Ein einheitlicher Ozean-Überlastungstag müsste mehrere Belastungsfaktoren kombinieren – darunter Überfischung, CO₂-Aufnahme, Meeresverschmutzung, Artensterben und die Erwärmung der Ozeane. Schon eine einfache Berechnung mithilfe Künstlicher Intelligenz macht deutlich: Der Ocean Overshoot Day würde voraussichtlich deutlich vor dem Earth Overshoot Day liegen. Demnach leben wir bereits ab dem Frühjahr auf Kosten der Meere. Spätestens dann sind viele Fischbestände übernutzt, Schadstoffbelastungen über die Grenzwerte gestiegen, und die Meere haben mehr CO₂ aufgenommen, als sie verkraften können.
Warum ist das so?
Die Frage lässt sich am besten beantworten, indem wir uns vorstellen, wie ein Leben im Einklang mit den Meeren aussehen könnte:
- Fischbestände würden nur so weit befischt, dass die Bestände nicht abnehmen, sondern eine gesunde Größe behalten
- Die Meere nähmen nur so viel CO₂ auf, dass sie nicht versauern und die biologische Vielfalt nicht gefährdet wird.
- Schadstoffe wie Plastik, Öl, Abwässer und Chemikalien würden in nur so geringen Mengen eingeleitet, dass die Meere sie selbst abbauen können – ohne dauerhafte Schäden für die Ökosysteme.
Ein vergleichbares Konzept gibt es auch beim Plastik: Der „Plastic Overshoot Day“ markiert jenen Tag im Jahr, an dem die weltweit produzierte Menge an Plastikmüll die Kapazität unserer Entsorgungs- und Recyclingsysteme übersteigt. 2025 fällt dieser Tag auf den 5. September – ab diesem Datum führt jedes zusätzliche Kilogramm Plastik unweigerlich zu Umweltverschmutzung.
Besonders betroffen sind dabei die Ozeane und ihre Bewohner. Aktuellen Schätzungen zufolge gelangen jährlich zwischen 10 und 14 Millionen Tonnen Plastik in die Meere. Ein Großteil davon sammelt sich in riesigen Strömungssystemen – sogenannten Müllstrudeln. Der bekannteste, der Great Pacific Garbage Patch, hat inzwischen die dreifache Fläche Frankreichs erreicht. Doch er ist kein Einzelfall: Vier weitere große Müllstrudel treiben im westlichen Pazifik, im Nordatlantik, im Indischen Ozean und im Südatlantik – gefährliche Zonen aus schwimmendem und schwebendem Plastik, die zur tödlichen Falle für unzählige Meereslebewesen werden.
Warum ein Ocean Overshoot Day wichtig ist
Ein Überlastungstag unserer Meere würde schonungslos offenlegen, wie stark wir die marinen Ökosysteme überfordern. Zu den bereits genannten massiven menschlichen Eingriffen kommt noch die stetig wachsende Verschmutzung durch Öl, Schwermetalle und Düngemittel hinzu. Außerdem der kontinuierlich steigende CO₂-Ausstoß, durch den sich Temperatur, Strömungen und der Sauerstoffgehalt im Wasser verändern – mit schwerwiegenden Folgen für unzählige Arten. Die Vorstellung eines Ocean Overshoot Day macht deutlich: Wir leben längst weit über die Belastungsgrenze der Ozeane hinaus.
Forderungen & Chancen
Kollabierende Fischbestände, sterbende Korallenriffe, vermüllte Küsten und Ozeane, die sich aufheizen: All das ist heute trauriger Alltag, aber es darf nicht zur Normalität werden. Längst ist es an der Zeit, entschlossen zu handeln.
Reform der Fischereipolitik: Schluss mit Überfischung und zerstörerischen Fangmethoden. Einführung verbindlicher Maßnahmen zur Beifang Reduktion weltweit.
- Ausweitung von echten Meeresschutzgebieten: Mindestens 30 Prozent der Meeresfläche muss bis 2030 effektiv geschützt und frei von industrieller Nutzung sein.
- Drastische Reduktion der Plastikflut: Ein weltweiter Aktionsplan gegen Plastik und Schadstoffe im Meer ist überfällig.
+13 Tage: wenn die weltweite Lebensmittelverschwendung halbiert wird
+26 Tage: wenn mindestens 75 Prozent des globalen Stroms aus erneuerbaren Energien stammen
+1 Tag: wenn Frachtschiffe langsamer fahren
+5 Tage: wenn wir die Lebensdauer unserer Kleidung verdoppeln und dadurch den Ressourcenverbrauch halbieren