Dienstag, 17. Juli 2018


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VBU fordert zukunftsorientierte Bildungspolitik

Ausbildungs- und Studienreife müssen sichergestellt werden

Freiburg, (lifePR) - Um wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand und sozialen Zusammenhalt in Baden-Württemberg auch zukünftig zu sichern, fordert die Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU) die Schaffung eines modernen und zukunftsfähigen Bildungssystems. „Bildung ist der wichtigste strategische Ansatz, um die aktuellen und künftigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern“, betonte Präsident Rudolf Kastner anlässlich einer Pressekonferenz am 16. November 2017 in Freiburg. Erforderlich sei ein effizientes, leistungsorientiertes Bildungssystem, das nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft fördert. Die vor wenigen Wochen veröffentlichten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2016 für den Primarbereich stellten den baden-württembergischen Grundschulen ein unbefriedigendes Zeugnis aus. Die alarmierenden Rückgänge in der Leistungsstärke der Schüler gäben Anlass, notwendige Verbesserungen umgehend umzusetzen.

Regionale Schulentwicklung vorantreiben – ausgewogenes Schulangebot sicherstellen

Die VBU setzt sich für eine systematische regionale Schulentwicklung ein – dabei müssen leistungsfähige Schuleinheiten erhalten oder geschaffen werden, in denen alle Bildungsabschlüsse in zumutbarer Entfernung erreichbar bleiben. Gleichzeitig bekennt sich die Wirtschaft zum Gymnasium G 8. Da eine Durchlässigkeit von Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen hin zum beruflichen Gymnasium bereits heute eine attraktive Möglichkeit darstellt, die Hochschulreife in neun Jahren zu erwerben, wäre eine zusätzliche Wahlmöglichkeit zwischen G 8- und G 9-Gymnasium teuer und nicht sachgerecht. Im Hinblick auf die Gemeinschaftsschulen ist eine unabhängige wissenschaftliche Evaluierung unabdingbar. Auf diese Weise kann der Erfolg dieser Schulart, z.B. hinsichtlich der Verbesserung der Ausbildungsreife oder der Auflösung des Zusammenhangs von sozialer Herkunft und Bildungserfolg, geprüft werden.

Eigenverantwortliche Schulentwicklung zulassen

Ein entscheidender Hebel zur qualitativen Verbesserung des Schulsystems ist die „selbstständige Schule“. Dieses Konzept, das international erfolgreich ist, beinhaltet unter anderem die Möglichkeit für Schulen, ihr eigenes Profil zu schärfen, indem sie Schwerpunkte und ihr eigenes Schulprogramm definieren. Dabei wird die Personalauswahl und -entwicklung direkt von der Schule gesteuert. Die Ressourcenzuteilung über ein Globalbudget orientiert sich an der Kopfzahl der Schüler sowie am Sozialindex für Schulen und nicht am Klassenteiler.

Qualitätsverbesserung durch Bildungscontrolling und Qualitätsmanagement

Um die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems zu stärken, ist die Nutzung neuer Steuerungsinstrumente unverzichtbar. So bedarf es eines Bildungscontrollings, das Kosten- und Effizienzinformationen auf allen Bildungsebenen zur Verfügung stellt. Zusätzlich muss durch die konsequente Umsetzung der bereits im Schulgesetz verankerten Selbst- und Fremdevaluation ein kontinuierlicher Qualitätsverbesserungsprozess ermöglicht werden.

Schulfrieden gestalten – einheitliche Qualitätsstandards garantieren

Zur verlässlichen Weiterentwicklung des Schulangebots und der Schulstandorte bedarf es eines politischen Grundkonsenses über die zukünftige Schulstruktur. Um Schüler, Lehrer, Eltern und auch die Unternehmen nicht weiter zu verunsichern, wirbt die Wirtschaft für einen parteiübergreifenden und langfristigen Schulfrieden im Land. Dieser sollte auf einem Zwei-Säulen-Modell aufbauen, das aus G8-Gymnasium und einem Weg, der den Hauptschulabschluss und den mittleren Abschluss als Regelabschlüsse anbietet, besteht.

Ein wesentliches Ziel der Schulpolitik muss die Verbesserung der Grundbildung sowie der Ausbildungsreife junger Menschen sein. Dazu bedarf es der Festlegung einheitlicher und verbindlicher schulübergreifender Mindeststandards für die Sekundarstufe I. Zudem muss die Anschlussfähigkeit in den unterschiedlichen Schularten in der Sekundarstufe I gewährleistet werden.

Berufsorientierung mit Leben füllen

Eine gute Berufsorientierung leistet einen wichtigen Beitrag für den direkten Übergang von der Schule in die Ausbildung. Die VBU begrüßt, dass mit der Leitperspektive berufliche Orientierung“ und dem eigenen Fach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ die Berufsorientierung künftig durchgängig im Bildungsplan verankert ist. Bei der Umsetzung sind insbesondere die Gymnasien gefordert, da hier das Thema der Berufsorientierung noch unterrepräsentiert ist. Entscheidend wird es darauf ankommen, die schulische Lernwelt mit außerschulischen Lern- und Praxuiserfahrungen in der Wirtschaft zu verknüpfen. Die Arbeitgeber bieten über das von ihnen getragene Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT eine Plattform für die Zusammenarbeit an.

Ökonomische Bildung sowie MINT-Fächer stärken

Mit der erfolgten Einführung eines Fachs „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ in der Sekundarstufe I aller Schularten sollen den Schülern tiefere Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge vermittelt werden. Die VBU erwartet, dass das im breiten gesellschaftlichen Konsens beschlossene neue Fach so wie geplant umgesetzt wird. Ein wichtiges Ziel der Schulpolitik ist aus Sicht der Wirtschaft zudem die Optimierung des Unterrichts in den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Bereitstellung gut aus- und fortgebildeter MINT-Lehrkräfte.

Informationstechnische Grundbildung aufbauen – Schule 4.0 voranbringen

Dringend erforderlich ist an den Schulen der Kompetenzaufbau in Informationstechnischer Grundbildung (ITG) und Informatik. Das Bildungsziel des mündigen „Informationsbürgers“ kann nur durch ein obligatorisches Stundenkontingent für informationstechnische Grundbildung in der Sekundarstufe I sichergestellt werden. Im Sinne einer Schule 4.0 muss die Digitalisierung an den Schulen weiter vorangetrieben werden. Dabei kommt es unter anderem darauf an, die digitale Infrastruktur sowie die Hardware-Ausstattung der Schulen auf der Grundlage neuer pädagogisch-didaktischer Konzepte auszubauen. Zudem ist die Aus- und Fortbildung der Lehrer auf die Erfordernisse von 4.0 abzustimmen.

Duale Ausbildung stärken und in der Fläche erhalten

Starke Berufsschulen sind die Basis für eine funktionierende duale Ausbildung. Daher ist es notwendig, die beruflichen Schulen in der Fläche – also auch im ländlichen Raum – zu erhalten. Zwingend erforderlich ist die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie sowie des Konzepts der Schule 4.0 auch an den Berufsschulen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch den Ausbau von Ganztagsangeboten verbessern

Wie der Bildungsmonitor 2017 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zeigt, ist das Ganztagsangebot in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern weiterhin stark unterdurchschnittlich. Der Anteil der Kindergarten- und Grundschulkinder in entsprechenden Einrichtungen ist im Südwesten sehr niedrig. So befanden sich beispielsweise im vergangenen Jahr nur rund 23 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen in einer Ganztagsbetreuung – so wenige wie in keinem anderen Bundesland. Um die Vereinbarkeit von Familie und Berufs zu verbessern, müssen der Ausbau von Ganztagsplätzen schneller vorangetrieben und die Kommunen dabei stärker unterstützt werden. Eine solche Maßnahme ist gleichzeitig ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung und zur Geschlechtergerechtigkeit bei den Einkommen.

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