Freitag, 24. November 2017


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Umfrage auf Klartext-Nahrungsergänzung: Jeder Dritte bekam vom Arzt Nahrungsergänzungsmittel als Gratisprobe

Verbraucherzentrale Hessen wertet ärztliches Vorgehen als unerlaubte Werbung

Frankfurt am Main, (lifePR) - Jeder dritte Umfrageteilnehmer auf klartext-nahrungsergaenzung.de der Verbraucherzentralen hat von seinem Arzt in der Sprechstunde Gratisproben von Nahrungsergänzungsmitteln erhalten. „Dieses Vorgehen der Ärzte kann nach unserer Auffassung als Verstoß gegen ihr Berufsrecht gewertet werden“, so Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen. Denn nicht nur der Verkauf, sondern auch die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel durch kostenlose Abgabe ist grundsätzlich untersagt. Eine Arztpraxis darf kein Krämerladen für Gesundheitsprodukte sein! Wirtschaftliche Interessen am Verkauf bestimmter Mittel muss der Arzt von seinem Heilauftrag trennen.

25 Prozent der Umfrageteilnehmer haben einmal eine Gratisprobe von Nahrungsergänzungsmitteln von ihrem Arzt erhalten, weitere zehn Prozent erhielten sogar schon mehrmals kostenlose Probepackungen in der Sprechstunde. Rund die Hälfte dieser Patienten (17 Prozent) hat das angebotene Nahrungsergänzungsmittel anschließend auch gekauft. „Offensichtlich verstehen Patienten die Gratisprobe häufig als ärztliche Empfehlung für den Kauf genau dieses Nahrungsergänzungsmittels“, so Franz.

Eine solche Kaufempfehlung vom Arzt kann bei Patienten zur Verwechslung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Arzneimitteln führen. Zumal die Verpackungen oft ähnlich aufgemacht und die Produkte wie Medikamente als Kapseln oder Pulver angeboten werden. Sie knüpfen dann vergleichbare Erwartungen an Nahrungsergänzungsmittel, die diese nicht erfüllen können und sollen. Denn Nahrungsergänzungsmittel unterscheiden sich  gravierend von Arzneimitteln: Sie sind Lebensmittel, die lediglich die allgemeine Ernährung ergänzen sollen. Arzneimittel sind dagegen dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen, zu lindern und vorzubeugen und werden behördlich auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft und zugelassen.

„Vorsicht ist geboten, wenn der Arzt auf ein ganz bestimmtes Mittel drängt und nur dieses angeblich in Frage kommt“, warnt Franz. „Dann liegt ein gewerbliches Interesse des Arztes nahe.“ Betroffene Verbraucher können sich in solchen Fällen bei der Verbraucherzentrale beschweren oder sich direkt an die Ärztekammer ihres Bundeslandes wenden.

An der nicht repräsentativen Umfrage der Verbraucherzentralen vom 10.03.2017 bis 19.04.2017 beteiligten sich 435 Verbraucher. Die ausführlichen Ergebnisse: verbraucher.de/produktwerbung-bei-aerzten-pm

Hintergrund
Die Berufsordnung von Ärzten untersagt es ihnen, im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer ärztlichen Tätigkeit Waren abzugeben oder gewerbliche Dienstleistungen anzubieten. Diese Vorschrift soll verhindern, dass Ärzte durch den Verkauf von Produkten das Vertrauen der Patienten in den Arztberuf missbrauchen. Auch der Verweis an bestimmte Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, beispielsweise die mündliche Empfehlung oder das Auslegen von Flyern bestimmter Anbieter oder die Abgabe kostenloser Probepackungen, ist nicht erlaubt. Auskünfte zu Produkten sind dem Arzt nur gestattet, wenn Patienten sie gezielt erbitten.

Ergänzende Informationen für Verbraucher:


klartext-nahrungsergaenzung.de
Positionspapier „Klartext Nahrungsergänzung“ der Verbraucherzentralen und des vzbv
Telefonische Beratung der Verbraucherzentrale Hessen zu Lebensmitteln und Ernährung dienstags 10 -14 Uhr unter 0900 1 972012. 0,90 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
Hessenweites Servicetelefon (069) 972010-900. Informationen über die Beratungs- und Seminarangebote sowie die Öffnungszeiten der Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen; Terminvereinbarung möglich. Keine Beratung!

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