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Das grausame Geschäft mit Affen fürs Versuchslabor

Undercover-Recherche offenbart entsetzliches Leid von vom Aussterben bedrohten Langschwanzmakaken

(lifePR) (Köln, )
Eine aktuelle Undercover-Recherche des französischen Vereins One Voice in „Zuchtstationen“ auf Mauritius zeigt erneut das grausame Geschäft mit für Laborzwecke bestimmte Langschwanzmakaken. Auch die Praxis des Einfangens von wildlebenden Tieren, deren Nachkommen in Laboren auf der ganzen Welt für Tierversuche „verwendet“ werden, hat der Verein eindrücklich dokumentiert. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert ein Einfuhrverbot dieser vom Aussterben bedrohten Affen.

Auf Mauritius gibt es insgesamt sieben sogenannte Zuchtstationen für Langschwanzmakaken, auch Javaneraffen genannt. Jährlich senden die Firmen Bio Culture, Noveprim, Biodia, Biosphere, Les Campeches Ltd, Cynologics und Le Tamarinier Zigtausende dieser nicht-menschlichen Primaten an Tierversuchslabore weltweit – auch in deutschen Laboren landen die Tiere, um in erster Linie in Toxizitätstests verwendet zu werden (1). Auf der Website von One Voice wird der gesamte grausame Umgang, den die Langschwanzmakaken bereits vor ihrem Export erleiden müssen, dokumentiert (2).

Die Recherchen von One Voice decken unter anderem auf, dass regelmäßig die Jungtiere von wildgefangenen Langschwanzmakaken an die Labore „geliefert” werden. Dabei dürfen nach EU-Recht seit 2022 nur noch F2-Generationen, das heißt die Enkel von Tieren aus freier Wildbahn, im Tierversuch verwendet werden. Auf Mauritius gelten Langschwanzmakaken als invasive, also „eingeschleppte“ Art und dürfen sogar offiziell aus freier Wildbahn gefangen werden. Aber auch in Ländern, in denen diese Affenart heimisch ist, wie Kambodscha und Vietnam, wurden in den letzten Jahren durch investigative Recherchen mehrfach massive Wilderei an der Affenart dokumentiert (3,4,5). Da pro Tier mittlerweile Preise bis zu 35.000 US-Dollar aufgerufen werden, stellt dies ein äußerst lukratives Geschäft dar (6).

Trotz der Einstufung der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „vom Aussterben bedroht“ wird eine große Anzahl der Langschwanzmakaken im Tierversuch eingesetzt (7). Die CITES-Daten, die den weltweiten Import verschiedener Tier- und Pflanzenarten dokumentieren, zeigen, dass zwischen 2018 und 2022 ganze 125.669 Tiere der Art weltweit für wissenschaftliche Zwecke importiert wurden (8). 95.176 Tiere stammten aus asiatischen Ländern, 29.177 aus Mauritius.

In Deutschland wurden allein in 2021 laut offizieller Statistik 1.886 Affen in Tierversuchen verwendet, davon 1.723 Langschwanzmakaken (1). In den Laboren von Deutschlands größtem „Affenverbraucher“, der Firma Labcorp (ehemals Covance) in Münster, werden unter anderem schwangere Affen vergiftet, um Auswirkungen von Substanzen auf deren ungeborenen Nachwuchs zu testen. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist aufgrund der Artunterschiede dabei nicht gegeben.

Nach Deutschland wurden jedoch laut CITES zwischen 2018 und 2022 insgesamt 1.646 Tiere eingeführt. Hierbei könnte es sich nach den neusten Recherchen von One Voice auch um Tiere aus der F1-Generation, also von Jungtieren wildgefangener Tiere handeln. Da die Anzahl der Tiere jedoch im Abgleich mit den allein in Münster bei Labcorp jährlich „verbrauchten“ ca. 1.100 – 1.800 Tieren (9) zu gering ist, ist davon auszugehen, dass Tiere über Zwischenstationen aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland gelangen.

„Die neuen Aufdeckungen von One Voice in Kombination mit den von uns recherchierten CITES-Daten verdeutlichen einmal mehr, dass die Tierversuche an Affen nicht nur aus Tierschutzsicht verwerflich sind, sondern auch ein erhebliches Artenschutzproblem darstellen,“ meint Dr. Melanie Seiler, Primatologin und wissenschaftliche Referentin für Politik und Recht bei ÄgT. 

„Es ist aus den offiziellen Daten nicht ersichtlich, über wie viele Zwischenstationen die Affen schließlich in den Tierversuchslaboren landen. Es ist davon auszugehen, dass die Affen, die in Tierversuchslaboren erheblichen Qualen ausgesetzt werden, bereits vorher eine wahre Odyssee erdulden müssen“, erklärt die Expertin. Der Verein fordert ein generelles Einfuhrverbot von Affen fürs Versuchslabor.

Weitere Information

Petiton unserer französischen Partneroragnaisation One Voice „Stoppt die Verwendung von Makaken im Labor“ (Englisch) >>

Website von One Voice zur Recherche auf Mauritius (Englisch) >>

Quellen:

(1)    Bundesinstitut für Risikoforschung: Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2021 >>

(2)    One Voice: Because it’s not only France. Macaques from the island of Mauritius in the hands of European and American Research >> (abgerufen am 04.12.2023)

(3)    Ärzte gegen Tierversuche: Häufigste vom Aussterben verwendete Affenart gilt als vom Aussterben bedroht. Pressemitteilung vom 10.09.2023 >>

(4)    Oelrich C. et al. Forscher befürchten, dass ihnen bald die Affen ausgehen. Die Welt. 09.09.2023

(5)    Southeastasiaglobe: Cambodia’s monkey farms corruption taints wildlife trait. 04/2023 >> (abgerufen am 05.08.2023)

(6)    Capital: Laboraffen aus China werden knapp. 16.10.2022 >> (abgerufen am 05.08.2023)

(7)    Hansen M.F. et al. Macaca fascicularis (amended version of 2022 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species

(8)    Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora >> Database Filter: Taxon: Macaca fascicularis, Years: 2018 – 2022, Purpose: Trade, Science, Medical; Trade terms: Live)

(9) Kleine Anfrage 3181; Landtag NRW 17. Wahlperiode; Drucksache 17/7954

Ärzte gegen Tierversuche e.V.

„Medizinischer Fortschritt ist wichtig - Tierversuche sind der falsche Weg!“ - Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin - eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.

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