GODERN bei Schwerin – Was für ein schöner Titel. Und was für schöne Geschichten. Das erstmals 2003 erschiene, auch für erwachsene Märchenliebhaber geeignete Kinderbuch „Pechvogel Glückspilz“ erinnert an die vor 10 Jahren am 15. Dezember 2015 in Leipzig gestorbene Schriftstellerin Holda Schiller. Die Titelgeschichte „Pechvogel Glückspilz“ soll sich vor fünfzig oder sechzig Jahren in einem Dorf nahe am Schwarzen Meer zugetragen haben und handelt vom jungen und schönen, aber auch armen Ismael, der viele wunderliche Einfälle hat, aber keine Frau. „Tim und Wim und Zauberer Friedolin“ spielt in einer Stadt in Deutschland und handelt von zwei etwa fünfjährigen Jungen, die sich oft schrecklich langweilen – bis sie eines Tages ein besonderes Geschenk bekommen. Heldin von „Stromerin Leila“ ist ein etwas aus der Art geschlagenes, buntschillerndes Federvieh, das eines Tages vom Hühnerhof weglief und nach längerem Umherstreunen in einer fremden Gegend wieder zurückkam und - aus der abenteuerlichen Zeit zwischen Weglaufen und Zurückkehren einiges zu erzählen hat. Zu den fünf E-Books von Holda Schiller, die unter edition-digital.de und im Online-Buchhandel zu haben sind, gehören auch der erstmals 1990 veröffentlichte Roman „Das Leben scheidet, nicht der Tod“ mit autobiografischen Zügen, der 1999 erschienene autobiografische Roman „Deines Nächsten Haus“ und der von ihr aus dem Rumänischen übersetzte Roman „Der Winter ist ein anderes Land“ von Gabriel Gafita (1983).
Holda Schiller wurde am 13. Februar 1923 in dem deutschen Dorf Pavlovka in Bessarabien geboren. Sie war die Tochter eines Wasserschöpfers, der 1933 mit nur 36 Jahren verstarb und sechs Kinder hinterließ. Nach dem Besuch der rumänischen Grundschule kam sie 1940 während der Umsiedlungsaktion „Heim ins Reich“ mit ihrer Familie in deutsche Umsiedlungslager. Dort ließ sie sich als Krankenpflegerin ausbilden und arbeitete in einem Krankenhaus. 1942 wurde sie mit ihrer Familie im Warthegau, Kreis Posen angesiedelt. Nach der Flucht vor der Roten Armee kam die Familie nach Deetz/Havel, wo sie auf einer Obstplantage arbeitete und nebenbei Privatunterricht nahm. Nach dem Besuch eines Neulehrerkurses in Wittenberge arbeitete sie von 1947 bis 1958 als Lehrerin in Lehnin, Radebeul und Leipzig. Von 1960 bis 1983 war sie freiberuflich als Dolmetscherin und Übersetzerin für Rumänisch tätig. 1966 begann sie, angeregt durch ihre eigenen zwei Kinder und die Kinder in der Schule, kleinere Kinderbücher zu veröffentlichen. Erst als Rentnerin fand sie Zeit für größere Vorhaben.