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Deutscher Verband Ergotherapie e.V. Becker-Göring-Str. 26/1 76307 Karlsbad, Deutschland http://www.DVE.info
Ansprechpartner:in Frau Angelika Reinecke

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Selbstwert und Selbstwirksamkeit stärken, um weniger angstvoll und angespannt am Leben teilzunehmen

Ergotherapeut:innen unterstützen Menschen mit einer Borderline-Symptomatik, die eigenen Verhaltensmuster zu analysieren, sich auf Ressourcen zu fokussieren und sich besser selbst zu regulieren

(lifePR) (Karlsbad, )
Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch das Zusammentreffen verschiedener Faktoren entwickeln kann. „Menschen mit dieser Form der Persönlichkeitsstörung fühlen eine innere Zerrissenheit“, sagt Inga Löckher, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.), und beschreibt, was in Betroffenen vorgeht: „Viele empfinden ein chronisches Gefühl von Leere, wenig Selbstvertrauen, Traurigkeit, Angst – etwa vor Ablehnung – und/ oder Wut“. Ergotherapeut:innen erarbeiten mit ihnen Strategien, um die eigenen Verhaltensmuster zu erkennen, sich selbst besser zu regulieren, Alltagsstrukturen anzulegen oder zu verändern und das eigene Selbstbild zu stärken, was in Summe zu mehr Lebensqualität führt.

Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass das Zusammenwirken bestimmter genetischer Veranlagungen, neurobiologischer Besonderheiten und psychosozialer Belastungen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hervorbringen kann. Psychosoziale Belastungen können Folgen frühkindlicher Traumata nach körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt, Vernachlässigung oder Misshandlungen sein. „Viele Betroffene berichten von solchen Erlebnissen, dennoch: nicht jedes belastete Kind entwickelt eine Borderline-Persönlichkeitsstörung“, bestätigt die Ergotherapeutin Löckher. Auch ein abwertendes Umfeld kann zur Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beitragen. Nicht nur daher, sondern generell empfiehlt es sich grundsätzlich für das gesamte Umfeld aus Eltern, Angehörigen und Erziehenden, Kinder mit ihren Emotionen und Anliegen ernst zu nehmen, sie zu schützen und zu fördern.

Ergotherapeut:innen vermitteln Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung Zusammenhänge von Aktivitäten und Spannungslevel

Der Leidensdruck von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist enorm hoch; sie bewegen sich häufig wie regelrechte Überlebenskünstler:innen durch ihren Alltag. Begleitend zu psychiatrischen Therapien erhalten Sie beispielsweise Ergotherapie. Ergotherapeut:innen richten ihre Interventionen vor allem auf die Bewältigung des Alltags aus. Löckher erklärt: „Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung empfinden eine erhöhte Grundanspannung“. Ergotherapeut:innen nutzen bei ihrer Arbeit mit Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung unter anderem eine sogenannte Spannungsskala zur subjektiven Einschätzung der eigenen Anspannung, in der sie ihre jeweils empfundene Anspannung in Werten von 0 bis 100 erfassen. In solche Spannungslisten tragen Klient:innen von Ergotherapeut:innen anfangs mitunter stündlich und später in größeren Abständen ihr Spannungslevel und ebenso alle Aktivitäten und Erlebnisse des Tages ein. Die Analyse der Spannungsliste verdeutlicht den Klient:innen, welche Schwankungen es gibt und die Zusammenhänge zwischen Ereignissen wie: „schlecht geschlafen“, „gegrübelt“ oder „zu spät ins Bett gegangen“ und einem erhöhten Spannungslevel. Die Eintragungen in die Spannungsliste verdeutlichen im Reflexionsgespräch mit dem oder der Ergotherapeut:in: die Anspannung lässt sich durch das eigene Verhalten steuern.

Ergotherapeut:innen arbeiten mit Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung Lösungswege zur besseren Impulssteuerung aus

Ergotherapeut:innen prüfen gemeinsam mit ihren Klient:innen immer auch: Welche Stressoren gibt es. Manchmal sind Enttäuschungen Auslöser, wenn etwa ein Treffen abgesagt wurde oder etwas anderes stattgefunden hat, was das negative Selbstwertgefühl eines Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung verstärken kann. Oder was er oder sie als Ablehnung der eigenen Person empfindet, was mögliche Verlustängste schüren kann. In Folge solcher Situationen können Betroffene in eine sehr hohe Anspannung kommen. Um ihre Anspannung besser regulieren zu können, legen Ergotherapeut:innen gemeinsam mit ihren Klient:innen persönliche Skillsketten fest, die sich am jeweiligen Anspannungsgrad orientieren. Skills können verschiedene Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Handlungen sein. Je nach persönlichen Interessen und Möglichkeiten und abhängig vom Anspannungsgrad kommen beispielsweise Atemübungen, unterschiedliche sportliche oder körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen, das Anrufen nahestehender Menschen oder – wenn gar nichts mehr geht – die Seelsorge in Betracht. Zu wissen, dass und welche Optionen sie haben, gibt Betroffenen Handlungsspielraum; sie fühlen sich nicht länger handlungsunfähig, sondern haben eine Wahl und können dank ihrer eigenen oder der Fähigkeiten anderer ihr Anspannungslevel wieder senken.

Übergeordnete Ziele einer ergotherapeutischen Intervention

In Phasen von Antriebslosigkeit, die die Borderline-Symptomatik begleiten können, ist eines der übergeordneten Ziele einer ergotherapeutischen Intervention, die Tagesstruktur Betroffener aufrecht zu erhalten. Menschen mit dieser Form der Persönlichkeitsstörung stufen sich und ihre Handlungen oftmals als wertlos ein. Wer es – auch dank der mit Ergotherapeut:innen getroffenen Verabredungen und Verpflichtungen – schafft, morgens loszuziehen und Dinge zu erledigen, hat am Abend die Bestätigung: „Ich hatte einen geregelten Tagesablauf und empfinde mich als selbstwirksam. Grundlage für die Zusammenarbeit von Ergotherapeut:innen mit Klient:innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine verlässliche, wertschätzende und professionell abgegrenzte therapeutische Beziehung. Dazu Löckher: „Ergotherapeut:innen schaffen einen sicheren Rahmen, in dem Klient:innen neue Erfahrungen mit Selbstwirksamkeit, Kommunikation, Grenzsetzung und Beziehungsgestaltung machen können“.

Persönliche Ziele von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

„Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kann selbstverletzendes Verhalten auftreten; es betrifft jedoch nicht alle Menschen mit dieser Diagnose“, betont die Ergotherapeutin Löckher. Betroffene können ebenso zu einem negativen Umgang mit sich selbst neigen, was sich etwa in einer Abwertung der eigenen Person ausdrückt. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung versuchen mehr noch als andere, sich selbst zu optimieren. Löckher macht das an einem Beispiel fest: „Diejenigen meiner Klient:innen, die Kinder haben, sind extrem darauf bedacht, in ihrer Rolle als Mutter oder Elternteil alles gut und richtig zu machen – gerade, wenn sie selbst belastende Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht haben“. Sie haben oft Ziele wie: „Ich möchte geduldiger werden“ – was im Übrigen das Ziel vieler Mütter beziehungsweise Eltern oder Elternteile sein könnte – und arbeiten dann gemeinsam mit ihrer Ergotherapeutin oder ihrem Ergotherapeuten entsprechende Ideen aus. Man schaut gemeinsam: Was sind besonders stressige Situationen und sucht dann miteinander nach praktikablen und alltagstauglichen Lösungen, um Abläufe umzustrukturieren oder Aufgaben umzuverteilen, damit es zu weniger Überforderung kommt. Zu Überforderung kann es auch kommen, wenn eine Person mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung etwa nach einem Burnout wieder in den Beruf einsteigt. Ergotherapeut:innen begleiten auch solche Phasen. Unter anderem üben sie mit ihren Klient:innen Kommunikationsstrategien oder machen Rollenspiele, so dass es den Betroffenen gut gelingt, sich in den Arbeitsalltag zu reintegrieren, gleichzeitig ihre Bedürfnisse und Rechte durchzusetzen und in angemessener Form klare Grenzen zu setzen.

Zunehmend mehr soziale Teilhabe durch einen ausgewogeneren Alltag und besseres Selbstmanagement für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

Ergotherapeut:innen analysieren gemeinsam mit den Klient:innen, in welchen konkreten Betätigungen und Alltagssituationen Anspannung, Impulsivität oder Vermeidung die Handlungsfähigkeit einschränken und überprüfen diese Aspekte kontinuierlich im Laufe ihrer Intervention. Sie lassen Klient:innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung die gemeinsam erarbeiteten individuellen Strategien erproben und in den Alltag übertragen. So kann es langfristig zu einer besseren Betätigungsbalance – so bezeichnen Ergotherapeut:innen ein ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Aktivitäten und Verpflichtungen – kommen. In Summe verändert sich dadurch die Selbstwahrnehmung von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, ihre Selbstsicherheit wächst und die soziale Teilhabe fällt leichter.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche. Zum Podcast gerne hier entlang: https://dve-podcast.podigee.io/. Außerdem: https://www.instagram.com/dve_ergotherapie/ und Deutscher Verband Ergotherapie e.V. - DVE | Facebook
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