Wie lässt sich Gesprochenes hörbar machen, wenn kein Ton vorhanden ist? Judith Harter kennt die Antwort: Sie liest es von den Lippen ab. Die von Geburt an gehörlose, professionelle Lippenleserin analysiert und transkribiert stumme Filme und Videos anhand von Mundbildern und dem jeweiligen Kontext.
Ihre besondere Fähigkeit entwickelte sie bereits als Kleinkind. Mit zweieinhalb Jahren wurde sie spielerisch an Lesen und Schreiben herangeführt und begann gleichzeitig, Sprache über das Mundbild zu erfassen. Ihr außergewöhnlicher Wissensdrang brachte ihr später den Spitznamen „Die Wortjägerin“ ein.
Seit 2009 bietet Harter Lippenlese-Transkriptionen professionell an. Ihre Auftraggeber kommen unter anderem aus Fernsehen, Film, Recht, Wissenschaft und Kultur. Dazu zählen Fernsehanstalten, TV-Redaktionen, Juristen, Historiker, Filmarchive, Museen und Dokumentarfilmer.
Ihre Arbeit beginnt mit einer sorgfältigen Analyse des Filmmaterials. Sie prüft, welche Szenen tatsächlich lippenlesbar sind, erstellt ein Glossar und recherchiert historische, technische oder örtliche Zusammenhänge. Erst anschließend rekonstruiert sie das Gesprochene. Nicht eindeutig erkennbare Wörter werden entsprechend gekennzeichnet.
„Lippenlesen ist kein Raten, sondern ein Feststellen auf Basis einer visuellen Bibliothek“, erklärt Harter. Jahrelange Erfahrung, umfangreiche Sprachkenntnisse sowie die genaue Beobachtung von Mundbewegungen, Sprechatmung und Betonung sind die Grundlage ihrer Arbeit.
Das Interview mit Judit Nothdurft ist auf dem Portal für Hörbehinderte www.deafservice.de zu lesen.
Judit Nothdurft
Judit Nothdurft Consulting
Fotorechte: Judith Harter
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