Samstag, 16. Dezember 2017


Ein Ort der Ambivalenz

Studierende der Hochschule Osnabrück planen öffentlichen Garten für Erich Maria Remarque

Osnabrück, (lifePR) - „Der bekannteste Osnabrücker verdient endlich eine Würdigung“, sagt Prof. Dr. Jürgen Milchert von der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück. Deshalb gab er seinen Studierenden des dritten Semesters die Aufgabe, einen Garten für den Schriftsteller Erich Maria Remarque zu entwerfen. Herausgekommen sind acht unterschiedliche Modelle, die die Studierenden nun in der Galeriescheune von Volker-Johannes Trieb der Öffentlichkeit präsentierten.

Remarque ist vor allem durch seine Anti-Kriegsromane weltweit berühmt geworden. Sein bekanntestes Werk „Im Westen nichts Neues“ wurde 1930 in Hollywood verfilmt. In Deutschland wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt, konnte jedoch nicht gefunden werden, da er sich in den USA und der Schweiz aufhielt. Am 25. September 2020 jährt sich der Todestag des Autors zum 50. Mal. Der ideale Zeitpunkt, um laut Milchert einen öffentlichen Garten für den Autor zu gestalten. Denn Gärten gäbe es bisher in Osnabrück noch viel zu wenige. Als Standort haben sie sich den Parkplatz an der Dominikanerkirche neben der Kunsthalle ausgesucht, etwa 200 Meter entfernt vom Remarque-Zentrum.

Ein ganzes Semester lang haben die 21 Studierenden an den Gartenentwürfen gearbeitet. Dafür haben sie sich zunächst intensiv mit der Persönlichkeit und dem Leben von Remarque auseinandergesetzt. „Er war ein relativ trauriger Mensch und litt an Depressionen“, sagt Christoph Wischmeyer, Student der Landschaftsarchitektur. Demgegenüber ist bekannt, dass Remarque viele Bekanntschaften mit berühmten und begehrten Frauen pflegte. Diese beiden Persönlichkeitsseiten spiegeln sich auch in den Entwürfen der Studierenden wider. Die meisten Gärten sind sehr schlicht gehalten, mit gerade Linien, wenig bis gar keinen blühenden Pflanzen, dafür mit Rückzugsmöglichkeiten für die Besucher zum Ruhe finden. „Der Garten soll ein Ort des Nachdenkens sein“, erklärt Louisa Dieckmeyer.

Gleichzeitig sind spielerische Elemente, wie ein Labyrinth, bemalbare Mauern oder Wasserbecken mit Trittsteinen eingebaut. Auch ein Magnolienbaum, den Remarque so gerne mochte, findet sich in einem der Entwürfe.

Eine Gruppe hat die Idee eines Spielgartens für große und kleine Besucher aufgegriffen. Durch einen Irrgarten aus Bambus schlängelt sich ein Maschendrahtzaun und begrenzt die Wege als Symbol für Remarques Gefangenschaft und schwere Zeit im Krieg. Am Ende des Labyrinths wird er jedoch zum erfahrbaren Element, das den Weg nach draußen weist und für die Hoffnung und die schönen Momente in Remarques Leben stehen soll. „Die Hürde beginnt zu kippen und der Besucher begreift, wie er mit den Spuren der Gefangenschaft umgehen kann. Es ist ein Raum für Kreativität. Der Zaun wird zum Spielobjekt, der plötzlich ganzheitlich begangen werden kann“, erklärt Sina Zenke die Idee.

Bisher sind die Modelle nur fiktive Ideen. Prof. Milchert und Prof. Dr. Tilman Westphalen von der Erich Maria Remarque-Gesellschaft können sich jedoch gut vorstellen, die Entwürfe als Impulse an die Stadt Osnabrück weiterzugeben. „Die Projektskizzen der Studierenden sind auf einem sehr hohen Niveau, es wäre schade, daraus nichts zu machen“, so Westphalen.

Noch bleiben knapp drei Jahre, um die Idee eines öffentlichen Gartens für Remarque zu seinem 50. Todestag zu realisieren. Da es bislang noch keinen öffentlichen Platz in Osnabrück zu Ehren des Autors gibt, hofft Milchert auf offene Ohren und die Zusammenarbeit mit der Stadt.
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