Rund um Ilmenau und Arnstadt in Thüringen will man künftig auch Sozialraumorientierte Jugendhilfe umsetzen, noch befindet man sich, wie es der dortige Jugendamtsleiter Erich Rindermann formuliert, „in der Vorstufe“ und was liegt da näher, als sich fachlich mit den Kollegen aus dem Vogelsberg auszutauschen? Sozialdezernent Kay Tischer, Amtsleiter Rindermann und die Sachgebietsleiterin Sozialer Dienst, Maja Blechschmidt, interessiert besonders, wie das Konzept im ländlichen Raum umgesetzt wird.
Seit zehn Jahren begleitet Dr. Mischak – zunächst als Erster Kreisbeigeordneter und nun als Landrat – den Umsetzungsprozess der Sozialraumorientierten Jugendhilfe und hat als Jugenddezernent „die Pflöcke miteingeschlagen“. Zwei Faktoren, so erinnert er sich im Gespräch mit den Thüringer Gästen, waren ausschlaggebend, nach neuen Wegen zu suchen: „Zum einen sind uns die Kosten in der Jugendhilfe davongelaufen, zum anderen konnten wir viele junge Leute nicht mehr in der Region unterbringen.“ Zwei Drittel der Jugendlichen mussten außerhalb des Kreises – zum Teil sehr weit entfernt – betreut werden. „Wie kann bei solch weiten Strecken der Kontakt und die Verantwortung der Eltern weiterhin gewährleisten werden?“, so die entscheidende Frage. „Die Träger haben damals mitgemacht und neue Plätze in unseren Sozialräumen geschaffen“, so der Landrat weiter. „Es wurden allein vier neue Standorte eingerichtet, wir haben somit etwa 50 bis 60 Plätze insgesamt.“
„Was die Kosten in der Jugendhilfe angeht, so sind wir mehr in der Seitwärtsbewegung als in einem krassen Anstieg“, so das Fazit des Jugenddezernenten. „Mit den Fallzahlen aber liegen wir deutlich unter denen, die wir vor zehn Jahren hatten.“ Mischaks Resümee fällt daher eindeutig aus: „Die Sozialraumorientierte Jugendhilfe ist ein System, von dem ich überzeugt bin – auch dank der guten Zusammenarbeit mit den Trägern und dem großen Rückhalt in der Politik.“
Angetan vom Konzept zeigt sich auch der Besuch aus dem Ilm-Kreis, der sich bereits in Weimar über die sozialräumliche Arbeit informiert hatte. „Nun wollen wir schauen, wie man das in einem Flächenkreis umsetzen kann“, schildert Dezernent Kay Tischer. „Es gibt keine Blaupause“, sagt Christian Kornmann, der Leiter des Vogelsberger Jugendamtes, „deshalb ist es wichtig, sich zu informieren und das für sich mitzunehmen, was passt.“ Gegenseitiger Austausch in der der „Sozialraum-Community“ ist nötig, betont er und ergänzt: „Wir freuen uns immer über die Besuche hier bei uns im Haus, denn auch wir können davon profitieren und lernen.“ Auch Ende Oktober wird das Jugendamt seiner Vorreiterrolle gerecht und begrüßt die in der Sozialraumorientierung führenden Städte und Landkreise von Nordfriesland über Weimar bis nach Graz im Vogelsbergkreis zu einer zweitägigen Tagung.