- Mobilität & Teilhabe: Orthopädie-Technik verbindet Handwerk, Hightech und Medizin, um Beweglichkeit zurückzugeben.
- Technik & Präzision: Hilfsmittel werden stets auf dem neuesten Stand der Technik gefertigt
- Medizinisches Know-how & direkte Hilfe: Persönlicher Kontakt und Empathie sind entscheidend für eine erfolgreiche Versorgung.
„Wir arbeiten im und für das schönste Handwerk und erleben in unserer täglichen Arbeit immer wieder, wie Menschen sich mit ihren Hilfsmitteln zurück mitten ins Leben kämpfen. Für diese Momente arbeiten wir. Für diese Menschen setzen wir unser handwerkliches Können ein”, berichtet Alf Reuter, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT).
Handwerk, das Vielfalt in Funktion verwandelt
Dieses handwerkliche Können ist so facettenreich wie die Menschen, für die die Hilfsmittel entstehen. Es wird modelliert, laminiert, geschliffen und angepasst – mit Materialien, die unterschiedlicher kaum sein könnten: von Gips und Metall bis hin zu Carbon und Glasfaser. Jeder Handgriff zählt, wenn aus diesen Materialien individuelle Hilfsmittel entstehen, die passgenau auf die Bedürfnisse der Nutzenden abgestimmt sind. Ergänzt wird das traditionelle Handwerk durch präzise technische Arbeiten – etwa beim Einbau und der Justierung von Gelenken, Achsen oder Dämpfungssystemen. Und längst ist auch die digitale Fertigung Teil des Arbeitsalltags: 3D-Scans, computergestützte Modellierung und additive Fertigung mit 3D-Druckern erweitern die Möglichkeiten – immer im Zusammenspiel mit handwerklicher Präzision und Erfahrung.
Handwerk, das Haut und Herz berührt
Darüber hinaus ist auch die zwischenmenschliche Arbeit eine sehr entscheidende, denn für die Versorgung mit einem Hilfsmittel müssen die Handwerker oftmals sehr nah an die Patienten heran. Ob beim Anpassen von Prothesen oder dem Ausmessen für Kompressionsstrümpfe, die Basis einer guten Versorgung ist Vertrauen. So erklärt Reuter: „Unsere Arbeit bringt uns den Menschen oft ganz nah. In diesen persönlichen Situationen ist es entscheidend, dass sie sich respektiert, verstanden und wohlfühlen. Ohne Vertrauen und das nötige Feingefühl können wir dies nicht erreichen.”
Orthopädie-Technik ist deshalb weit mehr als ein Handwerk. Sie verbindet technisches Können mit Empathie, Präzision mit Menschlichkeit. Denn jedes Hilfsmittel entsteht nicht nur aus Materialien und Maschinen, sondern vor allem aus der Begegnung von Menschen. „Wir geben nicht nur Funktion zurück – wir geben Vertrauen, Sicherheit und Lebensfreude. Genau das macht unsere Arbeit so besonders“, fasst Reuter zusammen. „Wir freuen uns über jede Person, die ihre Berufung in unserer Branche findet und uns bei dieser so wichtigen Arbeit unterstützt.“
Über das Orthopädie-Technik-Handwerk
Das Orthopädie-Techniker-Handwerk vereint moderne Technik, handwerkliche Präzision, biomechanisches Know-how und menschliches Einfühlungsvermögen. Orthopädie-Techniker arbeiten in interdisziplinären Teams eng mit Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten zusammen, um eine hochwertige Versorgung sicherzustellen.
Ausbildung:
Die duale Ausbildung zum Orthopädie-Techniker (offiziell: Orthopädietechnik-Mechaniker) dauert drei Jahre. Voraussetzung ist in der Regel der Hauptschulabschluss. Vermittelt werden technische, handwerkliche und medizinische Kompetenzen – im Ausbildungsbetrieb, in einer der bundesweit 13 Berufsschulen sowie durch überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen. Am Ende können Gesellen moderne Hilfsmittel wie Prothesen, Orthesen, Bandagen, Gehhilfen oder Rollstühle anfertigen, anpassen und Patienten wie Fachkollegen beraten.
Meisterausbildung:
Der Meisterbrief bildet die Spitze der Ausbildung im Handwerk. Zugelassen werden Gesellen des Orthopädie-Techniker-Handwerks und verwandter Berufe mit einschlägiger Berufserfahrung. Die Vorbereitung erfolgt meist an der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA) in Dortmund oder an Meisterlehrgängen der Handwerkskammern. Die Prüfung umfasst praktisches und theoretisches Fachwissen, Betriebswirtschaft sowie Berufs- und Arbeitspädagogik. Der Meisterbrief ist Voraussetzung für die Selbstständigkeit, die Ausbildung von Nachwuchs und den Abschluss von Versorgungsverträgen mit Krankenkassen.
Perspektiven:
Gesellen finden Beschäftigung in Orthopädie-Werkstätten, Sanitätshäusern oder bei Herstellern von Hilfsmitteln. Mit dem Meisterbrief eröffnen sich Möglichkeiten zur Betriebsgründung, zur Übernahme von Leitungsfunktionen oder zur Arbeit in der Industrie. Darüber hinaus stehen akademische Wege offen – etwa Studiengänge in Orthopädie- & Rehabilitationstechnik, Technischer Orthopädie oder Orthobionik von Bachelor- bis hin zum Masterabschluss.
Weitere Informationen zum Beruf