Corona-Virus gefährdet Artenschutz-Mission

Berliner Bartgeier gehören zu den ersten deutschen Grenzgängern nach Frankreich

(lifePR) ( Berlin, )
Fario und Dolomie hatten ihre Koffer bereits gepackt, da wurden die Grenzen nach Frankreich aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen und die Reisepläne der beiden Gefährten gerieten mächtig ins Wanken. Doch nicht die Urlaubsplanung zog die zwei Berliner Vögel in den Süden – sie haben einen wichtigen Auftrag: Sie sind Teil eines internationalen Projekts zur Wiederansiedlung von Bartgeiern in Europa. Hier wurde der majestätische Greifvogel während des 20. Jahrhunderts von Menschen ausgerottet.

Ein Aufschub dieser Mission war nicht möglich, denn die Jungvögel müssen genau im richtigen Moment in ihren zukünftigen Horst gebracht werden. „Das Zeitfenster für eine Auswilderung der Bartgeier ist sehr, sehr klein“, erklärt die Artenschutzkoordinatorin von Zoo und Tierpark Berlin, Katharina Herrmann. „Sie müssen jung genug und noch flugunfähig sein, um diesen Ort als ihr Zuhause anzuerkennen. Aber sie müssen auch alt genug sein, um nicht mehr auf das Füttern durch die Eltern angewiesen zu sein und sich selbst gegen Fressfeinde wie andere Greifvögel oder Krähen verteidigen zu können.“ Dies ist in der Regel nach etwa 90 Tagen der Fall. Nur wenn diese Voraussetzungen stimmen, werden sie im fortpflanzungsfähigen Alter – nach rund acht bis zehn Jahren – in dieses Gebiet zurückkehren. Bartgeier ziehen in der Regel nur alle zwei bis drei Jahre ein Jungtier groß.

Die am 12. März und 15. März im Tierpark Berlin geschlüpften Jungvögel machten sich nach wochenlangem Bangen am 10. Juni schließlich doch auf den Weg in den Naturpark Grand Causses in den französischen Cevennen. Dort wurden Sie zusammen mit zwei weiteren Vögeln aus anderen europäischen Einrichtungen durch Mitarbeiter der Vulture Conservation Foundation zu ihren zukünftigen Brutstätten gebracht. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für den Bartgeier arbeiten heute fünf Zuchtzentren mit knapp 40 Zoologischen Gärten zusammen. Seit 2012 wurden in dieser Region bereits 24 Bartgeier ausgewildert.

„Es wird nun in den nächsten ein bis zwei Wochen der große Moment kommen, in dem Fario und Dolomie zum ersten Mal ihre riesigen Flügel aufspannen und sich von ihren Felsen schwingen werden“, beschreibt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem die weiteren Schritte der Auswilderung. „Wann genau der richtige Augenblick gekommen ist, entscheiden die beiden Jungvögel selbst.“

Hintergrund – Bartgeier in Europa

Bereits seit 1988 engagieren sich Zoo und Tierpark Berlin für den Schutz und die Wiederansiedlung der Bartgeier in Europa. Als fliegende Artenschutz-Helden bereichern Berliner Bartgeier seit drei Jahrzehnten die genetische Vielfalt des internationalen Projekts: Von 1988 bis heute wurden 21 im Tierpark Berlin geschlüpfte Bartgeier in den Alpen, Andalusien und den Cevennen erfolgreich ausgewildert. Innerhalb der letzten 30 Jahre haben der VCF und das EEP insgesamt mehr als 300 Bartgeier in Europa ausgewildert. Jeder einzelne Vogel wird in den ersten Wochen und Monaten genauestens beobachtet und diese Mühe zahlt sich aus: 1997 schlüpften wieder die ersten Jungtiere in den europäischen Alpen und derzeit leben allein dort insgesamt rund 20 Brutpaare.

Der Bartgeier zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,85 m zu den größten Greifvogelarten Europas. Die beeindruckenden Tiere leben vorwiegend in Gebirgsregionen oberhalb der Waldgrenze, ihre Horste legen sie in Felsnischen an. Bei der "Abfallbeseitigung" spielen die großen Vögel weltweit von den Pyrenäen bis zum Himalaya eine zentrale Rolle im Ökosystem.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.