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Zirkulär denken, wettbewerbsfähig handeln

Kreislaufwirtschaft soll Klima schützen und den Standort stärken. Doch zwischen Innovationsanspruch und wirtschaftlicher Realität liegt oft eine Lücke.

(lifePR) (Hamburg, )
Deutschland gilt technologisch als stark, wenn es um zirkuläre Lösungen geht. Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb, während andere Volkswirtschaften strategisch immer mehr Tempo aufnehmen. Innovation allein genügt nicht mehr, wenn sie nicht in Wertschöpfung übersetzt wird.

Parallel dazu stehen politische Strategien auf dem Prüfstand. Die EU treibt ihre industriepolitischen Rahmenwerke voran, Deutschland setzt mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie einen eigenen Fahrplan. Entscheidend wird sein, wie ambitioniert und verbindlich dieser umgesetzt wird. Zwischen Patenten, Marktmechanismen und Regulierung entscheidet sich, ob Kreislaufwirtschaft zum Wettbewerbsfaktor wird oder ein gut gemeintes Konzept bleibt.

Darüber sprechen wir im Interview mit Marc Wolinda, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Laut Ihrer Innovationsanalyse zur Circular Economy liegt Deutschland mit knapp 17 Prozent der weltweiten Patente auf Rang zwei. Welches ökonomische Wertschöpfungspotenzial steckt hinter dieser Innovationsstärke?

Konkrete Wertschöpfungsprognosen enthält unsere Studie nicht. Die EU erwartet im Circular Economy Action Plan jedoch ein zusätzliches BIP-Wachstum von 0,5 Prozent bis 2030 sowie 700.000 neue Jobs. Das Umweltbundesamt rechnet bei konsequenter Nachhaltigkeitspolitik bis 2045 mit nahezu verdoppelter Bruttowertschöpfung der GreenTech-Branche. Fazit: Circular Economy birgt erhebliches ökonomisches Potenzial.

Sie zeigen zugleich, dass China und Südkorea bei der Patentdynamik seit 2019 deutlich zulegen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung für Deutschland?

Aus der Perspektive der Nachhaltigkeit ist es eine gute Nachricht, dass sich auch China und Südkorea stärker auf Innovationen für die Circular Economy fokussieren. Wir können in einer globalisierten Welt nur länderübergreifend die nötige Nachhaltigkeitstransformation schaffen.

Für den deutschen Standort bedeutet diese Innovationsdynamik in Fernost jedoch einen stärkeren Wettbewerbsdruck. Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, dass Deutschland seine schwache Dynamik wieder deutlich steigert, um auch künftig in diesem wichtigen Wirtschaftssektor international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Deutsche CE-Patente weisen eine überdurchschnittliche Zitationsrate auf. Warum schlägt sich diese technologische Qualität bislang nicht stärker in der realen Kreislaufleistung nieder?

Da wir die Circular Economy als umfassendes Konzept verstehen, das weit über das bloße Recycling von Materialen hinausgeht, schlägt sich nicht jede Innovation unmittelbar in einer höheren sogenannten „Circular Material Use Rate“ nieder. Der beste Rohstoff ist der, der gar nicht erst gebraucht wird. Daher erfasst die Studie auch Innovationen bei effizienteren Produktionsmaschinen, der Reparierbarkeit von Produkten oder Second-Life-Anwendungen.

Hinzu kommt, dass es Sekundärrohstoffe am Markt häufig schwer haben. Entweder, weil sie teurer als Primärrohstoffe sind, oder, weil sie die technischen Anforderungen der Hersteller nicht erfüllen.

In der Vergleichsstudie zu EU-Strategien und Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) stellt die Bertelsmann Stiftung Unterschiede in Ambition und Verbindlichkeit fest. Wo sehen Sie die größten Defizite in der Strategie und bei der Umsetzung in Deutschland?

Die NKWS ist ein wichtiger politischer Schritt, bleibt jedoch bei verbindlichen Zielen und der Umsetzung hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Empfehlung des International Resource Panel von sechs bis acht Tonnen Primärrohstoffverbrauch pro Kopf ab 2050 wird nur als Leitbild geführt. Das Aktionsprogramm zur Umsetzung der NKWS liegt seit Oktober 2025 als Entwurf vor, wurde von der Bundesregierung aber noch nicht beschlossen. Die EU setzt dagegen verbindliche Ziele wie 24 Prozent Circular Material Use Rate bis 2030 und flankiert diese mit klarer Regulatorik. Aus Berlin kommen derzeit eher bremsende Signale.

Welche politischen Prioritäten sind jetzt entscheidend, damit Innovationskraft zu wirtschaftlicher Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit wird?

1. Zügige Verabschiedung des Aktionsprogramms zur Umsetzung der NKWS.

2. Stärkung der CE-Forschung, z. B. durch zielgerichtete Förderungen, um die Innovationsdynamik wieder anzukurbeln.

3. Schaffung von Planungs- und Investitionssicherheit durch eine verlässliche Regulatorik auf Bundesebene.

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