Bereits heute besuchen rund 1,8 Millionen Grundschulkinder bundesweit ein Ganztagsangebot. Mit der Einführung des Rechtsanspruchs wird der Bedarf weiter steigen. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass deutschlandweit zwischen 165.000 und 270.000 zusätzliche Ganztagsplätze geschaffen werden müssen. Der weitere Ausbau des Ganztags wird damit eine der größten bildungs- und jugendpolitischen Aufgaben der kommenden Jahre.
Für den organisierten Kinder- und Jugendsport eröffnet diese Entwicklung weiterhin große Chancen. Sportvereine erreichen über ein Engagement im Ganztag jedes Jahr zahlreiche junge Menschen. Dabei verfügen sie über umfassende Erfahrungen in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit. Als verlässliche Partner im Ganztag können sie dazu beitragen, dass Kinder nicht nur betreut werden, sondern vielfältige Bildungs-, Bewegungs- und Beteiligungserfahrungen sammeln. Bewegung, Spiel und Sport fördern die motorische Entwicklung von Kindern, stärken deren Gesundheit und Wohlbefinden und vermitteln wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Fairness, Verantwortungsübernahme und demokratisches Miteinander. Gleichzeitig bieten Sportvereine im Ganztag Kindern die Möglichkeit, ihre Interessen zu entdecken, Bewegungs- und Sporterfahrungen im Verein zu vertiefen und langfristig Teil einer Gemeinschaft zu werden.
Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz, erkennt das Potenzial von Bewegung, Spiel und Sport und verbindet in einem Social Media Statement auf dem Instagramkanal der dsj mit dem weiteren Ausbau des Ganztags Folgendes: „Der Rechtsanspruch auf Ganztag ist eine riesengroße Chance für mehr Sport und Bewegung an unseren Schulen. Ich werde mich weiterhin stark dafür einsetzen, dass sich Kinder im Ganztag mehr bewegen und viel Freude an Sport und Bewegung haben.“
Mit dem Ausbau des Ganztags sind für den organisierten Kinder- und Jugendsport jedoch auch Herausforderungen verbunden. Für den erhöhten Bedarf an ganztäglichen Bewegungsangeboten muss zusätzliches Personal für den Einsatz im Ganztag qualifiziert, Sport- und Bewegungsräume ausgebaut, verlässliche Kooperationsmodelle weiterentwickelt sowie Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Mitgestaltung des Ganztags dauerhaft sichern.
Julian Lagemann, Vorstandsmitglied der Deutschen Sportjugend, betont im Zuge der Umsetzung des Ganztagsanspruchs: „Der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung ist eine große Chance – für Kinder, Familien und den organisierten Sport. Entscheidend wird sein, die gemeinsame Gestaltung des Ganztags qualitativ weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Sportvereinen auf eine neue Grundlage zu stellen. Sportvereine sind weit mehr als Anbieter von Bewegungsangeboten. Sie sind eigenständige Bildungsorte der Kinder- und Jugendhilfe mit einem spezifischen pädagogischen Profil, in denen junge Menschen Selbstwirksamkeit erfahren, Verantwortung übernehmen und demokratische Werte erleben. Wenn Politik, Schulen und Sport eng und abgestimmt zusammenarbeiten, kann der Ganztag Kinder nachhaltig stärken und zugleich das ehrenamtlich getragene Vereinswesen zukunftsfähig weiterentwickeln.“
In diesem Sinne sollte beim weiteren Ausbau des Ganztags Qualität vor Quantität stehen. Der Rechtsanspruch sollte nicht nur zusätzliche Plätze schaffen, sondern qualitativ hochwertige Ganztagsangebote mit ausreichend Zeit für Bewegung, Partizipation und freiwilliges Engagement ermöglichen.
Ein ausführliches FAQ zu Fragen rund um das Thema Bewegung, Spiel und Sport im Ganztag sind auf der Website der dsj zu finden.