lifePR
Pressemitteilung BoxID: 613060 (Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.)
  • Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.
  • Babelsberger Str. 12
  • 14473 Potsdam
  • http://www.vzb.de

Richtig Riestern: "Es kommt auf den Einzelfall an"

Verbraucherzentrale Brandenburg gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen

(lifePR) (Potsdam, ) Um das Image der Riester-Rente steht es nicht zum Besten. Immer noch sind viele Verbraucher skeptisch, ob die 2002 eingeführte und mit staatlichen Zulagen geförderte Altersvorsorge das Richtige für sie ist. Ein pauschales „Falsch“ oder „Richtig“ gibt es nicht, davon ist auch Erk Schaarschmidt, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, überzeugt. „Die individuelle Situation ist ausschlaggebend“, so Schaarschmidt. "Aber sehr häufig ist ein Riesterprodukt als ein Baustein in der persönlichen Altersvorsorge-Strategie empfehlenswert."

Für viele Verbraucher wird die gesetzliche Rente im Alter kaum ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Mit der kapitalgedeckten Riester-Rente hat der Gesetzgeber Anreize geschaffen, um die durch die Rentenabsenkung geschaffene Versorgungslücke zu schließen. Allerdings besteht große Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung, ob die Riester-Rente wirklich die passende Vorsorgestrategie ist. Gerade in Sachen Altersvorsorge wenden sich Verbraucher oft an die Berater der Verbraucherzentrale Brandenburg.  Finanzexperte Erk Schaarschmidt beantwortet hier fünf der meist gestellten Fragen zur Riester-Rente: 

Wer kann die staatlich bezuschusste Riester-Rente in Anspruch nehmen?

Schaarschmidt: „Grundsätzlich gehören all diejenigen dazu, die seit der Rentenreform 2001 von der Absenkung des Rentenniveaus betroffen sind. Dazu gehören beispielsweise alle rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer sowie Beamte oder auch Personen, die in die Künstlersozialkasse einzahlen. Selbstständig Tätige hingegen können nicht „riestern“, wobei es hier Einschränkungen gibt: Ist jemand Selbstständig und verheiratet mit einer Person, die förderberechtigt ist, besteht eine sogenannte mittelbare Berechtigung. In diesem Fall können auch Selbstständige unter gewissen Voraussetzungen von Riester profitieren.“

Was müssen Verbraucher vor Abschluss der Riester-Rente unbedingt beachten?

Schaarschmidt: „Kurz gesagt: einiges. Vor Abschluss eines Vertrages sollten sich Verbraucher unbedingt mit den Förderbedingungen und den unterschiedlichen Produktarten vertraut machen. Denn „Riestern“ heißt nicht automatisch eine Versicherung abschließen. Zwar wird Verbrauchern oftmals die Versicherungsvariante angeboten – nicht zuletzt auch, weil diese aufgrund hoher Provisionen bei Versicherungsverkäufern  sehr beliebt ist. Jedoch existieren noch andere Produkte, die vielleicht sogar besser geeignet sind. Dazu gehören beispielsweise Fonds- und Banksparpläne oder auch Riesterdarlehen. Welches Produkt am besten zu einem passt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wenn sich Verbraucher unsicher sind, welches Produkt am sinnvollsten ist, sollten sie sich unbedingt unabhängig beraten lassen, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale."

Wo liegen die Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten?

Schaarschmidt: „Riester-Produkte unterscheiden sich neben der Transparenz zum Beispiel  in den Kosten und in der sogenannten Schwankungsintensität.  So ist ein konservativer Banksparplan ist meist ein sicheres Modell.. Er verzinst sich wegen des geringen Risikos und der aktuellen Niedrigzinsphase allerdings kaum. Ein Fondsparplan hingegen hat auch heute bessere Renditechancen. Dies wird mit einem höheren Schwankungsrisiko erkauft: Brechen die Börsen ein und ich kündige kurz darauf meinen Vertrag, werde ich womöglich reale Verluste machen, anders als beim Banksparplan. Die Chance, eine deutlich höhere Rendite zu erreichen, steigt bei langlaufenden Fonds-Verträgen. Diese Sparform eignet sich daher tendenziell für Jüngere, die von steigenden Aktienmärkten ausgehen, zwischenzeitliche Schwankungen verkraften können und den Vertrag durchhalten. Ein Bausparprodukt (Wohn-Riester) kommt eigentlich nur für Bauwillige in Frage. Mit einem Riesterbankdarlehen können Förderberechtigte effektiv die Darlehensschulden für selbstgenutztes Wohneigentum abzahlen. Wichtig ist bei allen Produkten immer, laufende Kosten für die Verträge sowie mögliche Kosten bei Kündigung oder Umschichtung des angesparten Kapitals in die Entscheidung einzubeziehen.“

Was können Verbraucher tun, wenn der Vertrag nicht mehr passt oder sich die persönliche Finanzsituation ändert?

Schaarschmidt: „Vor allem eins sollten Verbraucher nicht tun: Überstürzt handeln. Wenn sich der aktuelle Riester-Vertrag als unpassend entpuppt oder man nicht mehr so viel wie geplant einzahlen kann, gilt es, die nächsten Schritte genau zu überlegen. Eine Kündigung ist fast immer zum Nachteil der Verbraucher, denn rückwirkend entfallen alle staatlichen Zulagen nebst Steuerersparnissen sowie die Beitragsgarantie. Außerdem behält der Anbieter sämtliche bereits gezahlten Kosten für den Vertrag ein. Eine Kapitalübertragung auf ein anderes Riester-Produkt kann mit weniger Einbußen verbunden sein. Oder: Wenn bereits hohe Abschluss- und Vertriebskosten bezahlt wurden bzw. sich ein deutlicher Verlust bei Kündigung anbahnt, ist es oft sinnvoll, einen Vertrag beitragsfrei zu stellen – ohne zu kündigen. So bleiben die Einzahlungen und bisherigen Zulagen erhalten und verzinsen sich weiter. Auch hier sollte im Zweifel jeder Einzelfall von einem Experten geprüft werden.“   

In welcher Situation ist die Riester-Rente nicht die geeignete Altersvorsorge?

Schaarschmidt: „Allgemeine Aussagen dazu sind schwierig, denn die Bedingungen sind je nach Riester-Produkt und individuellen Lebensumständen unterschiedlich. Für jüngere Menschen mit Kindern ist ein durchdachtes kostengünstiges Riester-Produkt in vielen Fällen eine gute Wahl, insbesondere wegen der Zulagen. Für jemanden, der erst mit Ende 40 über das ‚Riestern‘ nachdenkt, könnte es hingegen etwas schwieriger werden, ein geeignetes Produkt mit guter Rendite zu finden. Je früher Verbraucher also über Altersvorsorge nachdenken, umso besser. Natürlich lassen sich aber auch im fortgeschrittenen Alter geeignete Altersvorsorge-Strategien finden.“

Verbraucher, die sich in Sachen Altersvorsorge beraten lassen wollen, können folgende Angebote der Verbraucherzentrale Brandenburg in Anspruch nehmen:


persönliche Verbraucherberatung, Terminvereinbarung unter 0331 / 98 22 999 5 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr) oder online unter vzb.de/termine,
E-Mailberatung auf vzb.de/emailberatung

Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Medien & Telefon, Energie, Bauen & Wohnen. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht.

Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbrauchern gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf. Kürzlich feierte sie ihren 25. Geburtstag.

Aktuelle Informationen gibt es auf www.vzb.de und www.facebook.com/....