Kakaoanbau ohne Waldverlust

Forum Nachhaltiger Kakao stellt auf der Anuga Handlungsoptionen für Kakao ohne Entwaldung vor

Côte d’Ivoire will das Thema Waldschutz konsequent angehen, das bekräftigte der Direktor im Forstministerium, Jérôme Aké, bei einer Veranstaltung des Forum Nachhaltiger Kakao in Köln. Bis zu 20 Prozent Waldanteil sollen auf lange Sicht wieder erreicht werden © Forum Nachhaltiger Kakao/A. Köhring (lifePR) ( Berlin/Köln, )
Klimawandel ist im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Walderhalt, auch im Kakaobereich, hat dabei eine Schlüsselrolle. Für den Anbau von Kakao wurden im Zeitraum zwischen 1988 und 2008 weltweit zwei bis drei Millionen Hektar Wald vernichtet, vor allem in Westafrika. „Der Kakaosektor darf in Zukunft nicht mehr für Entwaldung verantwortlich gemacht werden müssen“, sagte der Vorsitzende des Forum Nachhaltiger Kakao, Wolf Kropp-Büttner. „Er muss dazu beitragen, dass der Wald erhalten bleibt und geschützt wird.“ So sehe es auch die neue Zielsetzung des Forums vor. Wie diese Forderung umgesetzt werden kann, diskutierten auf Einladung des Forum Nachhaltiger Kakao Experten aus Politik, der Wirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen auf der internationalen Lebensmittelfachmesse Anuga in Köln.

Die Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Dr. Eva Ursula Müller, selbst studierte Forstwissenschaftlerin, skizzierte die Herausforderungen und die Schritte, die seitens der Bundesregierung bereits unternommen werden. Maßnahmen gegen Entwaldung sind dabei zentral und beispielsweise auch im 10-Punkte-Plan für einen nachhaltigen Kakaosektor festgeschrieben. „Eine mögliche Produktivitätssteigerung darf nicht zu Lasten der Umwelt gehen“, sagte Müller. Gleichzeitig verwies sie auf die wichtige Rolle der Konsumenten und deren Kaufentscheidung. Auch wenn, wie Müller ebenfalls zu bedenken gab, „an der Ladenkasse allzu häufig der Preis entscheidet“.

Eine nachhaltige Lieferkette muss frei sein von Umweltzerstörung, von Kinderarbeit und von erzwungener Arbeit. Die Privatwirtschaft zu menschenund umweltrechtlicher Sorgfalt in ihren globalen Lieferketten zu verpflichten, ist eine Forderung aus dem Europäischen Parlament an die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU). Die Abgeordnete der Fraktion Die Grünen/EFA im EU-Parlament, Heidi Hautala, betonte, auch Unternehmen hätten begonnen, die Notwendigkeit gleichgestellter Wettbewerbsbedingungen anzuerkennen und Nachhaltigkeit zur Norm in der Branche zu machen. „Was bislang in punkto Kinderarbeit und Entwaldung erreicht wurde, ist unzureichend“, sagte Hautala. „Hier muss noch einen Riesensprung gemacht werden.“

Julia Christian von der Waldschutzorganisation Fern befürwortete ebenfalls eine Regulierung seitens der Europäischen Union. Unternehmen sollten dazu verpflichtet werden, sicherzustellen, dass sie keine Produkte einführen, die ursächlich mit Entwaldung verbunden sind. Frankreich, Dänemark und die Niederlande hätten die EU kürzlich aufgefordert, solche Maßnahmen zu prüfen. „Deutschland war in dieser Diskussion bislang zu passiv“, kritisierte Christian die bisherige Haltung Deutschlands.

Christian wie auch andere Redner betonten, dass auch eine Zusammenarbeit mit den Regierungen der Erzeugerländer wichtig sei. Ein Beispiel dafür und für Engagement zum Walderhalt ist die Cocoa & Forests-Initiative (CFI), der auch zehn Mitglieder des Forum Nachhaltiger Kakao angehören. Für Ethan Budiansky von der World Cocoa Foundation ist das gemeinsame Handeln der hieran beteiligten Unternehmen und die flächendeckende Verbreitung dieser Initiative essentiell. 34 führende Schokoladenunternehmen und Lebensmittelhändler und mit Côte d’Ivoire, Ghana und Kolumbien drei kakaoproduzierende Länder haben sich in der CFI zusammengeschlossen. Initiiert auf der Klimakonferenz COP 23 im Jahr 2017 in Bonn, habe es die CFI in nur zwei Jahren geschafft, alle Unterzeichner auf individuelle Aktionspläne mit konkreten Handlungsvorgaben zu verpflichten, sagte Ethan Budiansky von der World Cocoa Foundation (WCF). Eine Million Betriebe in Côte d’Ivoire und Ghana seien bereits kartiert, für diese solle eine 100-prozentige Rückverfolgbarkeit des Kakaos erreicht werden. „Damit wird sichergestellt, dass der Kakao nicht aus Waldgebieten stammt“, sagte Budiansky. Eine weitere wichtige Maßnahme zum Waldschutz seien die Wiederanpflanzung von Bäumen auf zerstörten Flächen und die Einrichtung von Agroforstsystemen, einer kombinierten Land- und Forstwirtschaft, sowie Schulungen für rund eine Million Kakaobauern und -bäuerinnen, um sie für Waldschutz zu sensibilisieren.

Jérôme Abroba Aké, zuständiger Direktor im Forstministerium der Republik Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste), dem wichtigsten Bezugsland für Kakao für Deutschland, stellte mit dem neuen Forstgesetz den Lösungsansatz der ivorischen Regierung vor. Auf 11 Prozent der ursprünglichen Fläche sei der ivorische Wald geschwunden. Kakao sei neben Palmöl und Kautschuk dafür die Hauptursache und werde als zugleich wichtigstes Exportgut mittlerweile auf 15 Prozent der Landesfläche angebaut. Verursacht wurde dies, so Aké, durch einen starken Wirtschaftsboom in den 1990-er Jahren. Mit einem neuen

Forstgesetz will die Regierung der Côte d’Ivoire einen Anteil von 20 Prozent Waldfläche als längerfristiges Ziel erreichen. Aké warb in Köln auch für Unterstützung für das ivorische Anliegen, zum einen seitens der Kakaoindustrie und Kakaohändler: „Als Konzessionäre können sie Landnutzungsrechte erwerben und innerhalb dieser die gesetzlichen Vorgaben zum Erhalt des Waldes mittragen und umsetzen“, sagte Aké. Zum anderen brauche die Regierung technische Unterstützung, um die Zielvorgaben konsequent umzusetzen.

Die Sicht eines international agierenden Lebensmittelhändlers brachte Florian Schütze von Lidl ein. Wer wie Lidl in vielen Ländern tätig sei, brauche Transparenz und Verlässlichkeit in seiner Lieferkette. Lidl engagiere sich seit mehreren Jahren in der Côte d’Ivoire in der Ausbildung von Kakaobauern und -bäuerinnen. Verbindliche europäische Standards würden nach Aussage von Schütze nicht nur einen faireren internationalen Wettbewerb sicherstellen, sondern auch die Wirksamkeit in komplexen globalen Lieferketten erhöhen. Wichtig sei, in diesen Prozess die Erzeugerländer einzubeziehen.

Lisa Kirfel-Rühle, stellvertretende Referatsleiterin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), forderte in ihrem Schlusswort: „Kakao, der zu uns in die EU kommt, muss frei von Menschenrechtsverletzungen und Entwaldung sein.“ Die Produktionsländer müssten aber auch befähigt sein, diese Anforderungen umzusetzen. Das BMZ habe sich dafür einen Handlungsrahmen gegeben und werde diesen konsequent umsetzen. „2020 wird sicher für alle ein spannendes Jahr“, schloss Kirfel-Rühle.
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