Marktcheck: Vorsicht Gesundheitsversprechen!

Verbraucherzentrale Hessen informiert auf der Grünen Woche in Berlin rund um Health Claims

(lifePR) ( Frankfurt am Main, )
Vor allem zum Jahresanfang fassen viele den guten Vorsatz, sich gesünder zu ernähren. Vermeintliche Unterstützung liefern dabei immer mehr Lebensmittel, die mit Gesundheitsversprechen - sogenannten "Health Claims" - versehen sind. Die Verbraucherzentralen haben 46 mit Gesundheitsangaben aufgepeppte Produkte aus Deutschlands Supermärkten daraufhin geprüft, ob die ausgelobten Werbeversprechen zulässig sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Trotz der mittlerweile strengen Vorgaben der EU für Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln nutzen viele Hersteller Schlupflöcher der Health-Claims-Verordnung. Andere beachten die Vorschriften erst gar nicht. "Solche Verstöße muss die Lebensmittelüberwachung konsequenter ahnden", fordert Andrea Schauff, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Hessen. Wissenswertes zum Thema gibt es auch auf der Grünen Woche in Berlin am Infostand der Verbraucherzentralen.

Die sechs häufigsten Tricks der Hersteller:

- Nicht zugelassen, trotzdem auf dem Etikett: 43 Prozent der Produkte wiesen Werbeaussagen (Claims) auf, die aus Sicht der Verbraucherzentralen nicht zugelassen sind. Beispielsweise wurden probiotische Keime für ein "gesundes Wachstum" ausgelobt, obwohl es dafür keinen erlaubten Claim gibt. Europaweit sind aufgrund der EU-Verordnung circa 250 Claims zugelassen.

- Erlaubter Wortlaut stark verändert: Auf 22 Produkten wurde der Wortlaut verstärkt. So wurde zum Beispiel aus "trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei" ganz hochtrabend ein "leisten einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und der Funktionsfähigkeit der körpereigenen Abwehrkräfte". Das ist jedoch aus Sicht der Verbraucherzentralen nicht zulässig.

- Zucker- und Fettbomben mit Gesundheitsversprechen: Vitamin- und Mineralstoff-Beimischungen sind billig und verpassen so manchem kalorienreichen Lebensmittel zu Unrecht ein gesundes Image. Hier muss die EU unbedingt mit Nährwertprofilen nachbessern, damit nicht auf einer Kinderwurst, die zu einem Viertel aus Fett besteht, ein Claim wie "Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen und Zähne benötigt" prangen darf. Wie zu erwarten, laufen die Anbieter Sturm gegen diese wichtige Maßnahme und der EU-Kommission fehlt offenbar der Mut, dieses wichtige Herzstück der Verordnung umzusetzen.

- Kein Vitamin-C-Mangel in Deutschland: Die Anbieter nutzen den Mythos "Vitaminmangel" für ein gutes Geschäft. Beispielsweise werben sie auf angereicherten Lebensmitteln mit dem Claim "Vitamin C leistet einen wichtigen Beitrag zum Aufbau und der Funktionsfähigkeit der Abwehrkräfte". Vitamin C, das zeigte der Marktcheck, wird am häufigsten zugesetzt, obwohl die gesamte Bevölkerung damit gut versorgt ist.

- Überzogene Gesundheitsversprechen bei Kinderlebensmitteln: Die gesondert betrachteten, werblich für Kinder aufgemachten Lebensmittel schneiden besonders schlecht ab: Dreiviertel der Produkte tragen aus Sicht der Verbraucherzentralen übertriebene oder falsche Gesundheitsversprechen auf dem Etikett.

- Fehlende Werberegeln bei Pflanzenstoffen: Für gesundheitsbezogene Werbung zu Pflanzenstoffen gibt es noch gar keine Regelungen, obwohl diese dringend erforderlich wären.

"Wer sich künftig wirklich gesünder ernähren will, sollte mehr unverarbeitete Lebensmittel in Form von Gemüse und Obst essen, Gesundheitsversprechen der Anbieter kritisch hinterfragen, nicht jeden Werbespruch für bare Münze nehmen und die Zutatenliste lesen", so Schauff. Die Anbieter müssen ihre Verantwortung ernst nehmen und bestehende Verordnungen einhalten. Die Lebensmittelüberwachung muss gegen Verstöße konsequenter vorgehen. Den ausführlichen Bericht zum Marktcheck mit vielen Produktbeispielen und ein Faltblatt hat die Verbraucherzentrale Hessen unter www.verbraucher.de veröffentlicht.

Anschauungsmaterial und Wissenswertes zum Thema Health Claims bieten die Verbraucherzentralen auch auf der Internationalen Grünen Woche vom 16. bis 25. Januar in Berlin. Der Stand der Verbraucherzentralen, an dem auch die hessischen Verbraucherschützer vertreten sind, befindet sich in Halle 23 a, in der Sonderschau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Ergänzende Informationen für Verbraucher:
- Telefonische Beratung der Verbraucherzentrale Hessen zu Lebensmittel und Ernährung dienstags 10 bis 14 Uhr unter 0900 1 972012
0,90 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
- Hessenweites Servicetelefon (069) 97 20 10 - 900. Informationen über die Beratungs- und Seminarangebote sowie die Öffnungszeiten der Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen; teilweise auch Terminvereinbarung möglich. Keine Beratung!
- Weitere Informationen auf www.verbraucher.de
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