lifePR
Pressemitteilung BoxID: 200606 (ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim)
  • ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim
  • L 7
  • 68161 Mannheim
  • http://www.zew.de
  • Ansprechpartner
  • Kathrin Böhmer
  • +49 (621) 1235-103

Kartellaufdeckungen beleben den M&A-Markt

(lifePR) (Mannheim, ) Die Aufdeckung eines Kartells erhöht in den Folgejahren die Anzahl der Fusionen und Übernahmen (M&A) in dem entsprechenden Wirtschaftszweig deutlich. Dies lässt auf einen kausalen Zusammenhang zwischen der Aufdeckung illegaler Kartellabsprachen und der Stärke der M&A-Aktivitäten in den jeweiligen Branchen schließen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Grundlage der Analyse sind Kartellentscheidungen der europäischen Kommission sowie die Zephyr-Datenbank von Bureau van Dijk (BvD), die Informationen zu Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüssen weltweit enthält.

Die Analyse wertet europaweit Kartellaufdeckungen in zwölf verschiedenen Branchen aus. Betrachtet werden die M&AAktivitäten in den entsprechenden Wirtschaftszweigen in einem Zeitraum von drei Jahren vor bis fünf Jahren nach der Zerschlagung dieser Kartelle. Die Untersuchung der M&ATätigkeit bezieht sich auf Fälle, in denen wettbewerbswidrige Absprachen im Zeitraum 2001 bis 2005 endeten.

Es zeigt sich, dass die Anzahl der Transaktionen im Mittel über alle zwölf Märkte im Jahr der Kartellaufdeckung merklich ansteigt und auch in den Folgejahren auf hohem Niveau Pressemitteilung verharrt. Daraus lässt sich schließen, dass Kartellaufdeckungen M&A-Aktivitäten über mehrere Jahre hinweg stimulieren.

"Dass Kartellaufdeckungen dem M&A-Geschäft neuen Schwung verleihen, liegt wohl daran, dass durch die Kartellauflösung die Kräfteverhältnisse im Markt neu geordnet werden müssen. Dies motiviert offenbar viele Marktteilnehmer, die eigene Position zu sichern oder zu verbessern, etwa indem sie sich mit einem anderen Unternehmen zusammenschließen", sagt Tobias Veith, für die Analyse verantwortlicher Wissenschaftler am ZEW.

Ferner zeigt die Analyse, dass Kartellaufdeckungen auf Sicht von fünf Jahren tendenziell zu geringeren Transaktionswerten der Deals führen. Mark Schwerzel, International Director BvD, geht davon aus, dass Kartellstrafen eine langfristige Verringerung des Unternehmenswerts zur Folge haben: "Wurden vor einem Kartell riskantere Transaktionen mit hohem Wert durchgeführt, hat die Bestrafung eine Abwertung der betroffenen Unternehmen zur Folge. Daher sinkt trotz steigender M&A-Aktivitäten der Umfang jedes einzelnen Deals."

Weitere Informationen enthält der M&A Report Oktober 2010 im Internet unter: http://www.zew.de/de/publikationen/mareport.php?si=MAR&year=2010

ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

Das ZEW arbeitet auf dem Gebiet der anwendungsbezogenen empirischen Wirtschaftsforschung. Dabei hat es sich insbesondere durch die Bearbeitung international vergleichender Fragestellungen im europäischen Kontext sowie den Aufbau wissenschaftlich bedeutender Datenbanken (z. B. Mannheimer Innovationspanel, ZEW Gründungspanel) national und international profiliert. Die zentralen Aufgaben des ZEW sind die wirtschaftswissenschaftliche Forschung, die wirtschaftspolitische Beratung und der Wissenstransfer. Das ZEW wurde 1991 gegründet. Heute arbeiten am ZEW 181 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen rund zwei Drittel wissenschaftlich tätig sind.