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Farbenprächtiges Juwel

Darmstädter Jugendstilbad originalgetreu rekonstruiert

(lifePR) (Ober-Ramstadt, )
In der Darmstädter Innenstadt erwachte ein kostbarer Jugendstilbau zu neuem Leben: Das aus dem Jahr 1909 stammende Schwimmbad wurde originalgetreu nach historischem Vorbild und den Vorgaben des Denkmalschutzes restauriert. Nach zweieinhalb jähriger Renovierung präsentiert sich das Jugendstilbad heute um einen Neubau erweitert als Wellnessoase. Im Inneren wurde dank genauer Rekonstruktionen die alte Pracht mit traditionellen Techniken und einer kräftigen Farbigkeit wieder hergestellt.

Das Bad war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und anschließend mit einem Lehrschwimmbecken unter Einsatz von einfachen Mitteln instandgesetzt worden. Heute verfügt das Jugendstilbad über elf Becken, ein Außenbecken und großzügige Sauna- und Wellnessanlagen. Das Farbkonzept basiert auf einer Untersuchung des Restaurators, Thorsten Moser, in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde (Nikolaus Heiss) sowie dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Dr. Falko Lehmann). Die ursprüngliche Farbigkeit und Gestaltung des historischen Schwimmbades konnte anhand alter Fotos und Unterlagen aus Archiven sowie bauzeitlicher Befunde, Farbreste und Erfahrungswerten genau rekonstruiert werden. Zutage trat ein enormer Reichtum an Dekors, Farben und Ornamenten. Für die große Schwimmhalle mit dem Herrenbad, die in den 1930er Jahren neu verputzt worden war, existierten noch einige Schwarz-Weiß-Fotografien. Die Originalfarben ließen sich außerdem anhand von bauzeitlichen Befunden ermitteln, bei denen ältere Putzschichten frei geschabt und frei gekratzt worden waren. Im unteren Teil des Herrenbads dominieren heute wieder blaue Farben, während die in Ochsenblut gehaltene Galerie einen kräftigen Akzent hierzu setzt.

Im Eingangsbereich, in dem sich zahlreiche Farbschichten übereinander befanden, konnte man anhand von Pigmentanalysen und Befunden den ursprünglichen Zustand erkennen und im Deckenbereich wunderschöne verspielte Ornamente mit Seepferdchen und Muscheln rekonstruieren. Der untere Bereich der Zwischenwände ist in der seit vielen Jahrhunderten existierenden Stukkolustro-Technik ausgeführt, die ein hohes handwerkliches Können voraussetzt. Weil Marmor sehr teuer war, hatte man eine Kalkspachteltechnik entwickelt, mit deren Hilfe eine Marmoroberfläche imitiert werden kann. Hierbei wird ein feiner Kalkspachtel in drei Schichten aufgetragen, dann die Oberfläche mit einer Kelle geglättet. Abschließend werden mit kalkbeständigen Farben Strukturen gemalt und Fugen eingeritzt. Hierfür wählte man die Kalkspachtelmasse Calcino-Decor von Caparol. Außerdem wandte man im Gebäudeinneren eine Schablonen-Technik an, Muster und Ornamente wurden aufgepaust und mit der Hand frei gemalt. Für den Innenbereich wählte man aus Gründen des Denkmalschutzes Histolith Bio-Innensilikat von Caparol, eine mineralische Innensilikatfarbe. Histholith ist besonders geeignet für Feuchträume und behindert die Schimmelbildung.

Durch die Sanierung haben im alten Gebäudeteil die Terrazzoböden, Mosaiken, Schmuckfriese und Ornamente ihren alten Glanz zurückerhalten - und sehen aus wie zu Zeiten des Architekten August Buxbaum. Die kräftigen Farben wie Ultramarinblau und Flammenorange, die für den heutigen Geschmack mutig wirken, waren typisch für die Zeit des Jugendstils. Im Trakt des heutigen "Beauty-Bereichs", in dem sich früher Wannenbäder befanden, wurden lang verschollene Dekor-Details entdeckt. Jeder Raum war individuell mit verschiedenen Farben und Dekoren gestaltet. Die unterschiedliche Farbgebung der Räume ist auch heute noch trotz einer etwas großzügigeren Raumaufteilung gut zu erkennen.

Die Türen sind wegen der hohen Beanspruchung mit Capalac Seidenmatt von Caparol lackiert. Die aromatenfreie Farbe zeichnet sich durch eine sehr gute Farb- und Glanzstabilität, hohe Schlag- und Stoßfestigkeit, hohe Wetter- und Lichtbeständigkeit sowie eine Beständigkeit gegen haushaltsübliche Reinigungsmittel aus. Die Betreuung des gesamten Objektes erfolgte durch Dr. Christian Brandes von der Caparol-Baudenkmalpflege.

"Ein Projekt wie die Restaurierung des Jugendstilbades Darmstadt ist nicht nur für einen Restaurator, sondern für alle Beteiligten der Denkmalpflege, hinsichtlich Größe und Reichtum an Details eine ganz besondere Herausforderung. Das einmalige an diesem Schwimmbad ist die maritime Ornamentik; deren Vielfalt und Farbenpracht beeindrucken immer wieder neu und machen somit das Jugendstilbad zu einem einmaligen Bauwerk seiner Zeit", so Restaurator Thorsten Moser.
Martina Noltemeier

Bautafel:
Bauherr: Wissenschaftsstadt Darmstadt
Betreiber: Aquapark GmbH, Münster/Westfalen
Bauleitung: Dr. Krieger, Architekten. Ingenieure, Velbert
Innengestaltung: nach Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen
Caparol-Produkte: u. a. Histolith Bio-Innensilikat, Capalac Seidenmatt, Calcino-Decor
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