Sonntag, 19. November 2017


Piratengold oder die dreiteiligen Abenteuer des Uwe Reuss, Sieben Robinsone, weiße Kamele und eine wilde Ehe - Sechs E-Books von Freitag bis Freitag

Pinnow, (lifePR) - Spannende Bücher. Das wünscht man sich – als Leser wie als Autor. Wie aber schreibt man ein spannendes Buch? Wie produziert ein Autor oder eine Autorin eine spannende Geschichte? Keine theoretischen, wohl aber praktische und leserfreundliche Antworten auf diese und ähnliche Fragen zur literarischen Kompetenz von Schriftstellern (natürlich können das auch, manchmal sogar noch besser auch Schriftstellerinnen) liefern die sechs Deals der Woche, die im E-Book-Shop www.edition-digital.de eine Woche lang (Freitag, 21.07. 17 – Freitag, 28.07. 17) zu jeweils stark reduzierten Preisen zu haben sind.

Geradezu ein Musterbeispiel für das Schreiben spannender Bücher bieten die Texte des gebürtigen Magdeburgers und schon seit langem, seit 1972 in Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst im heutigen Mecklenburg-Vorpommern lebenden Auflagen-Millionärs Wolfgang Schreyer, der in Kürze, genauer gesagt, am 20. November 2017, seinen 90. Geburtstag feiern kann. Treffend beschrieben wurde seine künstlerische Position mit einem Satz auf dem Rücktitel seines 2000 beim Verlag Das Neue Berlin erschienen Erinnerungsbandes „Der zweite Mann. Rückblick auf Leben und Schreiben“: „Wo Hoch- und Populärliteratur sich nahe sind, standen für DDR-Leser die Bücher Wolfgang Schreyers. Sieben davon wurden verfilmt.“ Wer sein Leben und sein Schreiben noch nicht kennt, der kann sich davon sowohl bei der Lektüre seiner bei der EDITION digital auch als E-Book vorliegenden sehr lesenswerten und offenen Memoiren „Der zweite Mann“ und natürlich bei der Lektüre seiner vielen Bücher ein Bild machen. In dieser Woche sind wieder zwei von Wolfgang Schreyer dabei und ebenfalls zwei vom Wolfgang Held sowie jeweils eines von Egon Richter und eines von Helmut Bulle. Letzteres beweist, dass auch Akten – richtig ausgewählt, dokumentiert und gelesen – sehr lebendig und spannend sein können. Haben Sie eine schöne Woche und ein spannendes Lesevergnügen!

In drei Büchern befasste sich Wolfgang Schreyer mit den Abenteuern des Anfang 1979 als Chef einer Nordsee-Bohrinsel entlassenen und jetzt als Privatdetektiv die Suche nach der angeblich verschollenen Tochter seines besten Freundes aufnehmenden Uwe Reuss. Das erste Buch „Die Suche oder die Abenteuer des Uwe Reuss“ erschien erstmals 1981 im Verlag Das Neue Berlin. Sechs Jahre später folgte im selben Verlag „Der Fund oder die Abenteuer des Uwe Reuss“: Gesetzt den Fall, Sie hätten nach langer Wanderung Ihr Glück gefunden. Sie lebten in keinem Industrieland mehr — brav, geordnet und langweilig vor sich hin. Sondern mit Ihrer reizenden Freundin auf einer Trauminsel, und zwar vom Touristen-Geschäft! Nicht behütet von einer Regierung, die auf Ihr Wohl sieht, sondern auf freier Wildbahn — unter einer Obrigkeit, der Sie schnurz sind, die sich mit dem lokalen Rauschgifthandel zu arrangieren weiß. Und eines Tages war Ihre Existenz kaputt. Was würden Sie tun, fänden Sie dann in Ihrem Fluchtgepäck, zufällig auf dem Flugplatz vertauscht, statt der letzten jämmerlichen Habe einen Berg Bahama-Dollars? Den Koffer zurückgeben oder ihn als gerechten Ausgleich, als Geschenk des Schicksals nehmen? Von dem Geld dann solide leben oder es erneut riskieren: in einer Schatzsuche, um aus dem kleinen Fund den großen Wurf zu machen, den Volltreffer Ihres Lebens? Liegt da nicht an einem verlassenen Ort im Pazifik von alters her Piratengold? Und der Kirchenschatz von Lima, anno 1822 beim Rückzug der Spanier aus Peru versteckt? Dazu noch das Beutegut eines deutschen Hilfskreuzers, der hier im April 1916 nach erbitterter Gegenwehr sank? Ist die Karte von Isla del Coco authentisch, die das Versteck des Prisenguts nennt? Fragen, auf die der spannende Roman von Wolfgang Schreyer — so fantasievoll wie gründlich recherchiert — passende Antworten gibt. Sein Buch „Der Fund“ folgt dem Roman „Die Suche“. Es setzt die „Abenteuer des Uwe Reuss“ atemberaubend fort und ist das Mittelstück der Odyssee, der amüsant-gefahrvollen Irrfahrt eines Helden wider Willen. Das dritte und abschließende Buch „Der Verlust oder die Abenteuer des Uwe Reuss“ erschien 2001 im Rostocker BS-Verlag. Aber soweit sind wir noch nicht.

Hier geht es erst mal um das zweite Buch „Der Fund“. Daraus entnehmen wir den folgenden Ausschnitt: „Reuss erwachte beim ersten Sonnenstrahl. In lauer, salziger Dämmerung das Zischen der Brandung, er nahm es kaum noch wahr. Dazu ein Gefühl, als sei die Haut um seine Augen aus Papier. Er war unausgeschlafen, Gina hatte ihn gestört – wieder mal im Traum halblaut und hastig mit Sergio erzählt. Dass im Bett dieser Name fiel, war ihm keineswegs neu. In der Zeit ihrer Gemeinsamkeit hatte Reuss gelernt, mit dem Dritten zu leben, diesem wunderbaren Mann. Den konnte Gina nicht vergessen, seit vierzig Monaten irrte er durch ihren Schlaf... Gegen Geister kämpft man halt vergebens.

Um ihn Licht und Schatten, der Geruch süßer Gärung, aromatischen Verfalls. Weg das Moskitonetz; aber nimm dir Zeit, genieße den Tag, jeder ist unwiederbringlich. Bloß mal so einen Palmwipfel ins Auge fassen, sein Lackgrün gegen das Morgenrot, die toten Wedel hängen braun wie Tabak herab, oben wiegen sich die Fächer über dem stumpfen Ockerton der Nüsse. Durch das Blattwerk sickern Strahlen, werfen Streifen an die Wand.

Hundert Schritte bis zum Strand, in die lange Dünung. Im Frühdunst schimmert der Ozean wie Perlmutt, die Sonne lässt Licht aus dem Wasser spritzen. Neben ihrer Glitzerbahn, weit hinter den Dog Rocks, am Horizont die Insel, mit der Kolumbus einst das erste Stück der Neuen Welt entdeckt hat (er meinte: China). Und welcher Kummer, dort gab's kein Gold! Reuss schwamm ein bisschen hinaus. Auch ihm war es nicht bestimmt gewesen, auf den Bahamas reich zu werden. Immerhin hatte er's zu diesem Holzhaus, dem rosafarbenen Anbau für zahlende Gäste, dem klapprigen Jeep und dem Neunmeterboot am Steg von Port Nelson gebracht; zwei Meilen durch den Busch. Herz, was willst du mehr? Er dankte seinem Schöpfer, dass die Zeit der hurricanes vorbei war. Heute würde er Alice und Alec zum Abschluss bis zur Watlingsinsel oder nach Long Island skippern und bei dem verfallenen Herrenhaus anlegen, mit den üblichen Betrachtungen zur Ära der Baumwolle im 18. Jahrhundert.

Das Leben ist Routine, selbst im Paradies. Und kein Mensch kommt immer ungeschoren davon. Zuerst der schreckliche Hurrikan auf Walker's Cay. Die nächste Bleibe – auch perdu. Vom zweiten Eiland seiner Wahl, Norman's Cay im Norden der Exumas, ist er genauso rasch verschwunden. Durch ein Fingerschnipsen des Señors Lehder, eines Kolumbianers deutscher Herkunft. Der hat das Inselchen gekauft und für den Rest der Welt gesperrt. Sportflugzeugen sperrt er die Piste – 3000 mal 70 Fuß Asphalt –, kein Boot darf mehr landen, wer es trotzdem tut, den scheuchen seine Helfer, seine Hunde, prompt ins Meer zurück. Da war es nur gescheit, auszuweichen, um hier auf Rum Cay 150 Meilen weg vom Schuss neu anzufangen. Alles bestens, man hat Fuß gefasst ... Reuss kehrte um. Die Luft war wie aus Seide.

Daheim duschte er das Salz von der Haut, rieb sich ab und durchblätterte im Kaffeeduft den „Nassau Guardian“ von vorgestern. Zwischen den Anzeigen der Geschäftswelt schrieb das Blatt – first in news, first in advertising, first in circulation –, die Falkland-Armada habe wohl doch Kernwaffen mitgeführt: Marinetaucher an Zerstörerwracks. In Brasilien wanke die Herrschaft der Militärs, Mexico sei in Korruption versackt. Reuss biss in den splitternden Toast, in Einklang mit einer Welt, die nicht mehr die seine war. „Musst du immer lesen?“, fragte Gina. „Sprich lieber mal mit mir!“ „Heute Nacht hast du für zwei gesprochen, davon erhole ich mich jetzt.“ „Reizend. Wer dich hört, der könnte meinen, wir sind ein steinaltes Ehepaar.“ „Keiner hört uns, die beiden schlafen noch. Übrigens, hier steht, die britische Regierung ist vom Club Méditerrané geleimt worden. Der Club hatte zugesagt, bis zum Jahresende auf West Caicos ein Feriendorf zu bauen. Dafür wollte London vier Millionen Pfund in den Straßenbau und in den Flugplatz stecken. Gebaut aber haben nur die Briten. Die Franzosen behaupten, sie hätten keine Baufirma gefunden, die ihnen das Feriendorf zu einem vertretbaren Preis hinstellt.“ „Mir was vorlesen, Uwe, war eigentlich nicht gemeint.“ „Nur noch das: Zwischen Andros und New Providence trieb eine Jacht, die Crew tot ringsum. Es scheint, alle sind gleichzeitig zum Baden ins Meer gesprungen und dann nicht wieder an Bord gelangt, weil keiner zurückgeblieben war, der die Badeleiter oder wenigstens ein Tau hätte ausbringen können. Nach verzweifeltem Kampf Tod durch Unterkühlung.“ „Ende der Presseschau?“ „Dir zur Warnung, du springst auch gern spontan hinein. Aus dem Umstand, dass die Leichen nackt waren und ihr Badezeug aneinandergeknotet, schließt man, sie hätten versucht, daraus einen Strick zu drehen und über die Reling zu werfen, um sich daran hochzuziehen – vergebens.“ „Die Leichen haben versucht ...“ „Sei nicht spitzfindig, Gina.“ „Das ist das Laster der Gewissenhaften.“ „Willst du lieber über Sergio sprechen? Vielleicht hast du ja wieder Post von ihm.“ Sie verneinte, doch nicht ganz überzeugend, wie ihm schien. Gestern hatte sie in Port Nelson eingekauft und natürlich nach Post gefragt ... Seit vor über zwei Jahren aus Mexico die Nachricht von der Gefangenenbefreiung gekommen war – eine Haftladung sprengte das Tor des Staatsgefängnisses Lecumberri –, hatte Sergio Figueras sich mehrmals gemeldet. Von wechselnden Orten, aus wohltuender Ferne, dennoch mit Folgen für Ginas Gleichgewicht. „Steckt er noch auf Jamaica bei dem Marihuana-Clan?“ Ihr Blick besagte, dass, wer sie so frage, mit einer Antwort nicht rechnen dürfe. „Wenn's ihm schlecht geht, besinnt er sich auf dich.“ „Red nicht so von ihm! Du vergisst, was wir ihm schulden.“ Reuss fing an, sich zu ärgern. Er schuldete keinem was, auch nicht diesem Mann. Das Startgeld, das in dessen Mantel gesteckt hatte, stand Reuss zu, denn Sergio hatte ihn hineingeritten damals in Mexico-Stadt. Übrigens war es auf Walker's Cay und Norman's Cay geblieben. Das, was man hier besaß, stammte aus dem Erlös seiner Hamburger Habe. Einzig auf ihn ging es zurück, nachdem Jürgen Dahlmann sich geweigert hatte, seiner Tochter einen Zuschuss zu zahlen, solange sie nicht reumütig heimkam und wieder an ihr Studium ging.

Es klopfte; herein trat, ein Badetuch um die Schultern, die blonde Alice, schlank und biegsam, gefolgt von Bentley – ein Paar wie Katze und Bär. „Hallo, ihr zwei“, rief Gina. „Gut geruht? Ist euch die Ente bekommen?“ „Prächtig“, erwiderte Alice. „Man kann's nur nicht fassen, dass dies der letzte Tag sein soll.“ „Im Sinne von gestern Abend“, sagte Reuss, „liegt auch ein Neubeginn in der Luft.“ Er spürte, wie Alice ihn mit einem trägen Blick streifte. Sie setzte sich, ohne darauf einzugehen. Also war es doch nicht mehr gewesen als ein Gedankenspiel ... Vages Bedauern breitete sich in ihm aus. „Was steht auf dem Programm?“, fragte Bentley. „Was immer Sie möchten, Alec“, antwortete ihm Gina. „Alles zwischen Kolumbus' Strand und Blaubarts Turm bei Fox Hill.“ „Na, das wär doch was für dich“, sagte Alice. „Spielst du auf mein Verkehrsdelikt an?“ Bentley wusste, dass Fox Hill auch die einzige Haftanstalt der Inseln war. In Miami, wo sich die beiden kennengelernt hatten, stand sein Wagen auf einem Platz mit beschränkter Parkzeit. Er hatte ihn da stehen lassen, um Hals über Kopf mit Alice nach Nassau zu fliegen – was Reuss durchaus verstand. „Eher auf andere Sünden“, sagte sie. „Zum Beispiel auf all deine Frauen.“ „Blaubart hat immer nur eine gehabt.“ „Genau das hatte er dir voraus.“ Ein kleines Geplänkel beim Frühstück. Was steckte dahinter? Es klang, als zögere Bentley, dem Lockruf zu folgen, weil er in den Staaten Familie hatte oder sonst wie gebunden war. Oder vertrug die romantische Idee, feste Jobs und Aufstiegschancen gegen ein freies Leben einzutauschen, überhaupt kein Tageslicht? Für jeden Normalbürger ein hirnverbrannter Schritt; aber die zwei waren kein Durchschnitt, ihnen traute Reuss es doch zu. Solange sie auf der Veranda saßen, wartete er auf ein klärendes Wort. Keiner von beiden sprach es. Und wie am Vorabend brachte er es nicht fertig, eine Frage zu wiederholen, der Alice ausgewichen war. Dabei wurde ihm bewusst, er stand ein wenig in ihrem Bann. Wie leicht wurde solch sanfter Einfluss zu wirklicher Macht ... Vermutlich war es doch besser, man ließ die ganze Sache ruhen.“

Die Druckausgabe des zweiten Schreyer-Titels dieses Newsletters, der Roman „Eiskalt im Paradies“, war erstmals 1982 beim Mitteldeutschen Verlag Halle-Leipzig herausgekommen. Wer ihn liest, der erinnert sich bestimmt an den im Newsletter vom 30. Juni dieses Jahres angekündigten Roman „Fremder im Paradies“, der bereits 1966 ebenfalls im Mitteldeutschen Verlag Halle-Leipzig erschienen war. Anderthalb Jahrzehnte später hatte Schreyer diesen Stoff noch einmal überarbeitet – mit derselben Hauptfigur: Indischer Ozean, Gegenwart. Auf Paradise Island trifft Danny Wolfe ein, englischer Ziviltaucher für extreme Tiefen. Sein Motto: Wo ich lande, da hat noch immer ein Wrack gelegen. Für die Royal Navy soll er einen Froschmann jagen, der - wohlgerüstet und mit bestem Alibi - den Sperrkreis des Marine-Stützpunktes durchbricht. Wolfe ist selbstbewusst, als Taucher ungeschlagen. Aber er steht im Schnittpunkt von Machtinteressen und erfährt nicht einmal, worum es wirklich geht. Gebremst von der Geheimhaltung und der Bürokratie in der britischen Abwehr, geschockt durch Tricks unter Wasser, verwirrt durch Rivalität und Doppelspiel an Land, wird er seines Auftrages überdrüssig. Er riskiert den Kopf für ein paar hundert Pfund, andere machen ein Vermögen. Jeder benutzt ihn, er ist auf sich allein gestellt. Wolfgang Schreyer veröffentlichte nach einer Zypern-Reise und eigenen Tauchversuchen 1966 sein Buch „Fremder im Paradies". 1982 hat er den Stoff noch einmal neu gestaltet. So entstand aus dem utopischen Erfolgsroman ein spannender Abenteuerroman. Ironie, Sarkasmus und salopper Stil schärfen den Blick für eine beklemmende Realität. Vor dem Hintergrund der Weltpolitik im Öl- und Krisengebiet des Mittleren Ostens liegen die Dinge jetzt in härterem Licht. Tauchen wir ab in das dritte Kapitel dieses spannenden Buches, das den Leser und die Leserin schnell in seinen Bann zieht:

„Das „Stardust“ lag grün und gläsern undurchsichtig wie ein Eisberg in der Sonne. Ich war mit Clark zum Frühstück verabredet, im Morningside-Room, der dank des Spannbetons über die Brandung schwebte. Lampen und Löffel, alles Metall funkelte rötlich, aus dem Kupfer der Decke quoll Musik, Cliff Richard sang „Fall in Love with You“. Ein Ort des Reichtums, der Elite; nur der Tarnung wegen war ich so einquartiert, als hätte man mich mit einem Admiral verwechselt. Doch es gelang mir nicht, das zu genießen. Der Eindruck des Verlassenseins und der Sorge untergrub meine Stimmung, als müsste irgendetwas schlecht ausgehen. Woher rührte dies? Von dem Auftrag, einem Spion nachzuspüren? Ich bezweifle, dass solche Gefühle leicht erklärbar sind; es scheint, sie kommen und gehen wie Ebbe und Flut.

Gleich ein paar Worte über dieses Haus. Sonst lebe ich weniger fein, der Kosten wegen und weil man Wracks selten nahe bei Nobelhotels findet. Mit Claudia fuhr ich in Herbergen, die nach Bratfett und Auspuff rochen. Manchmal nur traf ich's besser, wie damals, als es um den Haupttresor der „Andrea Doria“ ging, die bei 200 Fuß vor der US-Ostküste liegt. Dort hatte ich Ritchie dabei, hier war ich allein, vielleicht nahm das mir den Spaß. Was nützt die ganze Pracht ohne ein Mädchen oder zumindest einen Freund? Alles ist vom Bett aus erreichbar, bedienbar, das bestmögliche Liebesnest, aber leer ... Luxus kann Eindrücke steigern, es ist, als mache er einem das Herz leichter oder auch schwer. Ich fühlte mich ein bisschen wie ein herrenloser Hund.

Nahe dem Speiseband, das in festem Rhythmus zehn, zwölf Gedecke anbot, erwartete mich Clark. Er wollte mir Victor zeigen. Ein Taucher steht zeitig auf, die Helligkeit im Wasser steigt mit der Sonne, jeder lange Abstieg sollte vormittags beginnen, nach gehöriger Stärkung. Aber statt zu überlegen, wie Victors Bekanntschaft zu machen sei, fragte ich nach Mädchen, naiv wie ein Tourist. Da wird sich gar nichts tun, hatte Ritchie mir vorm Abflug erklärt – Mohammedanerinnen, verschleiert und bewacht ... „Stimmt es, dass man sie einsperrt?“ „Nicht ganz. Die wenigsten Männer können sich einen Harem leisten. Ein Mädchen kriegen Sie hier im Haus, von zwanzig Pfund an aufwärts. Außerhalb – Hände weg. Da endet das oft tödlich.“ „Ach, ich passe schon auf.“ „Tödlich für die Frau, Sir. Ein Mädchen, das vor der Ehe seine Jungfräulichkeit verliert, wird leicht vom Vater getötet.“ „Mord?“ „Die Regierung verfolgt so was nur lasch, sie kommt schwer an gegen uralte Sitten. Besser, man verschluckt seinen Stolz und zahlt. Sie können es sich leisten.“ Bei diesen Worten entfaltete Clark Papiere – ein Vertrag für mich mit den Durchschlägen für das Marineamt. Schnelle Arbeit! Es stand genau die Summe drin, die ich verlangt hatte. Er ließ mich fünfmal unterschreiben. „Scott ist ja wie ein Vater zu mir“, sagte ich in das glatte Lächeln hinein, das Clark aufgesetzt hatte. „Es freut mich, Sir, dass Sie ihn überzeugen konnten.“

Ich steckte das Original ein und fühlte mich schon besser. „Lassen wir den 'Sir'. Sie können mich Danny nennen.“ „Ich heiße Tom ...“ Ganz nüchtern kam Clark zum Geschäft, er gab mir Fotos von Victor: ein Mann um die fünfundvierzig, wuchtig, etwas fett. Dieses Gesicht! Schon der Name hatte mich von fern an etwas erinnert, doch es war ein Dutzendname, erst über den Bildern dämmerte mir, woher ich ihn kannte. Aus der Fachzeitschrift, auf die ich abonniert war. Ray Victor, ein Star der Unterwasser-Archäologie, er musste es sein. Clark bestätigte das. Er hatte den Lebenslauf des Mannes beschafft und sagte ihn her. Victor, Sohn eines Polarforschers, hatte in Havard alte Geschichte studiert, war Torwart der Universitätsmannschaft gewesen und dann Assistent am Institut für Hydroarchäologie in Princeton. Vor der libanesischen Küste hatte er eine Ruinenstadt entdeckt und sich einen Namen gemacht. Später leitete er das Komitee für Altertumsforschung im Weltverband der Taucher (Confédéracion Mondiale des Activités Subaquatiques). Er war dermaßen prominent, dass ihm kaum eine Regierung die Taucherlaubnis verweigerte. Deshalb, meinte Clark, habe man ihn nicht unauffällig abschieben können. Auch sei die Insel fast souverän, Großbritanniens Hoheitsrecht auf die Sperrzonen beschränkt. Man werde den Mann halt nicht los, ohne ihn in flagranti zu ertappen. „Ertappen? Vergessen Sie's. Der ein Spion? Niemals, bei seinem Ruf als Wissenschaftler und den Tieftauch-Rekorden!“ „Eben, die Rekorde ...““Da kennen Sie uns aber schlecht, Tom. Spionage, dazu gibt so ein As sich nicht her.“ „Es scheint eher eine Geldfrage. Kaufen lässt sich jeder.“

In meinen Ohren klang es, als spiele Clark auf den Vertrag an, den wir gerade geschlossen hatten. Aber man tut gut, Zweideutiges zu überhören. „Wie lange verdächtigt ihr ihn schon?“ „Er ist seit einer Woche im Visier.“ Das reizte mich nun doch, manchmal bin ich sensibel. Das Wort ließ an Filmszenen denken – ein Mann im Fadenkreuz des Zielfernrohrs –, an die Bereitschaft zur Gewalt. Aber Clark rückte das Bild zurecht: Scotts Büro gehöre nicht zu den Nachrichtendiensten, die vorschnell zur Waffe griffen; selbst wenn es eigene Leute verliere, wie das der Fall gewesen sei. „Sehr tröstlich.“ „Es gibt solche Geheimdienste, Mr. Wolfe. Aber letzten Endes ist das auch keine Lösung.“ „Schön, dass Sie so denken, Tom.“ „Jeder weiß, solche Dinge kommen meistens heraus. Selbst die missglückten Anschläge auf Castro, geplant mit Leuten der so schweigsamen Mafia, sind bis ins Detail bekannt geworden: Kontaktgift im Taucheranzug und so fort. Was sehr peinlich gewesen ist. Heute erteilt nicht mal die CIA mehr unbesonnen Mordaufträge; sonst wüssten wir es. Sie dürfen ganz beruhigt sein. Undenkbar, dass die Herren vom Marineamt etwas Derartiges erwägen. Das bekäme nämlich keinem. Man bringt es nicht zum Fregattenkapitän, ohne zu wissen, was Vorsicht im Dienst bedeutet.“

Ich hörte stumm zu, von der Sache kaum berührt. Für mich blieb es Konversation – Gerede, das das Warten verkürzt. Später erst ging mir auf, dass Gewaltanwendung hier gar nicht verworfen wurde; sie galt bloß als unzweckmäßig. Die Abwehr hielt nichts davon, aus technischen Gründen, ähnlich wie die Konkurrenz. Es kam zu oft heraus und schadete dann der Karriere. Natürlich blieben die Unglücksfälle. Meine zwei Vorgänger, die Scott erwähnt und auf die auch Clark eben angespielt hatte. Victors Tiefe oder sein Abstiegstempo mochten zuviel für sie gewesen sein, sie waren vielleicht erstickt und ins Meer hinausgetragen worden. Nun, das ängstigte mich nicht; ich war gut bis zu den sagenhaften tausend Fuß. Gewiss, die Folgen eines Unglücks und die eines Angriffs sehen sich da ganz ähnlich, wenn nicht gerade die Atemschläuche durchschnitten sind, wie es der Film gern zeigt. Aber den Gedanken schob ich weg, Victors Name schloss ein Verbrechen aus.

Trotz der Fotos verblüffte mich sein Auftritt. Victor kam behände, massig und grell – irgendetwas blitzte an ihm –, mit den sparsamen Bewegungen einer Robbe; sein breites Kreuz verdeckte eine Begleiterin. Der Haarschnitt, der freche Schlips oder die blauen Hosen verjüngten ihn auf etwas forcierte Art. Ein bewusster Effekt, fand ich, als Victor sich setzte. Das Geschöpf neben ihm war jung und zart, eine leicht exotische Erscheinung. Heller Teint, große dunkle Augen, langes glänzendes Haar – ja, ich war ganz geblendet. Um ihre Schultern lag ein Seidentuch, fantastisch gemustert, das die klaren Linien des Gesichts unterstrich. „Eine US-Reporterin namens Conway“, sagte Clark. „Sehen Sie lieber nicht so hin. Begleitet ihn seit drei Tagen ...“

Ich verbarg meine Neugier hinter der „Paradise Mail“, dem einzigen Blatt der Insel. „Für mich bitte nur Tee“, hörte ich Miss Conway sagen, sie schien auf ihre Figur zu achten – nun, darauf achtete ich auch schon die ganze Zeit. Victor bediente sie vom Band, er gewann in meinen Augen; ein bemerkenswerter Mann. Er hatte da ein Mädchen aufgepickt, um das er zu beneiden war. Sport, Wissenschaft und Spaß, er tat sich überall hervor. Spion konnte er nicht auch noch sein, es wär zuviel gewesen. Ich hätte mich gern ohne Arg mit ihm angefreundet. Leider wurde von mir anderes erwartet. Über den Zeitungsrand hinweg sah ich ihn zur Serviette greifen. Er betupfte seine Lippen, schien sich zu entschuldigen und stand auf. Im selben Moment stieg ein unerklärliches Geräusch aus dem Murmeln der Brandung, bis hoch an die Decke; es war, als klirrten dort die Kupferplatten mit. Ein Hauch von Nervosität wehte durch den Saal. „Die Studentendemonstration wird aufgelöst“, sagte Clark, stets von allem unterrichtet. „Man bläst Schlafgas ab – ein harmloser Typ, der unsere Liebesfähigkeit stärkt. Die Regierung geht sanft zu Werke, sie will lautlos beschwichtigen ... Alles träumt jetzt schön vor der Universität.“ „Was treibt sie denn den ganzen Tag?“ „Wer, die Regierung?“ „Dieses Mädchen da.“ „Anja Conway? Reist umher und schreibt über den Aufstand.“ Der dürre Wortwechsel bezeugte meine Verfassung, es zog mich zu Miss Conway hin; übrigens durchaus gegen mein Gewissen. Gestern noch hatte ich Claudia zum Abschied geküsst, wie konnte ich mich schon einer anderen zuwenden? War es gescheit, jede Frau auf das Maß an Glück abzuschätzen, das sie einem bringen mochte, nur damit einem nichts entging und man zuletzt nichts ausgelassen hatte? Und wie eigentlich beginnen? Ich trat an die Panoramawand, vor dem Riff lief jemand Wasserski, im reflektierenden Glas sah es aus, als flitze er auf Anja Conway los. Es gab keine Tischtelefone wie im Mascot-Tanzpalast von Southampton. Sollte ich ihr auf dem Speiseband eine Botschaft senden? Aber da ging ich schon selber auf sie zu, unaufhaltsam, in gefiltertem Licht, denn die Jalousie sank, von der Sonne berührt, automatisch herab. Ich bewegte mich wie in Trance, und die innere Stimme schwieg. Es muss ein Anfall gewesen sein, bewirkt durch dieses Gas, das dank einer Winddrehung, wie dann herauskam, in die Klimatisierung des „Stardust“ eingedrungen war. Miss Conway sah ganz entspannt ins Leere, jetzt blickte sie zu mir auf. Ich selbst war noch verdutzter als sie und hatte keine Ahnung, weshalb ich dastand und etwas so Sinnloses tat, wie meinen Namen zu murmeln und ihr Tee nachzugießen. „Wir kennen uns nicht“, hörte ich sie sagen, „aber es ist nett, dass Sie das tun.“ Manches Seltsame umgab uns. Der Boy, der nebenan das Geschirr wegräumte, sank auf einen Stuhl, den Mund zum Kuss gespitzt. Zwei Offiziere liebkosten einander in einer Weise, mit der sie ihren Ausschluss aus der Armee riskierten. Eine Greisin lächelte selig, jemand umarmte ihre Beine ... Nur das Speiseband lief korrekt, mit all den Gedecken, die keiner mehr nahm. „Miss Conway, achten Sie nicht darauf", kam es mir von den Lippen. „Einfach nicht hinsehen! Wir halten uns da ganz raus.“ Es war meine Pflicht, sie vor dem Hässlichen ringsum zu beschützen. Eine magische Kraft hatte mich zu ihrer Rettung an diesen Tisch geführt! Dies ist das Letzte, dessen ich mich klar entsinne. Die Sache ist dann noch ausgeschmückt worden von jenen, die das Gas etwas später traf oder die, wie der Hotelarzt Dr. Ibrahim und sein Personal, Schutzmasken trugen. Tom Clark, nur zehn Schritte abseits, doch auch schon gelähmt, sagte mir, ich hätte Miss Conway versichert, Taucher zu sein, und zwar der tiefste, was sie gut aufgenommen habe („Ich liebe Taucher“ – „Mein Leben lang hab ich nach dir getaucht“) und solchen Schwachsinn mehr. Von Ray Victor, der aus dem Waschraum zurückkam, stammt die boshafte Version, ich hätte von der anderen Seite des Speisebands aus versucht, seine Dame zu umarmen, und sei dabei auf das Band hinabgeglitten, so dass die Tabletts sich an mir stauten; ein Wasserfall aus feinstem Porzellan. Beim Absturz des Geschirrs sei ich mit dem Ruf hochgeschreckt: „Alles wird gut auf Paradise Island, weil du so sexy bist.“ Wohl um mich restlos madig zu machen, fügte er hinzu, ich hätte dabei den Bauch einer Teekanne getätschelt. Andere Zeugen haben dem deutlich widersprochen. Auch namhafte Leute sind eben nicht frei von Klatsch- und Eifersucht; ich nahm es ihm nicht übel, dass er in mir gleich einen Rivalen sah.

Trotzdem, es ist ein Fehlstart gewesen, das künstlich aufgeputschte Verlangen hat meinen Auftrag gefährdet, jedenfalls den Kontaktwunsch enthüllt. Chemische Kriegführung, das Eros-Gas zählt ja dazu, scheint eine ziemlich zweischneidige Waffe. Wie oft durchkreuzen die Mächtigen der Welt derart ihre eigenen, höchst abgefeimten Pläne!“

Ebenfalls sehr spannend liest sich „Schild überm Regenbogen – Anflug Alpha 1“von Wolfgang Held, erstmals 1973 beim Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik erschienen: Wolfgang Held erzählt in diesem Roman von einem der faszinierendsten Berufe, die es gibt: dem des Fliegers. - Wie silberne Speere stoßen die schlanken Maschinen in das Blau des Himmels. Auf ihren Flügeln blitzen die Strahlen der Morgensonne; tief unten zerschmelzen ein paar Wolkenreste in der Wärme des aufziehenden Tages ... Das Leben eines Piloten ist schwer und voller Verantwortung. Leutnant Lenz verliert für Sekunden die Nerven und vertraut den Instrumenten nicht mehr. Fliegt die MiG noch horizontal, funktioniert der Autopilot? Die Überschallgeschwindigkeit stellt höchste Anforderungen an die Kondition und Konzentration der Piloten. Leutnant Lenz muss katapultieren. Aber die Genossen der Kette Milan halten zu ihm, beweisen echte Kameradschaft, und auch seine Freundin Anke besteht die Bewährungsprobe. Wolfgang Held berichtet von Fliegern, tapferen Frauen, von Mut und Liebe. „Schild überm Regenbogen“ ist ein Buch voller Spannung und Abenteuer. Es schildert die Begeisterung junger Menschen für das Fliegen und beschreibt ihre Gedanken und Gefühle. Das Buch entstand nach dem gleichnamigen DEFA-Film „Anflug Alpha eins“ (Regie: János Veiczi) aus dem Jahre 1971 mit Alfred Müller, Stefan Lisewski, Peter Aust, Jürgen Frohriep, Jutta Wachowiak, Gerry Wolf und vielen anderen. Leutnant Lenz wurde von dem vor allem aus dem DEFA-Antikriegsrama „Die Abenteuer des Werner Holt“ (1965) bekannten charismatischen Darsteller Klaus-Peter Thiele gespielt. Wie sein Pendant „Hart am Wind“ diente auch „Anflug Alpha eins“ der Werbung für die Nationale Volksarmee und entstand in enger Kooperation mit den Luftstreitkräften der NVA. Der Untertitel lautet: „Ein Film über Mut, Liebe und Bewährung“. Allerdings bekam die wahrscheinlich teuerste DEFA-Produktion aller Zeiten nach ihrer Kino-Premiere nicht nur positive Kritiken. So lobte die kürzlich verstorbene, berühmte DDR-Filmkritikerin Renate Holland-Moritz, die Kino-Eule zwar das „in ihm enthaltene dokumentarische Material über die gefahrenvolle und dennoch schöne Arbeit unserer Piloten“, das „informativ und interessant (sei), und das gewiß nicht nur für technisch ambitionierte und abenteuerlustige Jugendliche“. Über die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen, den eigentlichen Spielfilm also, „wollen wir stumm und ergriffen den Mantel der Nächstenliebe […] breiten“, so Holland-Moritz im Satire-Magazin „Eulenspiegel“ süffisant.

Aber vom Film zurück zum - wie fast immer bei Wolfgang Held - dem cineastischen Projekt nachfolgenden literarischen Projekt. So liest sich das Buch von Wolfgang Held, der auch das Drehbuch zu dem DEFA-Film geschrieben hatte: „Die Wolken sind wie Wände aus Watte. Die MiG mit der Nummer fünf-null-dreiundzwanzig auf dem schlanken Rumpf schwankt, als werde sie von Sturmböen geschüttelt. Die grauen, dichten Schleier teilen sich vorn nur zäh und fließen hinter der Maschine sofort wieder ineinander. Es gibt für den Piloten keinen Himmel und keine Erde mehr, kein Oben und kein Unten. Der Horizont ist im fahlen Nebel ertrunken.

Schweißperlen glitzern auf der Stirn des Mannes, dessen Hände den Steuerknüppel umklammern. Seit Minuten ist jeder Muskel seines Körpers gespannt wie unter einer Zentnerlast. Seine Lippen sind verkrampft, in den Augen flackert Ratlosigkeit. Es ist ein Gesicht, in das die Angst ihre Zeichen schreibt. Siegfried Lenz wird von Illusionen genarrt. Begonnen hat es damit, dass er plötzlich die Messwerte der Bordgeräte anzweifelte. Der künstliche Horizont zeigte korrekten Geradeausflug an, aber eine innere Stimme flüsterte ihm zu, er flöge in Schräglage. Er verließ sich auf sein Gefühl und korrigierte die Lage der Maschine allein nach seinen Empfindungen. An der Armaturentafel pendelte sich die Anzeige des künstlichen Horizonts auf erhebliche Schräglage nach der linken Seite ein.

Halt dich an die Instrumente, befahl seine Vernunft. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass dich Illusionen in die Zange nehmen. Du bist immer damit fertig geworden. Konzentrier dich! Die Instrumente sind unbestechlich. Zögernd betätigte er die Steuerung, doch wenig später siegte erneut der innere Zweifel. Die Skalen und Kontrolllämpchen wurden für ihn zu Irrlichtern, die ihn narren wollten. Jetzt hat der Leutnant den Punkt erreicht, an dem er völlig ohne Orientierung ist. Er weiß nicht mehr genau, ob er im Steil- oder im Sturzflug dahinjagt. Die Maschine ist schneller als der Knall eines Schusses. Eingezwängt in einen Kabinenkäfig, umgeben von undurchdringlichem, beklemmendem Nebel, wird er von der Vorstellung gepeinigt, ins Leere zu stürzen. Wie viel Sekunden noch bis zum Aufprall? Seine Hände sind wie gelähmt.

„Fünf-null-dreiundzwanzig! Hier spricht Alpha zwei!“, dröhnt es ihm aus dem Kopfhörer in die Ohren. „Nehmen Sie Verbindung mit Alpha eins auf!“ „Alpha zwei, verstanden! Melde mich bei Alpha eins.“ Seine Stimme klingt rau. Sein Blick hetzt über die Armaturen. Er nimmt eine Hand vom Steuerknüppel und dreht überhastet am Kanalwähler. Im Kopfhörer bleibt es still. Eine unbedachte Bewegung mit dem Steuerknüppel verstärkt noch das Schwanken der Maschine. Seine Nervosität wächst. Endlich findet er den richtigen Kanal und meldet sich. Major Schrader lässt sich nicht anmerken, dass er innerlich aufatmet. Er verlangt von Siegfried Lenz Angaben über Kurs, Höhe und Entfernung. „Fliegen Sie mein Funkfeuer an!“, befiehlt er dann in klarem und sehr bestimmtem Ton. „Nehmen Sie die von Alpha zwei befohlene Höhe von null-vierzig ein!“ Siegfried Lenz atmet hastig, und sein Blick irrt hinaus in den Wolkennebel, sucht irgendwo eine Lücke, eine Handbreit vom Blau des Himmels. Nichts als nasses, trostloses Grau. Seine Finger krampfen sich um den Steuerknüppel. Die Maschine steigt, ist bereits auf fünftausend Meter Höhe. Da meldet aus dem Lautsprecher des Wechselsprechgeräts in der Flugleitung eine sachliche Stimme: „Genosse Major, die Fünf-null-dreiundzwanzig fliegt das Funkfeuer nicht an, hat zurzeit einen Kurs von zweihundertvierzig Grad.“ Unwillig schüttelt Major Schrader den Kopf. Dann beugt er sich ein wenig näher zum Mikrofon. „Fünf-null-dreiundzwanzig! Geben Sie mir Ihre Flugparameter!“ Ein paar Sekunden vergehen, ehe die Antwort kommt. „Mein Kurs ist zurzeit zweihundertvierzig ... Kurve wieder auf befohlenen Kurs ... Höhe nulldreiundfünfzig ... Nehme befohlene Höhe null-vierzig ein!“ Wieder wiegt Major Schrader den Kopf. Die Antworten des Flugzeugführers kommen ihm zu überstürzt. „Kann er 'raus aus den Wolken?“, fragt er den Meteorologen. „Nein!“, lautet die Antwort. „Die Obergrenze ist inzwischen zu hoch, die Untergrenze zu niedrig.“ „Verdammt!“, flucht Major Schrader, hat sich aber gleich wieder in der Gewalt. „Dann muss er in dem befohlenen Flugregime damit fertig werden. - Unser Fridolin!“ Dieser Spitzname klingt plötzlich gar nicht mehr spaßig. Major Schrader drückt die Taste des Wechselsprechgeräts. „Landesystem! Beachten Sie genau den Flugweg der Fünf-nulldreiundzwanzig! Geben Sie alle Kommandos klar und ruhig. Genosse Lenz hat Illusionen.“ „Verstanden!“, klingt es aus dem Lautsprecher. Der Major schaltet wieder das Sprechfunkgerät ein, das ihn mit Siegfried Lenz verbindet. „Fünf-null-dreiundzwanzig! Hier Alpha eins. Konzentrieren Sie sich auf die Geräte. Nehmen Sie Horizontalflug nach dem künstlichen Horizont ein ... Vergleichen Sie mit den anderen Geräten!“ In seiner Stimme ist nichts von der Sorge und der Erregung zu spüren, die ihn bewegen. Er spricht so, als sei alles nur eine Übung am Flugsimulator. Er will, dass die Radiowellen nicht nur seine Worte, sondern auch seine Besonnenheit auf den Flugzeugführer oben in der MiG übertragen. „Melden Sie mir die anliegenden Regimes!“ Zwei, drei stumme Sekunden. „Hier Fünf-null-dreiundzwanzig. Mein künstlicher Horizont ist ausgefallen ... Höhe nullfünfundzwanzig. - Ich befinde mich in der Rückenlage ... Nein, nicht ... Doch, in der Rückenlage!“ Major Schrader stößt mit einer heftigen Bewegung seine Schirmmütze in den Nacken, aber seine Stimme bleibt ruhig. „Schalten Sie das Horizontalflugregime des Autopiloten ein!“, ordnet er an. Vor Spannung wird ihm der Kragen zu eng. Jetzt reiß dich am Riemen, Fridolin, denkt er beschwörend. Du darfst dich nicht selbst verrückt machen. Dein künstlicher Horizont ist in Ordnung. Begreif doch, dass der Defekt allein hinter deiner Stirn sitzt. Mit dir selbst musst du jetzt fertig werden, Junge. - Mit dir! Und das schaffst du auch! „Fünf-null-dreiundzwanzig. Mein Autopilot ist ausgefallen! Er arbeitet nicht“, klingt es wie ein verzweifelter Hilferuf heiser aus dem Lautsprecher. Der anwesende Unteroffizier schaut den Major an. „Er wird nicht damit fertig, Genosse Major“, sagt er, und sein Blick ist eine stumme, ernste Frage. Der Flugleiter versteht sie.

„Welche Höhe liegt an?“, fragt er beherrscht ins Mikrofon. „Höhe null-zwanzig!“, antwortet Siegfried Lenz. Hinter der Stirn des Majors jagen sich die Überlegungen. Katapultieren? Die teure Maschine aufgeben? Gibt es keinen anderen Weg, den Leutnant unbeschadet zur Erde zurückzubringen? Er weiß, dass ihm nur wenige Sekunden für eine Entscheidung bleiben, die ihm niemand abnehmen kann. Er ist der Flugleiter, er allein trägt die Verantwortung. Er muss alle Möglichkeiten blitzschnell abwägen. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, dass Siegfried Lenz schon in zwei Minuten zu logischem Denken und Handeln zurückfindet und die Maschine sicher landet. Es kann aber auch passieren, dass er bereits in einer Minute mit Überschallgeschwindigkeit im Sturzflug bodenwärts jagt, in einen Acker stößt, in eine Ortschaft ... Nein! Major Schrader braucht nicht viel Fantasie, um sich die Auswirkungen einer solchen Katastrophe vorzustellen. Eine MiG ist zwar teuer, aber ein Menschenleben unersetzbar! „Fünf-null-dreiundzwanzig!“ Seine Miene verrät, dass er den Entschluss gefasst hat. „Hier Alpha eins. - Katapultieren Sie!“ Dann wendet er sich an den Unteroffizier und befiehlt, Rettungsalarm auszulösen. Danach wiederholt er: „Hier Alpha eins. - Katapultieren Sie! - Katapultieren Sie!“ Wolkenfetzen rasen am Kabinenfenster vorbei. Die klare, kühle Stimme des Majors dringt ins Unterbewusstsein des völlig verstörten Siegfried Lenz. Aussteigen! Er zögert. Was wird mit der Maschine? Sie darf niemanden in Gefahr bringen. Bin ich auf Nordkurs? Noch zehn Sekunden, Genosse Flugleiter! Noch fünf Sekunden ... „Katapultieren Sie!“ Jetzt ist der Kommandoton wie ein Hieb. Siegfried Lenz reagiert automatisch. Tausendfach geübte Griffe entscheiden nun über sein Leben. Das Kabinendach wird fortgerissen. Der Treibsatz zündet und schleudert den Sitz mit dem Flugzeugführer von der stürzenden Maschine weg. Gleich darauf löst sich Mann und Gerät. Über Siegfried Lenz öffnet sich mit lautem Knall der Fallschirm. Er fällt pendelnd einer glatten, grüngrauen Fläche entgegen. Die Ostsee! Seine Beine stechen wie Dolche ins Wasser, und im nächsten Augenblick trifft ihn ein Schmerz, als tauche er in glühende Lava. Ein riesiger, schwarzer Rachen schnappt nach ihm, und alle Lichter verlöschen. Leutnant Lenz hat das Bewusstsein verloren.“

Der zweite Titel von Wolfgang Held, der in diesem Newsletter präsentiert wird, heißt „Im Netz der weißen Spinne“ und erschien 1972 beim Kinderbuchverlag Berlin: Sieben Jungen und Mädchen finden im Fluss einen Behälter. Er bringt höchste Gefahr. Gift ist in den Strom geraten. Wer produziert solch gefährliche Giftstoffe? Und wozu? Wer ist verantwortlich für ihre Verwahrung? Wolfgang Held hat in dieser spannenden Erzählung Fragen gestellt und beantwortet, die noch immer von Bedeutung sind. Er sieht nicht nur die Erscheinungen, sondern erklärt auch Ursachen und Zusammenhänge. Die Überzeugungskraft erwächst aus ihrem dokumentarischen Boden. Die Fantasie des Autors hält sich an Tatsachen, die uns in Erinnerung sind und täglich neu entstehen können ...

Hier ein Auszug aus „Im Netz der weißen Spinne“ vom Beginn des ersten Kapitels, das überschrieben ist mit „Die Insel der sieben Robinsone“:

„Tcha, dann hätten wir wohl wieder mal 'ne Woche hinter uns“, schnarrte Kapitän Berthold und paffte eine dicke Wolke aus seiner Tabakspfeife. Der Krüll von der billigsten Sorte stank wie angebranntes Sofa. Es gab nur wenige Leute, die es in diesem beißenden Dunst auf der Kommandobrücke länger als fünf Minuten aushielten. Steuermann Lobbes war solche Ausnahme. Er fuhr bereits im zwölften Jahr neben Kapitän Berthold auf dem weißen Fahrgastschiff, das den eindrucksvollen Namen „Rheinkönig“ trug. „Mit Gottes Hilfe“, bestätigte Lobbes zufrieden die Feststellung seines Chefs. Für einige Sekunden verlor sich der Blick des Steuermanns träumerisch über dem träge dahinfließenden Strom, der hier zwischen Nierenstein und Gernsheim schon nahezu einen halben Kilometer breit war. Lobbes dachte an saftigen Schweinebraten und an Faulenzen in einem weichen Sessel und an sehr viel Bier. Er leckte genüsslich seine Oberlippe. „War mächtig lang gewesen, diese Woche“, meinte er. „Und damit Sie es nicht vergessen, Käptn: Morgen ist mein freier Sonntag!“ „Hm, hm“, klang es dumpf hinter dem klobigen Pfeifenkopf hervor. Kapitän Berthold äugte interessiert stromaufwärts. Backbord voraus kam die Teufelskralle in Sicht.

Die lang gestreckte Insel verdankte ihren geheimnisvoll-gruseligen Namen einer Sage, in der behauptet wurde, dass der Beelzebub vor vielen Hundert Jahren auf einem Spaziergang Gefallen an diesem weiten, freundlichen Rheintal gefunden habe und auf den Gedanken gekommen sei, die schöne Landschaft mit hinab in sein unterirdisches Reich zu nehmen. Doch als er dann zupackte, empörte sich der Rhein gegen den obersten Teufel, schäumte gewaltig auf und schlug ihm mit ungeheuren Wellen sämtliche Fingernägel ab, die nun als Eilande im Strom lagen. Nach jener schmerzhaften Niederlage, so schworen die Bewohner des Tales jedem Besucher, habe sich der Teufel nie wieder in der Gegend blicken lassen, und deshalb gediehen hier in den Wein- und Obstgärten die Früchte besser als irgendwo sonst in der Welt.

Der „Rheinkönig“ passierte auf seiner Linienfahrt Koblenz—Mainz—Ludwigshafen und zurück zweimal am Tag die Teufelskralle. Immer, wenn dort am Mast auf der Südspitze die seltsame Fahne mit dem schwarzen Totenkopf und den gekreuzten beiden Rosen darunter gehisst war, wusste Kapitän Berthold auch ohne Blick zum Kalender, dass wieder ein Wochenende begonnen hatte. Jedenfalls galt das für die Zeit von Mitte Mai bis Anfang Juli. Wenn erst die Sommerferien angebrochen waren, wehte die Fahne auch werktags am Mast. Sie verriet jedem, der es wissen wollte, dass die Insel bewohnt war. Der Totenkopf und die gekreuzten Rosen bedeuteten: Achtung, sieben Robinsone haben die Teufelskralle besetzt und wünschen keine Störungen! „Möchte wissen, wo sie heute stecken“, murrte der Kapitän und zog dreimal kurz hintereinander den Griff für das Signalhorn. Dreimal bebte die Luft. Es dröhnte vom Deck des „Rheinkönigs“ über den Strom, als trompeteten zwei Dutzend wilde, zornige Elefanten. Die Passagiere auf dem Vorschiff reckten erschrocken die Hälse. Einige Überängstliche schauten sich vorsichtshalber schon nach Rettungsringen um. Der Steward hatte Mühe, die Gäste zu beruhigen und ihnen begreiflich zu machen, dass es sich bei dem dreifachen Getöse keineswegs um einen Notruf, sondern um einen Gruß des Kapitäns an seine jungen Freunde auf der Insel an Backbord handle. Nun hielten ein halbes Hundert Augenpaare neugierig nach den Insulanern Ausschau.

Die Teufelskralle hatte die Form einer schwimmenden Zigarre und maß von einem Ende zum anderen ungefähr zweihundert Meter. Die genaue Länge ließ sich nicht bestimmen, weil sie mit sinkendem Wasserstand wuchs und mit steigendem Pegel schrumpfte. Außerdem hatten ein paar Wissenschaftler festgestellt, dass die Strömung alljährlich etliche Zentimeter Land von der Südspitze fortspülte und am nördlichen Ende ablagerte. Die größte Breite hatte das Eiland mit fast dreißig Metern etwa in der Mitte. Birken, Buchen und Linden hielten mit ihren Wurzeln den sandigen Boden fest und verteidigten ihn bei jedem Hochwasser. Zur Uferseite hin gab es einige knorrige Weiden, die wie Wächter an einer kleinen Bucht standen. Hier war vom Strom ein schmaler Sandstreifen angeschwemmt worden, und an dieser Stelle befand sich zudem der einzige Anlegeplatz, ein stabiler Bootssteg. Dichtes Buschwerk schützte die stillen Lichtungen im Inselinneren vor unerwünschten Blicken und behütete die friedliche Ruhe. Im Gezweig nisteten viele Arten von Vögeln, und die große Kaninchenfamilie brauchte hier ebenso wenig wie die Sippe der Eichhörnchen Fallen oder Flinten zu fürchten. Die Robinsone hatten von Anbeginn an alles Getier auf ihrer Insel für heilig und unantastbar erklärt.

„Na also!“ Ein breites Schmunzeln verdoppelte die Falten und Fältchen im Wettergesicht des Kapitäns. Drüben auf der Insel löste sich eine hellhäutige Gestalt aus dem Grün des Dickichts. Ein ziemlich dürrer, hoch aufgeschossener Junge mit einer merkwürdigen Haartracht, die einer Mischung aus Löwenmähne und Fransenbesen glich. Er war nur mit einer knallroten Badehose bekleidet und trug eine Brille mit auffallend großen, runden Gläsern. Der Kapitän erkannte ihn sofort. Während seines Urlaubs im vergangenen Jahr hatte sich der alte Fahrensmann eines Tages ein kleines Motorboot ausgeliehen und der Insel einen Besuch abgestattet, weil er gar zu gern herausbekommen wollte, was es mit diesen Robinsonen auf sich hatte. Aus diesem unangemeldeten Besuch war eine Freundschaft geworden. „Das ist Mix“, sagte der Kapitän, obwohl auch Steuermann Lobbes längst alle jungen Insulaner mit Namen kannte. „Wenn das meiner wäre, würde ich ihn mal unter den Rasenmäher halten“, meinte er bissig, weil er langhaarige Jungen nicht ausstehen konnte. Der Kapitän warf ihm einen geringschätzigen Blick zu. „Klingt verdammt komisch, wenn einer so was meckert, der sich mit einem Waschlappen kämmen kann“, spöttelte er, denn Lobbes' ausgebeulte Schiffermütze verbarg eine spiegelblanke Glatze. Der Steuermann kniff ein wenig die Augen zusammen und starrte angestrengt über den Bug. Für ihn war dieses Thema abgeschlossen.

Armin Breitmann, von seinen Freunden aus unerklärlichen Gründen kurz Mix genannt, war der Eigentümer dieses knapp fünfzig Meter vom Ostufer entfernt im Rhein liegenden Eilandes. Er hatte es ein Jahr zuvor als Geschenk zum Geburtstag bekommen. Sein Vater, der Fabrikant Hugo Breitmann, liebte solche Überraschungen. Mehr als siebenhundert Frauen und Männer arbeiteten für ihn in seinen Kaffeeröstereien, Fuhrparks und Spezialverkaufsstellen. Breitmann-Mokka war bekannt und brachte Gewinn. Armins Vater besaß einen weißen Bungalow im vornehmsten Viertel von Altweil, zwei sehr teure Autos, eine Berghütte in den Alpen und ein Wochenendhaus an der spanischen Mittelmeerküste. Außerdem hatte Hugo Breitmann Ideen. Nicht nur, wenn es darum ging, der Konkurrenz eins auszuwischen oder noch einigen Tausend Leuten mehr einzureden, dass wirkliches Glück auf dieser Erde nur nach dem Genuss von Breitmann-Mokka zu finden sei. Der Mann ließ sich auch stets etwas Originelles für die familiären Feste einfallen. So hatte er seine Frau am zwanzigsten Hochzeitstag mit einem springlebendigen, zahmen Reh überrascht, und seine Tochter bekam im gleichen Jahr für ihr bestandenes Abitur eine gut gehende Tankstelle samt Personal, deren monatlicher Reinertrag ihr seitdem als Taschengeld zur Verfügung stand. Die Teufelskralle hatte er seinem Sohn gekauft, weil der Junge sich schon lange einen Platz wünschte, an dem ihn niemand herumkommandieren, schulmeistern oder wegen der Staubwedelfrisur aus der Ruhe bringen konnte. Nach der Anfangsfreude kam der Fabrikantensohn allerdings bald dahinter, dass es allein auf einer solchen Insel schnell langweilig wird. Er sprach deshalb mit einigen Mädchen und Jungen aus seiner Klasse, und bald darauf gründete er gemeinsam mit vier Schülerinnen und drei Schülern den Klub der Robinsone. Das erste gemeinsame Wochenende auf der Teufelskralle lag nun allerdings schon länger als ein Jahr hinter ihnen.“

Das fünfte und vorletzte Angebot entführt uns in ein noch immer eher unbekanntes Land. „Im Lande der weißen Kamele. Chronik einer Stippvisite“ von Egon Richter war erstmals 1986 im Hinstorff Verlag Rostock herausgekommen: Sie hatte noch nie ein Erdbeben erlebt, aber so - hatte sie das Gefühl - müsste es sich ankündigen: ein undefinierbares Dröhnen, ein Zittern des Bodens, eine gelbgraue Wolke, die vom Horizont her auf sie zutrieb, dann ein Donnern und Schlagen und endlich, wie zum Niederstampfen auf sie angesetzt, der Pulk der Kamele: Die Hälse hochgereckt, trompetend, blökend, rasten die Tiere auf sie zu. Philipp schrie, sie solle sich um Gottes willen zurückhalten, aber dazu war sie nicht hergekommen, und trotz der beklemmenden Furcht, die sie vor der Urgewalt der anstürmenden Leiber ergriffen hatte, trat sie ihnen entgegen. Gewiss, sie musste hin und her springen vor oder inmitten der stampfenden, sich gegenseitig bedrängenden Kamele, die wie eine gelbbraune, helle, ockerfarbene Masse um sie herum wogten, von den beiden berittenen Hirten mit Stöcken und Hunden in Schach gehalten. Aber es gelang ihr, diesen freien Geschöpfen nahe zu sein, ihren herben strengen Duft einzuatmen und wenigstens einen Augenblick in ihre großen lidlosen Augen zu sehen, in denen sich die ganze Welt zu spiegeln schien. Jetzt wusste sie, was es bedeutete, wenn die Einheimischen die Schönheit mit dem Kamelauge verglichen. Es kam keine Ruhe in die Herde, sie strebte davon, suchte der Menschenhorde zu entfliehen. Die Hirten stiegen keinen Augenblick aus dem Sattel, und kaum, dass sie gekommen waren, jagten sie pfeifend und rufend mit der Herde zurück in die ruhevolle heimische Steppe. Es war wie ein Spuk, und minutenlang fragte sie sich, ob sie dies eben wirklich erlebt hatte ... Sie aber stand neben den Akazienbüschen und blickte der schnell sich entfernenden Staubwand nach. Sie hatte das Gefühl, ihr entschwände ein Stück Welt, das sie niemals wiederfinden würde ...

Solche und andere Erlebnisse abenteuerlicher, seltsamer oder alltäglicher Art schildert Egon Richter in seiner interessanten Reisereportage aus einem fernen Land, wo zwischen den Bergen Ostsibiriens, der Mongolei und Chinas der britische Weltreisende Carruthers im Kohlfeld eines Siedlers den Mittelpunkt Asiens markierte, Regierung und Parlament sich in einem hölzernen Blockhaus versammelten und bunte dreieckige Briefmarken mit französischem Text den Namen des unbekannten Staates über die Welt trugen: TUWA.

Aber hören wir einfach mal zu: „Was konnte sie über Tuwa erzählen? Jetzt, in dieser Stunde zwischen Dämmerung und Nacht, am Ende der langen Betonbahn des Zwischenlandeplatzes, umgeben von der schwarzen Mauer des Waldes, frierend im kühlen Wind und im nässenden Nieselregen, dachte sie zuerst an die Sonne. Sie sah zu Philipp hinüber, der in dem kleinen Häuflein Passagiere schweigend die Arbeit der Monteure beobachtete und auf dessen heller Windjacke sich dunkle Feuchtigkeit auszubreiten begann, und sie fragte sich, ob auch er jetzt an Tuwas strahlende Sonne dachte. Jedoch war sie fast sicher, dass ihn andere Überlegungen beschäftigten. Historische vielleicht, völkerkundliche oder gar wirtschaftliche, auf jeden Fall solche, die sie „sachlich und nüchtern“ zu nennen pflegte. Falls er, eingekreist von Regenschwaden, überhaupt Überlegungen anstellte und nicht nur argwöhnisch dem Mühen der Monteure zusah, berechnend, dass - sollte diese Arbeit sich noch länger verzögern - kaum Chancen bestünden, das Anschlussflugzeug nach Europa zu erreichen. Nein, sie war sicher, dass Philipp nicht an die Sonne dachte. Er nahm die Natur wahr und hin wie die Luft zum Atmen. Sie stellte nichts Besonderes für ihn dar, nichts immer wieder Außergewöhnliches. Sie war für ihn weder Anlass noch Gegenstand, über die es sich nachzudenken lohnte:

Sie war da, und das genügte. Manchmal war sie erfreulich und bisweilen ärgerlich, sie beförderte oder behinderte sein Tun, aber sie erregte ihn nicht. Er mochte Katzen und hasste Hühner, von denen er behauptete, sie seien die dümmsten Geschöpfe auf Gottes Erde, und er war durchaus imstande, angesichts des harmonischen Farbenspiels einer Landschaft festzustellen, die sehe aus wie eine Werbepostkarte für Technicolor. Philipp war ein Organisationsfanatiker: Noch bevor sie irgendwo eintrafen, wusste er genau, was und wohin er wollte. Er verfügte über Termin- und Fahrpläne, über exakte Zielvorstellungen und über ein gerüttelt Maß Erfahrungen in und mit diesem Kontinent. Er hatte ihn durchstreift, durchflogen und durchfahren, er kannte seine Gegebenheiten und Beschwernisse, und er wusste aus eigenem Erleben, welche Folgen ein Dauerregen, ein verpasstes Flugzeug oder eine Autopanne in der Steppe haben konnten. Ohne ihn wäre sie hilflos gewesen in der Unendlichkeit dieses fremden Erdteils, und sie war ihm dankbar für die Sicherheit, die er ihr einflößte.

Philipps „Nüchternheit“ aber störte sie. Manchmal, wenn diese Tatsache in ihr Bewusstsein drang, keineswegs häufig, kam ihr Philipp wie ein Fremder vor. Das verging rasch, aber nie für immer. In den frühen Jahren ihrer Ehe hatte sie oft versucht, Philipp etwas von ihren Neigungen einzupflanzen. Sie hatte ihn ermuntert, mit ihrem Vater zum Fischen hinauszufahren, morgens, wenn das Licht des Tages noch jung war, und immer in der Hoffnung, er würde Ähnliches dabei erleben wie sie: den Farbwechsel des Sonnenaufgangs, der ihr stets wie der Beginn des Lebens vorkam, das Rollen der Rohrdommeln im Schilf, das wie ein Abgesang der Nacht wirkte, oder das Klingeln der Lerche, wenn sie hoch über Strom und Feldern den Tag einläutete. Aber immer hatte sie vergeblich auf Äußerungen dieser Art aus seinem Mund gewartet. Er hatte mit ihrem Vater nur über die Technik des Reusenfischens debattiert, über Stellnetze und Glühkopfmotoren und endlich, beim Frühstück, wenn ihre Mutter Speckeier und heißen Kaffee auf den Küchentisch gestellt hatte, über ihres Vaters Seefahrerzeiten, die Volksbräuche auf Samoa, die listigen Händlertaktiken in Schanghai und schließlich über die Seeschlacht im Skagerrak und die Kieler Matrosen. Aber von der schwirrenden Lerche war niemals die Rede gewesen. Nicht, dass sie eine lebensfremde Schwärmerin war, das ganz und gar nicht! Seit sie vor mehr als dreißig Jahren ihr naturwissenschaftliches Studium beendet hatte, schlug sie sich im Labor ihres Betriebes tagtäglich nicht nur mit Säuren, Basen, Salzen und Farben herum, sondern auch mit Plankennziffern und Wettbewerben, mit Materialmangel und unsinnigen Verpflichtungen, mit kärglichen Erfolgen und viel zu oft mit Leuten, denen das alles gleichgültig war. Oft hatte sie vieles davon allein ertragen und durchstehen müssen, ebenso wie die Sorgen und Freuden mit den Kindern, weil Philipp wieder wochenlang in der Weltgeschichte herumreiste. Wenn in solcher Zeit betriebliche Hektik, das Gestrüpp von Plankorrekturen, Beratungen und Versammlungen sie niederzudrücken drohten, war sie in den Wald vor der Stadt gelaufen oder an die hellen Ufer des steinigen Strandes, und das Wispern der Bäume oder das Rauschen des Meeres hatten ihr Ruhe, Freude und Sicherheit wiedergegeben.

Philipp dagegen fand seine größte Befriedigung in unablässiger Betriebsamkeit. Je kunterbunter das Leben mit ihm umsprang, desto wohler fühlte er sich. Stille und Ruhe machten ihn nervös, ohne prall gefüllten Terminkalender war er nur ein halber Mensch. Vielleicht war es gerade diese immer tätige Beweglichkeit, die sie an ihm liebte. Vielleicht liebte man im anderen immer das, was man selbst nicht besaß? Dennoch hätte sie ihn gern zu manchen ihrer Neigungen hinübergezogen, aber solchen Absichten entzog er sich. Und er lachte nur, wenn sie ihm im heimischen Datschengarten, in dem er alle schweren Arbeiten zwar knurrend, aber mit größter Präzision erledigte, vorwarf, dass er einen Blaustern nicht einmal von einem Krokus unterscheiden könne. Nein, sie war sicher, dass er nicht an Tuwas Sonne dachte in dieser scheußlichen Regennacht, in der ein Jeep die Monteure endlich dem schlierigen Licht des Flughafengebäudes entgegenfuhr und Philipp sie über die kurze Leiter in die warme Kabine schob. Dennoch konnte sie sich nicht enthalten, ihn zu fragen: Was denkst du? Und es überraschte sie nicht, dass er, als er ihr die nasse Jacke abgenommen, ihren Sicherheitsgurt befestigt und sich selbst auf dem Sessel neben ihr zurechtgerekelt hatte, seine Hand auf ihren Arm legte und erklärte: Ach, Eule, woran denke ich? Das ist wieder eine deiner typischen Fragen - ich denke gar nicht, ich schlafe jetzt, wir haben noch sechs Stunden vor uns in dieser luftigen, schwarzen Höhe, und die sollten wir nutzen.“

Kommen wir wieder zurück nach Europa und Mecklenburg-Vorpommern, Godern und in die Gegenwart und schließen wir mit zwei interessanten Hinweisen auf Wolfgang Schreyer, der sein Buch „Eiskalt im Paradies“ einem gewissen Hubert v. Blücher gewidmet hat. Wer ist Hubert v. Blücher fragt man sich und erfährt die Antwort von Wolfgang Schreyer selbst. Und zwar in seinem 2008 in 1. Auflage im Rostocker BS-Verlag veröffentlichten 200-Seiten-Bändchen „Ahrenshoper Begegnungen. Ein Haus am Meer und seine Gäste“: Schreyer zitiert die DEFA-Filmlegende Prof. Kurt Maetzig, von dem er sein Haus in Ahrenshoop erworben hatte, und setzt dann fort: „Einen von ihm (also Prof. Maetzig) schon vergessen, empfing er im Sommer 1957 hier: den Filmer Hubert von Blücher, dem ich kurz darauf selber in Babelsberg begegnet bin. Der hatte, zuletzt mit dem Regisseur Ernesto Remani, in Süd- und Nordamerika gedreht. Nun hoffte er, mit dem Apparat der DEFA dem Provinziellen des westdeutschen Filmbetriebs zu entgehen. Von ihm kam die Idee zu dem TV-Dreiteiler „Tempel des Satans“, wir freundeten uns an, und 30 Jahre später schickte er mich für den Roman „Endzeit der Sieger“ quer durch die USA.

Doch als ich mich revanchieren wollte, mit einer Einladung an die Ostsee, da zögerte er. Denn inzwischen gehörte ihm in Düsseldorf eine Firma der Rüstungsindustrie, und er fürchtete, die Stasi werde ihn kontaktieren, falls er nochmal in die DDR käme. „Wie würden die das wohl tun?“, fragte er mich in Westberlin. – „Na, durch einen, den du kennst“, sagte ich arglos, „wie zum Beispiel mich …“

Hubert versank in Schweigen, und mir ging auf, daß man keinen Freund verunsichern darf – oder durfte, damals in jenen Zeiten“, fügt Schreyer hinzu. Hubert von Blücher ist übrigens tatsächlich ein Nachfahre des berühmten Rostockers Gebhard Leberecht von Blücher, des „Marschall Vorwärts“. Noch mehr über die beiden Brüder Hubert von Blücher und Hasso von Blücher steht übrigens in den bereits erwähnten und bei der EDITION digital auch als E-Book zu habenden Erinnerungen „Der zweite Mann“.

Und nun noch etwas Material aus den Akten, das wie schon eingangs erwähnt – richtig ausgewählt, dokumentiert und gelesen – ebenfalls sehr lebendig und spannend sein kann. 2015 brachte Helmut Bulle bei der Edition D.B. in Erfurt unter dem schon ein wenig reißerisch formulierten und damit neugierig machenden Titel „Die wilde Ehe der Justina M.“ Aktenkundiges vom Rennsteig heraus. Der Autor, übrigens ein gleichaltriger Schulkamerad des mit einer Menge Bücher bei der EDITION digital vertretenen Mediziners und Schriftstellers Dietmar Beetz = D.B., hatte im Staatsarchiv Rudolstadt aufschlussreiche Dokumente gefunden, gesammelt und bearbeitet. Ihm gelingt es nicht zuletzt wegen deren Verschiedenartigkeit, einen interessanten Einblick in die Geschichte „unserer heimatlichen Region um den Rennsteig, die ja unsere Kindheit und Jugend maßgeblich beeinflusst und geprägt hat“ zu vermitteln, wie Bulle in einem „Brief an einen Schulkameraden als Vorwort“ schreibt: Lasst Akten sprechen! - 1835: Sechs Tage Gefängnis und drei Tage Fronarbeit für ein Stück Buchenholz; 1889: Wilddieb Becker am Höllteich bei Neustadt am Rennsteig erschossen - und zwischendrin, was nachzulesen ist im Staatsarchiv Rudolstadt zur „wilden Ehe“ der Justine Möller, anno 1839. - Kommentare überflüssig; Akten sprechen auch bei den anderen Texten, so bei der „Not der geschwängerten Maria Elisabeth Riethin aus Breitenbach“.

Aber wie war das nun genau mit der „wilden Ehe“ der Justine Möller, wie sie in einem Brief der Fürstlich Schwarzburgischen Konsistorial Kommission an den Pfarrer Röhrig in Neustadt (1839) dokumentiert ist? Nehmen wir doch dieses Schreiben einmal zur Hand und schauen wir in Selbiges hinein. Aber zuvor sei eine ebenso nützliche wie notwendige Vorbemerkung wiedergegeben:

„Neustadt am Rennsteig war Jahrhunderte lang durch eine „Landesgrenze“ in zwei Teile getrennt. Der Ortsteil nördlich des Rennsteigs, im Volksmund „Schwarzburger Seite“ genannt, gehörte bis 1918 zum Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, der südliche Teil, die „Meininger Seite“, zum Herzogtum Sachsen-Meiningen. Jeder Ortsteil verfügte über eine eigene Infrastruktur. Dazu gehörten u.a. jeweils eine Verwaltung nebst Bürgermeister und Gemeindediener, eine Schule, eine Kirche, ein Friedhof, eine Trinkwasserversorgung, ein Förster und ein Kuhhirte. Obwohl die administrative Trennung 1924 aufgehoben wurde, haben einige dieser Einrichtungen aus Gründen der Zweckmäßigkeit weiterbestanden.

Der Brief der Konsistorial Kommission aus Gehren vom 26. Februar 1839 an den Pfarrer Röhrig von Neustadt (Sachsen-Meiningen) charakterisiert die Folgen der durch die deutsche Kleinstaaterei verursachten schizophrenen Teilung. Dabei wird auch Bezug genommen auf den Vertrag vom 10. September 1741, der für mehr als hundert Jahre die gemeinsame Nutzung der im Meininger Teil seit 1706 bestehenden Schule und der 1739 errichteten Kirche regelte.

Die Bewohner von Neustadt haben die durch ihren Ort verlaufende Grenze in vielen praktischen Belangen wohl ohnehin nicht ernst genommen. Man suchte und fand Arbeit und Unterkunft, aber auch Liebe und Zuneigung beiderseits des Rennsteigs nach eigenen Regeln, die das Leben schrieb.“ Soweit die ebenso notwendige wie nützliche Vorbemerkung. Und nun folgt anschließend in voller Länge der eigentliche Brief an Pfarrer Röhrig in Neustadt, wie ihn Helmut Bulle im Rudolstädter Staatsarchiv entdeckt und dankenswerter Weise veröffentlicht hat:

„Aus dem in Abschrift hier anliegenden Protokolle werden Sie sehen, daß Justine Möller aus Neustadt durchaus in Abrede stellt, bei ihrer Rückkehr vom Termine geäußert zu haben, es wäre ihr hier nachgelassen worden, mit ihrem Schwängerer zusammenzubleiben, wenn sie nur heiraten wollten; weiterhin sagt sie aus, sie sei hier wegen Fortsetzung der wilden Ehe verwarnt, und für den Fall des Betreffens mit der Arretur durch die Gendarmerie bedroht worden. Soviel ist bei der ersten Vernehmung der Möller, so wie anderen hier geschehen, mehr konnte aber auch nicht geschehen. Wir dürfen zu Ihrer Einsicht vertrauen, daß Sie die obwaltenden Verhältnisse nicht mißverkennen und die Lage der Dinge vielmehr von dem Gesichtspunkte aus betrachten wollen, welchermaßen auch den diesseitigen gesetzlichen Bestimmungen unterliegen. Es sollen bei einfachen Fleischvergehen die Gerichte gar nicht, weder verwarnend noch strafend einschreiten; diesem Übel vorzubeugen und entgegen zu arbeiten ist lediglich dem Eifer und der Tätigkeit der Religionslehrer und Seelsorger anheim gegeben. Bei Fällen des Ehebruchs tritt das gerichtliche Verfahren erst dann ein, wenn der beleidigte Ehegatte ausdrücklich auf Untersuchung und Bestrafung anträgt. Nur in Fällen der s.g. wilden Ehe, das heißt wenn zwei Personen verschiedenen Geschlechts, ungetraut, in ehelichen Verhältnissen in einem Hause und einer Wirtschaft zusammen wohnen und leben, sollen nach diesseitigen Gesetzen solche Personen durch Zwangmaßregeln getrennt und an Fortsetzung des Zusammenlebens verhindert werden.

Es liegt aber weder in der Absicht des Gesetzes, noch würde es möglich sein, eine solche Absicht auszuführen, daß aller Umgang zwischen solchen Personen, zumal wenn sie sich verlobt und die Ehe versprochen haben, ihnen verboten sein sollte, und noch weniger ist das Verbot soweit zu erstrecken, daß es eine Landesverweisung in sich enthalten soll. Es konnte daher dem Amm, als er anfrug, ob er auf diesseitigem Gebiet seiner Arbeit nachgehen dürfe, nur der Bescheid, daß ihm dies unverwehrt bleibe, gege
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