsere größten Probleme sind die Materialknappheit und nach wie vor der Personalmangel“, so Mann. Er lobte den Handel, der bezüglich der knappen Materialien sehr flexibel agiert habe und trotz aller Probleme lieferfähig geblieben sei. Mit Sorge blickte Mann auf die kommenden Wahlen für den Bundestag und das Berliner Abgeordnetenhaus: „Klimaschutz ist wichtig. Beim Erreichen einer Klimaneutralität muss sich die Politik aber an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientieren, sonst funktioniert das nicht“, resümierte Mann.

Tom Ziermaier, Vertriebsleiter von Würth, begrüßte im Anschluss alle Anwesenden und gab einen Überblick über die spannende Historie des Würth-Grundstücks auf Schwanenwerder.

Nachdem die Teilnehmer des verstorbenen Mitglieds Klaus Zipperling gedacht hatten, und Schatzmeister Matthias Dölle die Haushaltspläne für das Jahr 2022 präsentiert hatte, erhielt Bernd Prüfer von der VIA Dachteile GmbH & Co. KG von Mann die goldene Verbandsnadel für die jahrelange gute Zusammenarbeit. VIA unterstützt seit vielen Jahren die Berliner Dachdeckerparty, die Lehrlingskofferaktion und andere Kampagnen der Landesinnung. Die zweite Ehrung galt Andreas Friedel, der aus privaten Gründen seinen Rücktritt vom Amt des Lehrlingswartes erklärt hatte.

Mann betonte, dass Friedel bereits seit 1992 ehrenamtlich für die Landesinnung tätig ist und verschiedene Ehrenämter ausgeübt hat. Als Lehrlingswart gehörte er dem Vorstand seit 2003 an.

Bereits 2011 hatte er die silberne Ehrennadel für seine Verdienste erhalten. Friedel wird weiter für den Ziegelausschuss des ZVDH tätig sein. Als Dank erhielt Friedel einen Präsentkorb sowie einen Reisegutschein.

Als Nachfolgerin im Amt des Lehrlingswartes stellte sich Dachdeckermeisterin Josephin Süßer der Versammlung vor. Sie ist Inhaberin der Süßer Dachdeckerei und Solartechnik GmbH. Im Anschluss wurde Süßer von der Versammlung einstimmig gewählt.

Warum die Zukunft der Arbeit in der Vergangenheit liegt, erfuhren die Gäste im kurzweiligen Vortrag von Dr. Leon Windscheid. Bei einigen lustigen Selbsttests staunten die Dachdecker, warum wir alle in immer gleichen Kategorien denken. Windscheid machte klar, dass wir viel zu sehr vom Smartphone abhängig sind. „Legen Sie das Gerät mal aus der Hand und langweilen Sie sich“, riet er den Anwesenden. Langeweile sei wichtig für das Gehirn und fördere die Entstehung neuer Gedanken. „Investieren Sie weniger in Sachwerte und mehr in Erlebniswerte, dann müssen Sie sich nicht immer mit anderen vergleichen“, riet der Psychologe weiter.

Anschließend gab Geschäftsführer Ruediger Thaler einen Überblick über die Aktivitäten der Landesinnung.

Nach einer pandemiebedingten Flaute sind die Helfer- und Meisterkurse endlich wieder ausgebucht. Er wies auf die neuen Mindestlöhne ab Januar 2022 sowie die Anhebung der Tariflöhne ab Oktober 2021 hin. „Nutzen Sie auch unsere Serviceangebote wie den Forderungseinzug und die Schlichtungsstelle“, so Thaler. Die Nachwuchswerbung steht nach wie vor im Zentrum der Innungspolitik. Hier gab es auch im Coronajahr zahlreiche Werbeaktivitäten in Kinos und den sozialen Netzwerken. In der Technischen Hochschule werden Studienabbrecher auf das Dachdeckerhandwerk angesprochen. Er berichtete, dass er beim Bundesinstitut für Berufsbildung einen Antrag auf Förderung der Digitalisierung des Berliner Bildungszentrums gestellt hat. Hier soll im nächsten Jahr kräftig investiert werden.

Abschließend wies Thaler auf das Berliner Solargesetz hin, das ab 1. Januar 2023 die Installation von PV-Anlagen bei allen grundständigen Dachsanierungen und Neubauten zwingend vorschreibt. „Hier ist unser Bildungszentrum gefordert, und wir werden das ganze Jahr 2022 hindurch gemeinsam mit unseren Industriepartnern entsprechende Schulungen anbieten“, schloss Thaler.

Zum Thema „Wärme-, Feuchte- und Holzschutz“ gab ZVDH-Technikchef Christian Anders einen Überblick über die aktuelle Situation. Insbesondere ging er auf Steildächer mit Faserdämmstoffen und mit Hartschaumdämmstoffen ein. Aktuell sind einige Konstruktionen noch nicht im Regelwerk/DIN 4108-3 aufgenommen, so dass noch rechnerische Nachweise erforderlich sind.

Das Thema „Asbest und PAK in Bitumenbahnen“ erläuterte ZVDH-Referent Technik & Kommunikation, Philip Witte. Alte Bitumenbahnen können sowohl PAK als auch Asbest enthalten. Witte riet daher, beim Abriss zuvor immer Bedenken anzumelden bzw. eine rechtzeitige Untersuchung der Bahnen vorzunehmen, um die Entsorgung klären zu können. Einige Gewerbeaufsichtsämter in Deutschland verlangen zudem beim Abriss dieses Materials weitgehende Sicherungsmaßnahmen bis hin zur Einhausung der Baustelle. Hier will sich der ZVDH gemeinsam mit der BG BAU für eine praxisfreundliche Neuregelung einsetzen, um derart ausufernde Sicherungsmaßnahmen zu vermeiden.

Zum Abschluss der Veranstaltung erhielten die Jung-Meister des Prüfungsjahrgangs 2021 aus den Händen von Andreas Friedel und Landesinnungsmeister Jörg-Dieter Mann ihre Meisterbriefe überreicht.

Als Prüfungsbester erhielt Felix Jakob einen Werkzeugkoffer, gestiftet von Würth.

Im Anschluss waren die Teilnehmer zu einem Büfett eingeladen, das auf der herrlich gelegenen Terrasse des Würth-Hauses bei bestem Wetter angeboten wurde. Bei einem Blick auf den Park und die Havel lud die angenehme Stimmung zu vielen Gesprächen und Meinungsaustausch ein.
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