Herr Prof. Kraus, was macht Ihren Behandlungsansatz für Burn-out bei Männern in der Frankenalb-Klinik Engelthal besonders?
Wir holen Männer mit hohem Leistungsanspruch und eher technischem Zugang zu mentalen Themen gezielt ab – mit einem intensiven Sport- und Fitnessprogramm, persönlichem Coaching, Natur- und Outdoor-Erlebnissen sowie innovativen Verfahren wie transkranieller Magnetstimulation, HRV-Biofeedbacktraining und Vagusnerv-Stimulation. Unser Motto lautet: „Im Grünen zu sich finden.“ Die Hersbrucker Schweiz, 30 km vor Nürnberg, bietet ideale Bedingungen für einen mentalen Reset mit späterer Rückübertragung in den Alltag – etwa durch therapeutische Belastungserprobungen an Wochenenden. Neben einer bewährten Burn-out-Station im gesetzlichen Psychosomatik-Bereich gibt es eine separate Komfortstation auf Hotel-Niveau.
In welchen Berufen und Lebenslagen erkranken Männer häufiger an Burn-out als Frauen?
Besonders gefährdet sind Männer in Führungspositionen, Selbstständige und Verantwortliche in technischen oder sicherheitsrelevanten Berufen. Auch Umbruchphasen – etwa nach Trennung, mit plötzlicher Pflegeverantwortung oder in der Lebensmitte – erhöhen das Risiko, dass Rollenbilder und Selbstanspruch kollidieren.
Wann wird Burn-out zur Depression – und welche anderen Störungen können sich daraus entwickeln?
Burn-out beschreibt einen anhaltenden Erschöpfungszustand. Wird er chronisch, kann daraus eine Depression entstehen – bei Männern oft weniger durch Traurigkeit gekennzeichnet, sondern eher durch Reizbarkeit, Rückzug oder Suchtverhalten. Auch Angst-, Schlaf- und somatoforme Störungen resultieren daraus häufig.
Wie sieht für Sie „gesundes Leistungsmanagement“ bei Männern aus, und welche Selbststeuerungsstrategien empfehlen Sie?
Verantwortung ja – aber nicht Selbstaufgabe! Auch Männer profitieren von klaren Grenzen, Pausen, Delegation und Reflexion innerer Antreiber. Wir fördern Selbstwahrnehmung, emotionalen Ausdruck und nutzen Techniken zur Aufmerksamkeitssteuerung.
Welche Therapie- und Beratungsangebote gibt es für Männer – und wie erreichen Sie sie ohne Stigmatisierung?
Neben Einzel- und Gruppengesprächen bieten wir körperorientierte Verfahren wie therapeutisches Boxen, berufsbezogene Module sowie biologische Methoden wie Hirnstimulation und Esketamin-
therapie. Entscheidend ist: Wir sprechen von professionellem Umgang mit Krisen – nicht von Schwäche.
Gibt es Ihrer Ansicht nach ein eigenes Krankheitsbild „männliche Depression“, und wie behandeln Sie es?
Die sogenannte „männliche Depression“ ist keine eigene Diagnose, aber ein reales Phänomen: oft maskiert durch Wut, Zynismus oder Sucht. Unsere Aufgabe ist, sie zu erkennen und mit respektvollem, strukturiertem Vorgehen zugänglich zu machen – mit einem Verständnis von Stärke, das nicht auf Funktion, sondern auf Reflexion beruht.
Weitere Informationen:
Telefon: 09158 926-0
www.bezirkskliniken-mfr.de