Herkunft der Rohstoffe meist Fehlanzeige

Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen deckt höchst verwirrende Regionalwerbung für Lebensmittel auf

(lifePR) ( Frankfurt am Main, )
Fast jeder dritte Deutsche bevorzugt inzwischen Lebensmittel, die in der Region aus heimischen Rohstoffen erzeugt werden. Handel und Hersteller bewerben ihre Produkte daher auch verstärkt mit regionalen Herkunftsangaben. Die Verbraucherzentrale Hessen hat im Mai 2011 im Rhein-Main-Gebiet Angebotsprospekte und Produkte auf Regionalwerbung hin überprüft. Fazit: Bei rund 90 Prozent der vermeintlichen Regionalprodukte bleibt die Herkunft der Rohstoffe im Dunkeln. Zum Teil nimmt die Regionalwerbung absurde Züge an: So finden sich unter Werbeslogans wie "Aus unserer Region" oder "So schmeckt Hessen..." griechischer Feta oder französische Zwiebeln. Die Verbraucherzentrale Hessen fordert daher gesetzlich verbindliche Kriterien für die Regionalkennzeichnung von Lebensmitteln.

Bei der Überprüfung der Werbeprospekte in der ersten Maiwoche 2011 wurde die Verbraucherzentrale Hessen vor allem bei den Handelsketten REWE und EDEKA fündig. Unter den Slogans "Aus unserer Region - Hessen macht Appetit" (REWE) und "So schmeckt Hessen unsere Heimat" (EDEKA) wurden rund 50 Lebensmittel regional beworben. Diese Produkte wurden in jeweils zwei EDEKA- und REWE-Läden unter die Lupe genommen.

Bei 42 von 50 der begutachteten Lebensmittel tappen die Verbraucher in Bezug auf die Herkunft der Rohstoffe im Dunkeln. Weder im Angebotsprospekt anhand der Produktbeschreibungen, noch im Handel anhand der Kennzeichnung der Produkte durch den Hersteller war zu erkennen, ob die Zutaten aus Hessen stammen.

In jedem zweiten Fall werden die Produkte lediglich in hessischen Betrieben hergestellt oder verarbeitet: "So wird das Ciabatta der Glockenbäckerei zwar in Frankfurt gebacken, woher der Weizen dafür kommt, ist offen", erklärt Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. "Wir sind hier keinesfalls zu kritisch, denn Verbraucher möchten durch den Einkauf regionaler Lebensmittel die Produzenten der Region stärken sowie durch kurze Transportwege das Klima schonen. Sie möchten hierbei durch verlässliche Angaben unterstützt werden."

Der Schwalbacher Hersteller Schwälbchen wirbt auf seinem Speisequark mit "Regionale Herkunftsgarantie". "Auch das hilft Verbrauchern nicht wirklich weiter, da die Region nicht konkret benannt wird", so Schauff.

Bei rund einem Drittel der Produkte (16) führt die Regionalwerbung des Handels Verbraucher hinters Licht. So sind etwa beim Bönsel Kochkäse aus Sachsen weder Hersteller noch Rohstoffe hessisch. Ganz absurd wird die Regionalwerbung dann bei griechischem Feta und Zwiebeln aus Frankreich.

Auch Produktnamen wie "Hessisches Äppelwoi-Gelee" oder Verkehrsbezeichnungen wie "Frankfurter Rindswurst" sorgen für Verwirrung. Sie stellen zwar einen Orts- oder Regionenbezug her, ob dieser auf die Herkunft der Rohstoffe, auf die Verarbeitung oder nur auf eine spezielle Rezeptur zutrifft, bleibt aber unklar.

Nur bei sieben Produkten (14%) ist die hessische Erzeugung aus heimischen Rohstoffen für Verbraucher nachvollziehbar und wird belegt. Hierzu zählen die mit dem regionalen Länderzeichen "Geprüfte Qualität - Hessen" deklarierten Produkte (Die Hessische H-Vollmilch und Eier mit Herkunftsgarantie aus Hessen), deren Prüfkriterien unabhängig kontrolliert werden, sowie Weine der Bergsträßer Winzer eG und Rosbacher Mineralwasser.

Die regionale Herkunft ist bei den meisten Lebensmitteln weder am Produkt im Handel noch über andere Informationsquellen überprüfbar. Auch Regionalwerbung muss aber wahr und klar sein und der Verbrauchererwartung entsprechen. Rechtlich ist die Regionalkennzeichnung derzeit jedoch nur ungenügend geregelt, was Irreführung und Täuschung der Verbraucher ermöglicht. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb einheitliche Kriterien und einen gesetzlichen Rahmen für die Regionalkennzeichnung von Lebensmitteln.

Tipps für den Einkauf regionaler Lebensmittel

- Achten Sie auf das kontrollierte regionale Länderzeichen Geprüfte Qualität Hessen und regionale Herkunftssiegel (zum Beispiel Landmarkt - Vereinigung Hessischer Direktvermarkter).
- Kaufen Sie direkt beim Erzeuger oder auf dem Bauernmarkt ein, wo die Herkunft der Produkte überprüfbar ist.
- Fragen Sie im Handel und bei regionalen Herstellern nach, ob die Lebensmittel aus regionalen Rohstoffen erzeugt werden.
- Melden Sie irreführende Regionalwerbung für Lebensmittel der Verbraucherzentrale.

Ergänzende Informationen für Verbraucher:

- Telefonische Beratung der Verbraucherzentrale Hessen zum Thema "Lebensmittel und Ernährung" dienstags 10 bis 14 Uhr unter 0900 1 972012. 0,90 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.

- Die Flyer "Lebensmittel aus der Region" und "Woher kommen unsere Lebensmittel?" sind kostenlos in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen erhältlich.

- Das Positionspapier der Verbraucherzentralen "Verbrauchergerechte Kennzeichnung von regionalen Lebensmitteln" und das Gutachten "Transparenzerhebung der regionalen Landesprogramme für Lebensmittel" ist auf der Internetseite der Verbraucherzentrale unter www.verbraucher.de in der Rubrik Ernährung herunterladbar.

- Hessenweites Servicetelefon 0180 5 972010. 0,14 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; maximal 0,42 € pro Minute aus dem Mobilfunk. Informationen über das Beratungs- und Seminarangebote sowie die Öffnungszeiten der Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen; teilweise auch Terminvereinbarung möglich. Keine Beratung!
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